16. Mai 2020 / 05:00 Uhr

"Abpfiff – der Betzenberg-Krimi" von Udo Röbel - Kapitel 20: Telefonkontakt zum Mörder

"Abpfiff – der Betzenberg-Krimi" von Udo Röbel - Kapitel 20: Telefonkontakt zum Mörder

Udo Röbel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Lest hier Kapitel 20 des Fußball-Krimis Abpfiff von Udo Röbel.
Lest hier Kapitel 20 des Fußball-Krimis "Abpfiff" von Udo Röbel.
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Der nächste Teil von "Abpfiff – der Betzenberg-Krimi": Heute Kapitel 20, in welchem wir endlich erfahren, wie das rote Höschen in die Hosentasche von dem Sandig gekommen ist – und sich sein Mörder am Telefon meldet.

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Abpfiff - der Betzenberg-Krimi: KAPITEL 20

Gelbe. Blaue. Grüne. Schwarze …

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„Welches Feuerzeug hätten Sie denn gern?“, fragt der Mann in der Tankstelle, wo sich der Feldkamp gerade mit Zigaretten und Cola für die Rückfahrt nach Hamburg eindeckt.

„Das rote natürlich“, antwortet der.

Warum der Feldkamp sich für das rote entschieden hat, muss ich wohl nicht mehr erklären, oder? Wohl aber, warum unser Feldkamp gerade so glücklich und zufrieden aussieht, dass jeder sagen würde: „Der strahlt ja wie ein Honigkuchenpferd.“

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Außer in der Pfalz natürlich. Da würde natürlich jeder sagen: „Der schdrahld jo wie en Butzeemer.“ Aber das ist egal, ob der Feldkamp jetzt wie ein Honigkuchenpferd oder wie ein Putzeimer strahlt – so gut hat er sich schon lange nicht mehr gefühlt.

„Alter“, sagt er zu sich selbst. „Du kannst es ja immer noch. Eine Geschichte zu Ende recherchieren.“ Gesprudelt wie ein Wasserfall hat der Chinese. Auch noch den letzten Tropfen hat er aus ihm herausgepresst.

Nix da mit Chinesen-Mafia. Nix da mit einem neuen Wettskandal. Eine kleine Sau ist er gewesen, der Sandig.

Zumindest, wenn das so alles stimmt, was ihm der Chinese da eben erzählt hat. Wobei: Eigentlich ist der Chinese ja gar kein Chinese. Denn auch das weiß der Feldkamp jetzt, dass dessen Mutter aus Südkorea stammt und der Vater ein waschechter Pfälzer war, der sein ganzes Leben in der Anilin geschafft hat – wie sie in der Pfalz immer noch zur BASF sagen, der Badischen Anilin- und Sodafabrik.

Vielleicht hat das ja auch sein Gutes gehabt, denkt der Feldkamp, als er jetzt auf die Autobahn Richtung Frankfurt fährt. Dass er so früh gestorben ist und nicht mehr erleben musste, wie aus seinem Sohn ein spielsüchtiger Dealer geworden ist: ein kleiner Ganove, der sich selbst von einem Kerl wie dem Sandig abzocken lässt.

Immer mehr setzen sich die Bilder, die der Feldkamp gerade aus seinen Erzählungen gewonnen hat, zu einem Film zusammen, der jetzt in Breitwand und Farbe vor seinem geistigen Auge abläuft: wie der Chinese am letzten Samstag den Sandig in der Spielbank getroffen hat. Am Blackjacktisch. Genauso wie ihn vorhin. Und wie der Sandig gewonnen und gewonnen hat. Und der Chinese nur verloren. Und wie er mit dem Sandig dann ebenfalls auf die Toilette gegangen ist, um ihm eine „Erfrischung“ anzubieten. Und wie der Sandig im Gegensatz zu ihm ganz wild auf das Koks war.

Darum geht es in "Abpfiff – der Betzenberg-Krimi"

„Die erste Linie hat er sich gleich auf dem Klo reingezogen“, hat der Chinese ihm erzählt. „Und dann wollte er unbedingt auch noch ein paar Blaue haben. Oder zumindest eine. Aber ich habe doch keine gehabt – und ihm gesagt, dass ich die erst besorgen müsste, sie ihm aber später ins Hotel bringen könnte.“

„Blaue“?

Bis eben hat der Feldkamp nicht den blassesten Schimmer gehabt, was damit gemeint sein könnte. Aber man lernt ja nie aus im Leben.

„Na Viagra, Alter“, hat ihn der Chinese, der eigentlich kein Chinese ist, aufgeklärt. „Aber natürlich nicht die offiziellen Pillen, die du auf Rezept kriegst, sondern illegale aus Thailand mit einer Hammerwirkung, sag ich dir!“

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Champagner. Wodka. Kokain. Und dann auch noch illegale Potenzmittel, in denen weiß der Teufel was noch drin gewesen ist, denkt der Feldkamp. Kein Wunder, dass es den Sandig in dieser Nacht umgehauen hat. Aber noch mehr geht ihm im Kopf rum, was ihm der Chinese dann noch erzählt hat. Von den Wetten nämlich, die er an diesem Abend mit dem Sandig an der Bar im Hubertushof am Laufen hatte.

Nein. Keine Fußballwetten. Und illegale schon gar nicht. Zugedröhnt, wie die beiden waren, haben die auf die „Elblette“ gewettet, die schöne unnahbare Adlige aus Hamburg. Wer von ihnen ihr einen ausgeben kann. Wen sie neben sich lässt auf die Bank – und wer sie vielleicht ins Bett kriegt an diesem Abend.

Muss ich euch sagen, wer die Wetten verloren hat? Natürlich unser Chinese.

Selbst die letzte Wette, die ganz todsichere, von der der Chinese immer noch nicht weiß, wie er die eigentlich verlieren konnte.

Die nämlich, dass die Schöne an der Bar dem Sandig sogar ihr Höschen schenken würde.

„Ich dachte, das gibt es doch überhaupt nicht, dass eine wildfremde Frau für einen wildfremden Mann ihr Höschen auszieht. Jetzt dreht der völlig am Rad, habe ich mir gedacht, so zugedröhnt, wie der schon war. Mein letztes Geld habe ich darauf gesetzt, dass die das nie tun würde. Doch der Sandig hat nur gekichert und gesagt, er kennt die Weiber und gerade die, die so arrogant tun, sind die ersten, die du knacken kannst.“

Wie gesagt. Auch diese Wette hat der Chinese verloren. Und der Feldkamp muss jetzt auch ein bisschen lachen, weil er zu wissen glaubt, warum, und es der Chinese doch auch wissen müsste, wo er es doch gerade selbst gesagt hat:

„Doch der Sandig hat nur gelacht und gesagt, er kennt die Weiber.“

Ja! Und ganz klar: Der Sandig hat die Frau von Lewitz nicht erst in der Bar kennengelernt. Er muss sie schon vorher gekannt haben – und gewusst haben, dass sie sich auf so schlüpfrige Spielchen einlässt.

Und ja! Das erklärt auch, warum der Sandig sich noch Viagra hat kommen lassen in den Hubertushof. Weil er sich hundertprozentig sicher war, dass er das auch noch gut gebrauchen könnte in dieser Nacht.

Oder?

Das ist der Autor Udo Röbel

Die Geschichte klingt so verrückt, dass der Feldkamp sich immer und immer wieder fragt, ob das denn sein kann, dass es Frauen gibt, die sich auf so etwas einlassen. Zumal mit einem Typen wie dem Sandig, von dem er nach allem, was er inzwischen über ihn erfahren hat, weiß, dass er ein ziemliches Arschloch gewesen ist.

Ihm selbst sind solche Frauen in seinem Leben so gut wie gar nicht über den Weg gelaufen. Doch dann fallen ihm wieder die vielen oft auch bizarren Geschichten ein, die ihm in seinem journalistischen Leben untergekommen sind und die ihn immer wieder zu der Erkenntnis gebracht haben, dass dieses Leben eben jeden Tag aufs Neue Geschichten schreibt, die man sich vorher nicht hätte ausdenken können.

Dass das gleich wieder passieren wird, kann er nicht ahnen, unser Feldkamp. In dem Moment nämlich, als er wieder zum Viernheimer Dreieck kommt, wo unsere Geschichte ja bekanntermaßen ihren Ausgang nahm. Und just in dem Augenblick, in dem er an den Kevin denken muss und daran, dass all das, was der über den Abend in der Bar des Hubertushofs erzählt hat, sich doch ziemlich genau damit deckt, wie es ihm der Chinese geschildert hat.

Just in dem Augenblick klingelt nämlich sein Handy. Und am anderen Ende der Leitung ist – Kevin.

„Ich … ich … ka… ka… kann nicht me… mehr … Wa… wa… was soll ich … de… denn jetzt nu… nur … ma… ma… machen, Herr F… F… Feldkamp?“

So heftig, wie der Kevin gerade stottert, hat der Feldkamp ihn noch nicht gehört. Und bei dem Versuch, ihn zu verstehen, wäre der Feldkamp beinahe einem Laster hintendraufgefahren, der urplötzlich angefangen hat zu bremsen.

„Idiot!“, flucht der Feldkamp. Was den Kevin jetzt aber erst recht aus der Fassung bringt, der Feldkamp hört nur noch ein lautes Schluchzen. Nur mühsam kann der Feldkamp ihn beruhigen und um Geduld bitten, bis er den nächsten Autobahnparkplatz angefahren hat. Was er dort von dem Kevin allerdings hört, zieht auch ihm die Socken aus:

„Ich … ich … wa… wa… war … es“, jammert der Kevin mit tränenerstickter Stimme am Telefon. „Ich … ich … ha… hab … den Sa… San… Sandig umgebracht.“

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Lest auch Kapitel 21 von "Abpfiff – der Betzenberg-Krimi", in welchem der Kevin gesteht, wie er dem Sandig einen teuflischen Cocktail gemixt hat, und der Feldkamp ihn nur mit Mühe davon abhalten kann, zur Polizei zu gehen.