15. Mai 2020 / 05:00 Uhr

"Abpfiff – der Betzenberg-Krimi" von Udo Röbel - Kapitel 19: Ermittlungen in der Spielbank

"Abpfiff – der Betzenberg-Krimi" von Udo Röbel - Kapitel 19: Ermittlungen in der Spielbank

Udo Röbel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Lest hier Kapitel 19 des Fußball-Krimis Abpfiff von Udo Röbel.
Lest hier Kapitel 19 des Fußball-Krimis "Abpfiff" von Udo Röbel.
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Der nächste Teil von "Abpfiff – der Betzenberg-Krimi": Heute Kapitel 19, in welchem der Feldkamp eine Glückssträhne in der Spielbank hat und einen Chinesen trifft, der auf Pfälzisch fluchen kann.

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Abpfiff - der Betzenberg-Krimi: KAPITEL 19

Als der Feldkamp am nächsten Morgen aufwacht, ist es schon kurz nach 10 Uhr. Draußen scheint die Sonne, und drinnen im Hotel wird gerade das Frühstücksbuffet abgeräumt. Immerhin gelingt es ihm mithilfe vom Hofreiter, wenigstens noch eine Tasse Kaffee zu ergattern. Was ihm auch ausreicht. Denn mehr als ein Brötchen kriegt er morgens sowieso nicht rein. Im Gegensatz zu anderen Menschen ist er noch nie ein großer Frühstücker gewesen.

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Überhaupt der Hofreiter! Wie sehr der sich verändert hat in den letzten Tagen! Wie nett und hilfsbereit der plötzlich sein kann! Und jetzt nimmt er ihn sogar in den Arm, als er sich endlich auf den Weg zurück nach Hamburg macht. Was dem Feldkamp fast schon ein bisschen peinlich ist. Vielleicht auch deshalb, weil es ihn an die Frau Sandig erinnert, wie die ihn zum Abschied geherzt und gedrückt hat.

„Mach’s gut, Feldkamp“, sagt der Hofreiter. „Und halt uns auf dem Laufenden, wenn du etwas herausgefunden hast über diese Freundin von dem Sandig.“

„Mach ich“, verspricht der Feldkamp. Dann fährt er mit seinem alten Golf vom Hof. Doch statt den direkten Weg zur Autobahn zu nehmen, entscheidet er sich anders. Der Tag ist so schön, er eh viel zu spät dran, da kommt es auch nicht mehr darauf an, wenn er einen Umweg über die Weinstraße nimmt, die Straße seiner Kindheit.

Deidesheim – hier hat seine Schwester geheiratet. Und wie hieß gleich noch der Sohn vom Bürgermeister, mit dem er auf das Gymnasium gegangen ist? Oberhettinger? Ja! Der schnellste Mann in ihrer Schulmannschaft. Wenn gar nichts mehr lief, dann nur noch lang und weit auf den Oberhettinger!

Forst – die Geschichte, die auch heute noch die Mutter erzählt. Wo er mit drei oder vier Jahren zum ersten Mal leibhaftige Kühe gesehen hat. Schwarz-weiß gefleckte und braune. Und wie er voller Staunen auf die Tiere gedeutet und gesagt hat: „Die geben Milch – und die braunen Kakao!“

Bad Dürkheim – nein. Hier hat er keine Erinnerungen. Das lag damals jenseits seiner Welt. So weit weg wie heute Hamburg. Auch später, als er schon 14 Jahre alt war und endlich ein eigenes Fahrrad hatte.

Bad Dürkheim? Der Feldkamp hat gerade die Ortsmitte erreicht, als er ein Hinweisschild mit dem Aufdruck „Spielbank“ sieht. Und sofort sind seine Gedanken wieder in der Gegenwart.

Der Chinese, mit dem der Sandig kurz vor seinem Tod ein Selfie gemacht hat. Inzwischen weiß er mehr über ihn. Oder glaubt es zu wissen. Denn sein ältester Sohn hat ihm mittlerweile den Artikel geschickt, den er vor ein paar Jahren über einen Bandenkrieg in der Pfalz recherchiert hat, in den auch chinesische Triaden verwickelt gewesen sein sollen.

Abgefackelte Wasserpfeifencafés, China-Restaurants, in denen Geld gewaschen wurde, Spieltische und Wettbüros in Hinterzimmern – das Landeskriminalamt ermittelte damals gegen mehr als ein Dutzend dubioser Gestalten, die aus aller Herren Länder kamen: gegen Polen und Libanesen genauso wie gegen Spielerberater aus Serbien und Kroatien und illegale Buchmacher aus Asien.

Darum geht es in "Abpfiff – der Betzenberg-Krimi"

„Himmelhergottdunnerwedderkeil!“, flucht der Chinese in breitestem Pfälzisch. „Himmelhergottdunnerwedderkeil! Hört diese Scheiße denn überhaupt nimmer uff?“

Der Chinese, der neben dem Feldkamp an einem Blackjacktisch sitzt, scheint eine Pechsträhne zu haben. Im Gegensatz zum Feldkamp, der gerade eine Glückssträhne hat. Seit fast einer Stunde legt ihm der Dealer einen Blackjack nach dem anderen. Gut, vielleicht nicht ständig hintereinander, aber so oft, dass die Jetons, die vor dem Feldkamp auf dem Kartentisch liegen, schon zu einem kleinen Berg angewachsen sind. Verstehen kann das der Feldkamp auch nicht so richtig. Aber vielleicht liegt das daran, dass er von dem Spiel und seinen inneren Gesetzmäßigkeiten nicht die geringste Ahnung hat – oder daran, dass er sich nicht auf die Karten konzentriert, sondern nur darauf, wie man am besten mit einem chinesischen Wettpaten ins Gespräch kommt.

Noch dazu mit einem Wettpaten, der gerade ein Spiel nach dem anderen verliert und immer übellauniger wird. Untereinander haben die Zocker auch nicht vor dem Baseballschläger zurückgeschreckt, hat in dem Artikel von seinem Sohn gestanden. Und es wurden auch schon einmal Pistolen vor das Gesicht gehalten. Ganz abgesehen von den abgefackelten illegalen Spielhöllen.

Eigentlich kann ich nur eine aufs Maul kriegen, denkt der Feldkamp – und gewinnt schon wieder.

Aber es scheint wirklich der Glückstag von dem Feldkamp zu sein. Angefangen damit, dass er vorhin mehr unbewusst als mit einem konkreten Plan im Kopf dem Hinweisschild zum Casino gefolgt ist. Weiter damit, dass die Spielbank überhaupt schon geöffnet war zu dieser Stunde, was wiederum der Tatsache geschuldet war, dass er an diesem Morgen erst so spät aufgewacht war. Und endend damit, dass unter den noch wenigen Besuchern des Casinos tatsächlich der Chinese war, den er suchte.

Die erste Annäherung war leicht und unverfänglich gewesen. Er hatte sich einfach neben ihn an den Blackjacktisch gesetzt und begonnen mitzuspielen.

Aber wie jetzt weiter?

Mit einem „Entschuldigen Sie!“ vielleicht? Mit einem „Dürfte ich Sie mal fragen, woher Sie den Sandig kannten?“ Oder gleich ganz direkt und unverblümt: „Hallo, ich bin Journalist und recherchiere gerade die Umstände, unter denen der Schiedsrichter Sandig ums Leben gekommen ist.“

Alles nicht das Richtige. Alles nur eine Einladung, beim ersten falschen Wort eins in die Fresse zu kriegen. Bis eben. Bis der Chinese plötzlich angefangen hat zu fluchen:

„Himmelhergottdunnerwedderkeil?“

Wieso spricht ein chinesischer Wettpate eigentlich Pfälzisch? Ist das nicht merkwürdig, denkt der Feldkamp. Aber ist das nicht auch die perfekte Lösung für sein Problem?

Das ist der Autor Udo Röbel

„Entschuldigen Sie, aber dürfte ich Sie einmal fragen, woher Sie so gut Pfälzisch können?“

Ja, das ist völlig unverfänglich. Eigentlich sogar ganz natürlich, dass man auf so eine Frage kommt. Das kann ihm selbst ein Wettpate nicht übel nehmen.

„Mischpause.“

Der Dealer, der am Tisch die Bank hält und die Karten austeilt, reißt den Feldkamp aus seinen Überlegungen. Und im gleichen Moment wendet sich der Chinese ihm zu: „Auch eine kleine Erfrischung?“

Der Feldkamp ist so verdutzt, dass er sogar vergisst, mit dem Kopf zu nicken. Ohne ein Wort zu sagen, folgt er dem Chinesen. Aber nicht zur Bar, sondern in Richtung der Toiletten.

Was soll das denn nun schon wieder, denkt der Feldkamp und stammelt etwas von „Ich dachte, wir wollten zur Bar … vielleicht einen Kaffee nehmen … oder …“

„Ich hab da vielleicht was Besseres“, unterbricht ihn der Chinese. In seinem Blick liegt dabei etwas Lauerndes, aber zugleich auch schon Verzweifeltes. Und überhaupt. Jetzt, wo ihn der Feldkamp zum ersten Mal etwas genauer ansehen kann, in dem kalten Neonlicht der Toilette, sieht der Chinese eigentlich immer weniger aus wie ein Wettpate. Jedenfalls nicht so, wie man sich vielleicht einen von der chinesischen Mafia vorstellt. Die ausgebeulten Jeans, die abgewetzte Kunstlederjacke und das schon angegilbte weiße Hemd darunter – die Klamotten, die der Chinese trägt, scheinen eher aus der Altkleidersammlung zu stammen als von einem Markendesigner. Wobei, heute weiß man ja nie. Vielleicht ist ja gerade Trash-Chic angesagt? Aber irgendwie, der Kerl da vor ihm sieht schon etwas heruntergekommen aus.

„Echt guter Stoff“, spricht der Chinese weiter und holt aus seiner Jacke etwas hervor, was den Feldkamp zum zweiten Mal an diesem Tag an seine Kindheit erinnert: In so eine Art von Papier waren früher die Rasierklingen seines Vaters eingewickelt. Aber das kann ja jetzt nicht sein, dass dieser Chinese ihm Rasierklingen verkaufen will. Und ganz so blöd ist der Feldkamp ja auch nicht, dass er nicht kapiert, was in dem Papier eingewickelt ist. Der Kerl bietet ihm gerade Kokain an. Ihm, einem Wildfremden! Und das auf der Herrentoilette der Spielbank im Kurhaus von Bad Dürkheim!

Nee! Das ist alles andere als ein Wettpate! Das ist ein kleiner abgerissener Straßendealer, der sein Geld gleich wieder am Blackjacktisch verzockt! Aber immerhin, das mit dem Erst-einmal-vorsichtig-ins-Gespräch-Kommen hat sich damit genauso erledigt wie die Gefahr, eins auf die Fresse zu bekommen, wenn man zu viele dumme Fragen stellt.

„Nee“, winkt der Feldkamp deshalb lässig ab. „Koks interessiert mich nicht. Aber vielleicht kommen wir ja auch anders ins Geschäft.“

Der Chinese schaut ihn an, als ob er ihm gerade ein unsittliches Angebot macht. Und als der Feldkamp beginnt, mit den Jetons in seiner Hosentasche zu klackern, sieht er in dessen Augen, dass sein Gegenüber sogar dazu bereit wäre, hier auf der Herrentoilette. Aber stattdessen holt der Feldkamp natürlich was ganz anderes hervor, nämlich das Handy von dem Sandig mit dem Foto von ihm und dem Chinesen darauf.

„Hast du dem auch Koks angeboten?“, fragt der Feldkamp und legt den ersten 50-Euro-Jeton auf eines der Waschbecken.

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Lest auch Kapitel 20 von "Abpfiff – der Betzenberg-Krimi", in welchem wir endlich erfahren, wie das rote Höschen in die Hosentasche von dem Sandig gekommen ist – und sich sein Mörder am Telefon meldet.