14. Mai 2020 / 05:00 Uhr

"Abpfiff – der Betzenberg-Krimi" von Udo Röbel - Kapitel 18: Das Rätsel um den Koffer

"Abpfiff – der Betzenberg-Krimi" von Udo Röbel - Kapitel 18: Das Rätsel um den Koffer

Udo Röbel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Lest hier Kapitel 18 des Fußball-Krimis Abpfiff von Udo Röbel.
Lest hier Kapitel 18 des Fußball-Krimis "Abpfiff" von Udo Röbel.
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Der nächste Teil von "Abpfiff – der Betzenberg-Krimi": Heute Kapitel 18, in welchem der Feldkamp den verschwundenen Koffer von dem Sandig auf einem Video entdeckt und der Kevin heftig ins Stottern kommt.

Abpfiff - der Betzenberg-Krimi: KAPITEL 18

Das Lewwerworschdebrod, das der Hofreiter aus der Küche geholt hat, ist gut. Aber nicht so gut wie das von der Mutter. Was aber nicht an dem Metzger liegt, von dem der Hubertushof seine Lewwerworschd bezieht, sondern daran, dass bei der Mutter eh alles besser schmeckt.

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„Und was machen wir jetzt?“, fragt der Hofreiter.

„Das weiß ich auch noch nicht so genau“, antwortet der Feldkamp und wischt sich den Mund ab. „Um diese Frau von Lewitz werde ich mich kümmern, wenn ich wieder in Hamburg bin. Vielleicht finde ich ja dort mehr über sie heraus. Den Chinesen will der Jean unter die Lupe nehmen. Bleibt nur dieser ominöse Arzt, von dem wir noch nicht einmal wissen, wie er aussieht.“

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„Ja“, nickt der Hofreiter. „Nur, dass er eine FCK-Kapp aufgehabt hat – und dass er sich nicht mehr gemeldet hat, als der Sandig tot war. Also, ich an seiner Stelle hätte das ja getan. Aber vielleicht hat er das noch gar nicht mitgekriegt.“

„Das kann ich mir schwer vorstellen. Die Geschichte von dem toten Schiedsrichter ist über alle Medien gelaufen. Bundesweit. Und selbst in Memmingen hat sie mehrmals in der Zeitung gestanden.“

„Memmingen? Wie kommst du denn jetzt auf Memmingen?“


Für eine Sekunde überlegt der Feldkamp, ob er dem Hofreiter jetzt auch noch die Geschichte von dem 5er BMW erzählen soll und der vagen Vermutung, die ihm schon den ganzen Mittag im Kopf herumspukt. Aber das ist ihm im Moment zu mühsam. Stattdessen schwindelt er ein bisschen: „Ich weiß auch nicht, wie ich gerade darauf gekommen bin. Vielleicht, weil der Sandig ja aus Memmingen kommt. Aber mal was ganz anderes, Anton: Habt ihr eigentlich Videoüberwachung in eurem Hotel?“

„Nee“, sagt der Hofreiter. „Direkt im Hotel nicht. Schon wegen der Diskretion. Du verstehst schon. So manche Paare, die zu uns kommen, die wollen nicht, dass man sie sieht.“

„Und was ist mit eurem Parkplatz vor dem Restaurant?“

„Da schon. Aber warum fragst du? Meinst du, dass da dieser Arzt vielleicht drauf ist?“

„Zu Fuß wird er wohl kaum zu euch gekommen sein“, brummt der Feldkamp. „Einen Versuch wäre es ja vielleicht wert.“

In der Tat: Exakt um 20 Uhr, vier Minuten und 23 Sekunden rollt ein schwarzer BMW auf den Parkplatz vor dem Restaurant des Hubertushofs. Das Kennzeichen ist gut zu erkennen: MM-PS 2583.

Der Fahrer hinter der Windschutzscheibe leider nicht. Schon im Auto hat er seine Baseballkappe tief ins Gesicht gezogen. Und beim Aussteigen hat er der Videokamera den Rücken zugewandt.

„Mist!“, sagt der Hofreiter und spult das Videoband auf seinem Computer weiter vor. Eine Stunde, zwei Stunden … da!

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Exakt um 23 Uhr, 54 Minuten und 18 Sekunden tritt derselbe Mann wieder aus dem toten Winkel der Kamera, öffnet die Fahrertür und setzt sich hinter das Steuer des BMW. Und wieder verdeckt die FCK-Kappe bis unter die Nase sein Gesicht.

„So eine Scheiße!“, flucht der Hofreiter. „Schon wieder nichts zu erkennen! Als ob er gewusst hätte, dass der Parkplatz videoüberwacht ist. Aber wenigstens haben wir jetzt sein Kennzeichen. Und da müsste es ein Kinderspiel für den Jean sein, mithilfe seiner alten Kollegen herauszufinden, wem der BMW gehört.“

Ja, denkt sich der Feldkamp. Dem Autohaus Sapina in Memmingen. Nur, dass uns das so viel auch nicht weiterhilft. Denn wenn der BMW wirklich ein Firmenwagen ist, wie der nette Herr Sapina gesagt hat, dann ist er auf das Autohaus zugelassen. Und so großzügig wie der Sapina ihm damals den Wagen überlassen hat, ist davon auszugehen, dass den jeder benutzen kann in seiner Firma. Und zwar ohne Eintrag in ein Fahrtenbuch.

Was den Feldkamp aber wesentlich mehr interessiert und dem Hofreiter offensichtlich noch gar nicht aufgefallen ist, das ist der Koffer, den der Mann auf dem Video bei seiner Rückkehr in der Hand hält. Silbern. Aus Aluminium. Ein Koffer, wie ihn die Frau Sandig beschrieben hat. Der Koffer, den der tote Schiedsrichter die letzte Zeit angeblich immer bei sich getragen hat.

Darum geht es in "Abpfiff – der Betzenberg-Krimi"

Aber auch das sagt der Feldkamp dem Hofreiter nicht. Zu kompliziert. Zu mühsam. Außerdem macht gerade das Restaurant auf. Und er will in Ruhe sein Essen genießen, ohne dass ihn ein Hofreiter, nicht verwandt oder verschwägert mit dem gleichnamigen grünen Politiker, ihn mit tausend zusätzlichen Fragen bestürmt.

Über den Koffer muss er erst einmal ganz allein nachdenken.

Der Pfälzer Teller war dann vielleicht doch etwas zu mächtig gewesen. Lewwerknepp (Leberknödel), Bratwurst und Saumagen. Dazu Grumbeerstambes (Kartoffelstampf) und Sauerkraut. Als der Feldkamp die Stufen hinunter in die Bar steigt, braucht er erst einmal einen Verdauungsschnaps – und sein Blick fällt auf die Schiefertafel hinter dem Tresen mit der Aufschrift „Cocktail des Monats“.

Wie ihr euch vielleicht erinnert, heißt dieser Cocktail Betzefeuer, und darunter steht: „Nur die Harten kommen in den Garten!“ Und der Feldkamp wollte ja schon bei seinem ersten Besuch hier, nach dem Geburtstagsessen mit der Mutter, wissen, was es damit auf sich hat. Aber damals stand ja der Hofreiter hinter dem Tresen, der nicht gewusst hat, was der Kevin da alles reinmacht, aber der Kevin ist ja inzwischen wieder gesund und schneidet gerade eine Zitrone auf. Also fragt der Feldkamp: „Was ist das eigentlich für ein Cocktail, dieses Betzefeuer? Kann man das trinken, ohne dass einem gleich schlecht wird?“

Der Kevin guckt den Feldkamp an, als hätte er gerade die Zitrone verschluckt, die vor ihm auf einem Holzbrett liegt.

„Wie … wie meinen Sie das … Herr Feldkamp?“, stottert er. „Da … da … ist zwar ordentlich Alkohol drin … ab … aber alles ganz na… natürliche Zutaten.“

Wieder fällt dem Feldkamp auf, wie schnell der Kevin aus der Fassung zu bringen ist. Und warum hat er gerade Herr Feldkamp gesagt? Was ist das doch für ein nervöses Hemd! Oder hat er vielleicht wirklich einen leichten Sprachfehler und ist deshalb immer so aufgeregt, wenn er angesprochen wird? Weil er sich so viel Mühe geben muss, das zu kaschieren?

„Kannst ruhig weiter du zu mir sagen“, lacht der Feldkamp. „Ich wollte doch nur wissen, was da reinkommt in diesen Cocktail, den du da erfunden hast.“

„Hm … eigentlich ist es ja nicht meine Erfindung“, sagt der Kevin, dessen Zunge sich nun wieder etwas beruhigt hat. „Eigentlich ist es mehr ein Klassiker, ein Long Island Iced Tea, den ich nur noch etwas aufgemotzt habe. Normalerweise wird er aus Rum, Wodka, Tequila, Gin und Triple Sec gemacht und mit Cola aufgefüllt. Aber ich gebe noch einen Schuss Absinth dazu.“

Das ist der Autor Udo Röbel

„Auwei“, sagt der Feldkamp und verdreht die Augen. „Das ist ja wirklich etwas für die ganz harten Trinker. Da lasse ich lieber die Finger davon. Ich nehme dann lieber nur Wodka. Und zwar einen doppelten und auf Eis bitte.“

Während der Kevin ihm seinen Wodka eingießt, legt der Feldkamp zwei Fotokopien auf den Tresen, die ihm der Hofreiter inzwischen von dem Überwachungsvideo ausgedruckt hat.

„Hier, wenn du mal schauen magst, Kevin“, sagt er. „Könnte das dieser Arzt sein, der den Sandig hoch auf sein Zimmer gebracht hat?“

Der Kevin zuckt mit den Achseln: „Ja und Nein. Da ist ja nichts zu erkennen auf diesen Bildern. Außer der Kappe auf seinem Kopf.“

„Und was ist mit dem Koffer hier auf diesem Foto? Hatte der einen bei sich in der Bar?“

„Nein.“ Diesmal schüttelt der Kevin energisch den Kopf. „Das wäre mir bestimmt aufgefallen.“

Der Feldkamp nimmt erst einmal einen Schluck von seinem Wodka. Auf dem Video ist klar zu sehen, dass dieser Arzt nach seiner Ankunft im Hubertushof ohne Koffer vom Parkplatz ins Hotel gegangen ist – um drei Stunden später mit Koffer wieder zurück zu seinem Auto zu kommen. Nachdem er mit dem Sandig auf dessen Zimmer gewesen war. Bleibt eigentlich nur eine logische Erklärung: Der Koffer war die ganze Zeit über im Zimmer vom Sandig gewesen. Und der Arzt hat ihn dem Sandig geklaut. Nicht gerade typisch für Ärzte, aber möglicherweise ein Grund dafür, dass er sich bis heute nicht gemeldet hat?

Ist das alles so richtig, wie ich mir das überlegt habe, fragt sich der Feldkamp. Passt das zusammen?

Zur Vorsicht muss er den Kevin noch etwas fragen: „Habe ich das heute Mittag richtig verstanden, dass dieser Arzt noch einmal in die Bar gekommen ist, als er den Sandig auf sein Zimmer gebracht hatte?“

„Ja. Um seine zwei Bier zu zahlen.“

„Und da hatte er auch keinen Koffer dabei?“

„Nein. Wenn ich es doch sage! Der hatte den ganzen Abend keinen Koffer dabei!“

Hm, denkt der Feldkamp. Das hätte ich an dessen Stelle auch nicht getan. Mit einem Koffer in der Bar auftauchen, den ich gerade einem kranken Hotelgast gestohlen habe. Aber wo ist der Koffer dann abgeblieben? Wo hat er ihn gelassen in der Zeit zwischen dem Bezahlen und dem Einsteigen in sein Auto?

Viel länger kann er nicht grübeln über dieses Problem. Urplötzlich meldet sich seine Blase. Und der Feldkamp ist nicht nur in dem Alter, in dem er immer öfter ein Mittagsschläfchen braucht. Er ist auch in dem Alter, wo man den Ruf seiner Blase nicht lange ignorieren sollte. Doch auf der Toilette hat er plötzlich des Rätsels Lösung: „Wenn ich an seiner Stelle gewesen wäre – was hätte ich getan?“, sinniert er.

Ich wäre mit dem Koffer runter zur Bar, in die Toilette. Hätte ihn dort kurz in einer der Kabinen deponiert. Wäre dann in die Bar, hätte bezahlt – und dann zurück ins WC und mit dem Koffer wieder auf den Parkplatz …

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