08. Dezember 2021 / 09:24 Uhr

Abgabe war ein "großer Fehler": Aue-Coach Hensel hätte Dynamo Dresdens Daferner gerne noch in seinem Team

Abgabe war ein "großer Fehler": Aue-Coach Hensel hätte Dynamo Dresdens Daferner gerne noch in seinem Team

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Christoph Daferner ist bei Dynamo Stammkraft und Torschütze vom Dienst. In Aue konnte er früher davon nur träumen.
Christoph Daferner ist bei Dynamo Stammkraft und Torschütze vom Dienst. In Aue konnte er früher davon nur träumen. © imago/Michael Taeger
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Christoph Daferner ist aktuell im Sturm von Dynamo Dresden nicht mehr wegzudenken. Dass der FC Erzgebirge den 23-Jährigen 2020 zu den Schwarz-Gelben ziehen ließ, würde Aues heutiger Teamchef Marc Hensel gern rückgängig machen.

Dresden/Aue. Kein Zweifel – das Sachsenderby zwischen Erzgebirge Aue und Dynamo Dresden ist kein Spiel wie jedes andere. Im ewigen Duell zwischen Lila-Weiß und Schwarz-Gelb steckt viel zu viel Tradition und Rivalität. Bei der Neuauflage am Sonntag (13.30 Uhr) dürfen leider keine Fans ins Stadion, doch allein die Tabellenkonstellation bürgt für Brisanz.

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Daferner: "Es war ein Lehrjahr für mich"

Christoph Daferner hat zwar erst zwei Zweitliga-Vergleiche zwischen beiden Clubs live erlebt, doch die anstehende Dienstreise ist für den Torjäger etwas Besonderes. Schließlich sitzt er diesmal nicht wieder nur 90 Minuten auf der Auer Ersatzbank, sondern läuft mit 99,9-prozentiger Sicherheit in der Dynamo-Startelf auf.

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In der Saison 2019/20 war der junge Stürmer vom SC Freiburg ins Erzgebirge ausgeliehen worden. Den heute 23-Jährigen setzte Trainer Dirk Schuster aber nur einmal über 90 Minuten ein. Bei fast allen seiner 21 Einsätze stand er nur wenige Minuten auf dem Rasen. So gelang Daferner nur ein Tor – am 3. Spieltag beim 1:3 in Bielefeld. Dass es noch nicht zu mehr Einsatzzeit reichte, wirft er heute niemandem vor: „Es war ein Lehrjahr für mich, damals war ich einfach noch nicht weit genug. Ich konnte da aber vor allem menschlich Vieles mitnehmen.“

Bis auf flüchtigen Austausch mit zwei, drei Spielern pflegt Daferner heute keinen Kontakt mehr zu den „Veilchen“. Das eine Jahr in Aue sei zu kurz gewesen, um dauerhafte Freundschaften aufzubauen. Auf das Wiedersehen mit Aues heutigem Teamchef Marc Hensel, damals sein Co-Trainer, freut er sich aber allemal: „Mit Marc Hensel kam ich gut klar. Mit ihm konnte ich immer gute Gespräche führen. Im Trainingsbetrieb habe ich mit ihm sehr gut zusammengearbeitet. Ich schätze ihn sehr.“

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Mit viel Selbstvertrauen nach Aue

Umgedreht lobt Hensel den Stürmer (acht Saisontore) als einen Musterprofi, den Aue hätte halten müssen: „Christoph Daferner ist ein Spieler, der hier leider nicht zum Zug gekommen ist, obwohl er sich das absolut verdient gehabt hätte. Er hat zu wenig Einsatzzeiten bekommen, das Potenzial war da. Ich bin mir sicher, dass Christoph ein Erstliga-Spieler wird.“ Das habe er selbst damals schon gesagt, daran habe sich nichts geändert, so Hensel. Daferner abzugeben, sei „einer der großen Fehler“ gewesen, die Aue in den letzten dreieinhalb Jahren gemacht hat. Daferners „explosionsartige Entwicklung“ habe man ahnen können: „Wir wussten, dass die entstehen kann, weil er ein sehr talentierter Spieler ist und menschlich unglaubliche Fähigkeiten hat: Er ist sehr empathisch, er ist sehr kommunikativ, unwahrscheinlich fleißig.“ Dazu kämen seine guten physischen Voraussetzungen. Dass Daferner nicht mehr in Aue ist und so keine Tore für den FC Erzgebirge schießen kann, wurmt Hensel: „Da ärgere ich mich heute noch.“

Obwohl Daferner in Aue mit Hensel, der damals speziell die Talente betreute, bestens konnte, bereut der Mann aus Bayerisch-Schwaben den Schritt ins 110 Kilometer entfernte Dresden nicht: „Wir haben hier eine junge Mannschaft, die sehr gewillt ist, sich zu verbessern und hier von den Verantwortlichen auch sehr viel Vertrauen bekommt.“ Das gefalle ihm, dafür wolle er jeden Tag mit Leistung zurückzahlen.

Dass er in Dresden momentan jedes Spiel machen darf, weiß Daferner nach der schwierigen Lehrzeit in Aue ganz besonders zu schätzen. Dorthin fährt er nun mit dem Selbstvertrauen von drei Toren in den letzten drei Spielen. Pfiffe muss der Rückkehrer im neuen Trikot nicht fürchten, doch die hätte er bei einem Spiel mit Zuschauern auch nicht erwartet: „Ich glaube, bei den meisten Fans war ich gar nicht so auf dem Schirm, weil ich relativ wenig gespielt habe.“ Das hat sich geändert – jetzt schrillen bei jedem Sturmlauf Daferners in Aue die Alarmglocken.

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