11. Mai 2020 / 05:00 Uhr

"Abpfiff – der Betzenberg-Krimi" von Udo Röbel - Kapitel 15: Es geht nicht ohne Riesling

"Abpfiff – der Betzenberg-Krimi" von Udo Röbel - Kapitel 15: Es geht nicht ohne Riesling

Udo Röbel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Lest hier Kapitel 15 des Fußball-Krimis Abpfiff von Udo Röbel.
Lest hier Kapitel 15 des Fußball-Krimis "Abpfiff" von Udo Röbel.
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Der nächste Teil von "Abpfiff – der Betzenberg-Krimi": Heute Kapitel 15, in welchem der Feldkamp immer noch nicht zurück nach Hamburg kommt, weil wieder einmal zu viel Rieslingschorle fließt.

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Abpfiff - der Betzenberg-Krimi: KAPITEL 15

Umsteigen in Ulm. Umsteigen in Mannheim. Und jetzt auch noch Umsteigen in einen Bus, der ihn vom Bahnhof in Neustadt hoch zur Haardt in den Hubertushof bringt? Nein, denkt der Feldkamp und steigt zu einem Türken ins Taxi. Der rümpft zwar ein bisschen die Nase, aber nicht, weil das eine schlechte Tour ist, sondern weil es anfängt zu müffeln in seinem alten Mercedes-Diesel, nachdem der Feldkamp neben ihm Platz genommen hat. Aber weil Türken höfliche Menschen sind, sagt er nichts, sondern betupft sich das Gesicht mit Kölnisch Wasser, bevor er losfährt.

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Der Feldkamp hat den Wink trotzdem verstanden. Er riecht es ja mittlerweile selbst, wie es nun mal riecht, wenn man seit drei Tagen nicht mehr aus denselben Klamotten herausgekommen ist.

Als Erstes holt er deshalb seinen Koffer aus seinem Auto, geht zur Rezeption und fragt den Hofreiter, wo er mal eben duschen und sich was Frisches anziehen kann.

Der murmelt etwas von „Tageszimmer“ und „kann dir auch einen guten Preis machen“, was den Feldkamp nun doch etwas in Rage bringt.

„Denkst du eigentlich immer nur ans Geld?“, schnauzt er zurück und knallt die 500 Euro, die er mit der EC-Karte von dem Sandig aus dem Geldautomaten gezogen hat, auf den Empfangstresen.

„Hier. Mit einem schönen Gruß von der Frau Sandig! Damit ist ja wohl das Zimmer von ihrem Mann mehr als genug bezahlt – und auch meine Dusche!“

Der Feldkamp stürmt die Treppe hoch – und macht auf halber Strecke wieder kehrt. Bevor es unter die Dusche geht, muss er den Hofreiter noch nach dem Chinesen fragen: „Hat der auch bei euch übernachtet, am Samstag?“, fragt er und zeigt ihm das Foto, das er auf dem Handy vom Sandig gefunden hat.

„Hm, ich glaube nicht. Aber wie ich dir ja schon vorhin am Telefon gesagt habe, hatte ich am Samstag frei. Und bei den Abrechnungen vom Wochenende wäre mir ein chinesischer Name bestimmt aufgefallen. Wer ist denn der Kerl überhaupt? Und was macht der mit dem Sandig auf dem Foto?“

„Das will ich ja gerade herausfinden“, knurrt der Feldkamp etwas genervt. „Aber vielleicht hast du ja eine Ahnung, wo dieses Foto aufgenommen wurde.“

„Ahnung nicht“, antwortet der Hofreiter und tippt mit dem Finger auf die Leuchtbuchstaben hinter den Köpfen von dem Sandig und dem Chinesen. „Das kann ich dir mit Gewissheit sagen. Das ist der Eingang zur Spielbank in Bad Dürkheim.“

Der Feldkamp haut sich mit der flachen Hand gegen die Stirn. „STAUR…KU…AUS…ANK“. Darauf hätte er auch von allein kommen können. Vollständig gelesen ergeben die Buchstaben „RESTAURANT“, „KURHAUS“ und „SPIELBANK“. Wenn das nicht zum Himmel stinkt! Der Sandig war noch zocken, bevor er den Löffel abgegeben hat! Und das zusammen mit einem chinesischen Wettpaten!

Darum geht es in "Abpfiff – der Betzenberg-Krimi"

Der Hofreiter denkt wohl gerade dasselbe. Mit offenem Mund steht er da und starrt wie ein Blöder auf das Foto. Doch ehe er Luft holen und den Feldkamp mit denselben Fragen bombardieren kann, die dem gerade durch den Kopf stürmen, ist der schon wieder auf der Treppe. Jetzt braucht er die Dusche, um auch seine Gedanken abzukühlen.

Der erste richtig warme Frühlingstag in der Pfalz. Über der Rheinebene wölbt sich ein milchig blauer Himmel, und die Weinberge liegen träge in der Sonne. Wie schön es doch hier ist, denkt der Feldkamp, als er frisch geduscht und geföhnt auf der Terrasse des Hubertushofs sitzt. Ob er sich noch einen schönen kalten Rieslingschorle gönnt, bevor er sich auf den Weg macht nach Hamburg. Quasi einen Abschiedsschoppen?

Wie aufs Stichwort hört er Gelächter in seinem Rücken. Man braucht nur an einen Rieslingschorle zu denken, und schon schiebt das Kleeblatt seine Fahrräder auf die Terrasse. Vorneweg der Schorsch, dann der Heiner und als Letzter der Jean.

„Ei, was machst du denn hier?“, ruft der Schorsch. „Ich dachte, du bist schon längst wieder in Hamburg!“

Der Feldkamp gerät ein wenig ins Stottern. Besonders, weil er gerade an die Mutter denken muss. Nicht auszudenken, wenn sie erfährt, dass er wieder in der Pfalz ist, ohne bei ihr vorbeizuschauen. Und vor allen Dingen, ohne ihr haarklein zu erzählen, was er inzwischen herausgefunden hat über den toten Schiedsrichter.

Was er natürlich jetzt tun muss. Und was natürlich nicht ohne Rieslingschorle geht. Und was natürlich auch den Anton von der Rezeption lockt, den Hofreiter, nicht verwandt und verschwägert mit dem gleichnamigen grünen Politiker.

Was soll ich euch sagen? Die sind natürlich total aus dem Häuschen geraten. Erst recht, als der Feldkamp ihnen dann auch noch das rote Spitzenhöschen gezeigt hat, quasi als Beweis dafür, dass er mit keinem Wort übertrieben hat. Dem Heiner sind fast die Augen ausgefallen dabei, er musste gleich noch einen zweiten Rieslingschorle bestellen. Leider für alle. Was den Feldkamp mit Schrecken daran erinnert, dass er ja noch fahren muss. Aber einen Rieslingschorle lehnt man nicht ab in der Pfalz. Und dem Heiner schon gar nicht. Der wäre schon beleidigt gewesen, wenn er nur ein Viertel mitgetrunken hätte.

Auf jeden Fall hat der zweite Rieslingschorle natürlich erst recht die Fantasien von dem Kleeblatt befeuert. Alle haben nur noch wild durcheinandergeredet und sich in die wüstesten Spekulationen verstiegen, wer denn den Sandig umgebracht haben könnte. Nur der Jean hat sich wie immer ein bisschen zurückgehalten und schließlich alle wieder runtergeholt auf den Boden der Tatsachen: „Und wo ist der Beweis, dass der Sandig wirklich ermordet worden ist? Ich meine den wirklichen hieb- und stichfesten Beweis dafür, dass er nicht eines natürlichen Todes gestorben ist, sondern durch Fremdeinwirkung.“

So wie der Jean das sagt, klingt es wie ein amtliches Protokoll, das er gerade schreibt. So wie früher, als er selbst noch bei der Polizei gewesen ist. Und ehrlich gesagt scheint er sich auch ein bisschen zu gefallen in dieser Rolle: „Erwiesen ist, dass der Sandig tot ist“, doziert er weiter. „Fakt ist, dass die Obduktion ergeben hat, dass er an einem Herzinfarkt gestorben ist und die Rechtsmediziner keine Anzeichen für eine äußere oder innere Gewalteinwirkung bei der Autopsie gefunden haben. Damit ist auch der erste Befund des Notarztes bestätigt und der Fall für die Kripo erledigt. Es sei denn, die toxikologischen Feinuntersuchungen ergeben plötzlich Verdachtsmomente, die den Tod in einem anderen Licht erscheinen lassen.“

Das ist der Autor Udo Röbel

„Aber all das, was der Feldkamp herausgefunden hat, ist doch höchst verdächtig“, funkt der Schorsch dazwischen. „Müssen wir das nicht schleunigst der Polizei melden?“

„Müssen nicht“, belächelt der Jean den Schorsch. „Können vielleicht. Aber was haben wir denn wirklich Neues in der Hand, das einen Mordverdacht rechtfertigt oder sogar erhärtet? Dieses Höschen etwa? Wer sagt uns denn, dass das wirklich dieser Adligen gehört? Das kann der Sandig schon Wochen mit sich herumgetragen haben. Und die Selfies mit dieser Dame beweisen auch nichts, außer dass er mit ihr an diesem Abend an der Bar gesessen hat. Vielleicht eine Zufallsbekanntschaft, vielleicht auch nicht. Und selbst wenn der Sandig in dieser Nacht mit ihr noch gevögelt hätte und dabei gestorben wäre, ist das noch kein Mord. Herzinfarkt beim Sex. Das soll es alles schon gegeben haben. Wahrscheinlich reicht das noch nicht einmal zu einer Anklage wegen unterlassener Hilfeleistung. Bleiben die beiden anonymen Anrufe in der Nacht. Die können von seinen Schirikollegen gewesen sein. Vielleicht, um sich abzustimmen für das Spiel. Nee, Männer, das sind zwar alles nette Indizien, aber für einen Mordverdacht reichen die noch nicht aus. Die können sich genauso gut wieder in Wohlgefallen auflösen.“

„Und was ist dann mit dem Chinesen?“, brummt der Feldkamp ein wenig missmutig? „Das ist doch alles höchst merkwürdig!“

„Ja“, sagt der Jean. „Bei dem Foto bin ich allerdings auch stutzig geworden. Irgendwie kommt mir das Gesicht bekannt vor. Irgendetwas klingelt da bei mir. Eine Geschichte, die aber schon ein paar Jahre zurückliegt. Und wenn ich mich recht entsinne, ging es dabei aber nicht um manipulierte Wetten, sondern um Geldwäsche in China-Restaurants.“

Geldwäsche?

Auch im Kopf von unserem Feldkamp klingelt etwas. Genau an derselben Stelle, wo es auch geklingelt hat, als ihnen der Hofreiter das Foto von dem toten Schiedsrichter gezeigt hat. Aber er kommt immer noch nicht darauf, was eigentlich genau. Und was auch ziemlich schwierig ist, weil der Jean immer noch nicht fertig ist mit seinem Vortrag: „Ich kann ja morgen mal meine Kollegen fragen, was damals genau war“, fährt der fort. „Aber das Wichtigste ist, dass wir jetzt endlich mal aus erster Hand erfahren, was sich an dem Samstagabend genau in der Hotelbar zugetragen hat. Ist denn der Kevin immer noch krank, Anton?“

„Nee“, antwortet der Hofreiter. „Der hat sich heute Morgen zurückgemeldet und müsste eigentlich jede Minute hier sein.“

Der Feldkamp schaut zuerst auf seine Uhr, dann auf das wieder schon halb leere Schoppenglas vor ihm. Das mit Hamburg wird wohl auch heute nichts.

„Kann ich mein Tageszimmer auch über Nacht haben?“, fragt er den Hofreiter und wendet sich dann dem Kleeblatt zu, speziell dem Schorsch: „Und wehe, ihr erzählt der Mutter, dass ich hier bin! Die reißt mir den Kopf ab, wenn sie das erfährt. Und am besten sagst du auch Claudia nichts.“

„Versprochen, Schwager!“, nickt der Schorsch. „Dann kannst du ja auch noch`n Rieslingschorle trinken.“

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Lest auch Kapitel 16 von "Abpfiff – der Betzenberg-Krimi", in welchem wir von dem Kevin erfahren, wer noch so alles in der Todesnacht mit dem Sandig an der Bar im Hubertushof gesessen hat.