28. Februar 2020 / 11:18 Uhr

Absage von Sport-Großereignissen? Das bedeutet das Coronavirus für die EM und Olympia 2020

Absage von Sport-Großereignissen? Das bedeutet das Coronavirus für die EM und Olympia 2020

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Im Sport stehen mit der Fußball-Europameisterschaft, die auch in der Allianz Arena ausgetragen wird, und den Olympischen Spielen in Tokio wichtige Entscheidungen an.
Im Sport stehen mit der Fußball-Europameisterschaft, die auch in der Allianz Arena ausgetragen wird, und den Olympischen Spielen in Tokio wichtige Entscheidungen an. © imago images/Sven Simon/ZUMA Press
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Geisterspiele, Verunsicherung, Risiko, Hochspannung - die Diskussion über eine Olympia-Absage treibt vor allem die Athleten um. Die Ansteckungsgefahr auf Reisen und dann drohende Quarantäne könnten die Vorbereitung auf die Sommerspiele in Tokio empfindlich stören. Auch die EM könnte gefährdet sein.

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Geisterspiele vor leeren Rängen, die Angst vor Ansteckung und Quarantäne – oder eher Hoffnung auf die Wende und Business as usual? Wenige Monate vor Beginn der Fußball-Europameisterschaft und den Olympischen Spielen kommt der Coronavirus-Epidemie auch im Sport eine große Aufmerksamkeit zu. "Wir sind in einer Phase des Abwartens und beobachten die Situation Land für Land: Der Fußball muss den Anweisungen der Regierungen in den einzelnen Staaten folgen", sagte UEFA-Vizepräsident Michele Uva dem italienischen Radiosender Rai. Die Schweizer Regierung preschte am Freitag vor und verbot bis auf Weiteres alle Großveranstaltungen mit über 1000 Zuschauern im Land.

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Das EM-Eröffnungsspiel findet am 12. Juni in Rom statt. Italien ist aktuell das Land mit den meisten erfassten Coronafällen in Europa. Das Turnier wird in zwölf europäischen Städten ausgetragen. Bislang spricht der Italiener Uva nur „im Notfall“ von Konsequenzen für das Turnier: „Der sportliche Weg wird erst geschlossen sein, wenn sich die Situation verschlimmert.“

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Mit Skepsis begleitet die internationale Presse den komplizierten Modus der EM 2020. Eines ist jedoch klar: Die Hammer-Gruppe mit Deutschland, Weltmeister Frankreich und Europameister Portugal elektrisiert alle. Der SPORTBUZZER zeigt die Reaktionen der Auslosung. ©

Sorgen macht den Athleten fünf Monate vor Beginn der Olympischen Spiele im japanischen Tokio die aktuelle Lage zwar ebenfalls, doch bei den meisten läuft die Vorbereitung zunächst unverändert. „Wir machen mal einfach weiter unseren Job“, sagte Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler am Donnerstag und trifft damit den Tenor vieler Kollegen.

IOC setzt sich für planmäßige Austragung der Olympischen Spiele ein

Das Großereignis soll vom 24. Juli bis 9. August stattfinden. Rund 11.000 Sportler werden erwartet, weitere 4400 sollen bei den Paralympics, die am 25. August eröffnet werden, an den Start gehen. Die IOC-Koordinierungskommission setze sich voll und ganz für die planmäßige Austragung der Sommerspiele ein, sagte IOC-Präsident Thomas Bach und ergänzte, man wolle nicht über Alternativen spekulieren.

Selbst „Geisterspiele“ in der Metropolregion Tokio mit rund 30 Millionen Einwohnern sind für Röhler angesichts der Situation inzwischen „ein mögliches Szenario – da schwebt ein Damoklesschwert drüber“. Olympia vor leeren Rängen wäre aus Röhlers Sicht aber „das Worst-Case-Szenario. Geisterspiele wären schlimmer als eine Absage! Es geht der Reiz der Spiele verloren.“

Das Problem sei „nicht das Virus, sondern das Reisen, wenn einer im Flugzeug hustet, und die Gefahr einer folgenden Quarantäne. Dann bist du 14 Tage weg vom Fenster, irgendwo isoliert und kannst nicht trainieren“, schilderte der 28-Jährige.

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Ian Thorpe fordert Australiens Sportler dazu auf, ihre Olympia-Teilnahme zu überdenken

Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul würde eine Absage der Spiele verstehen. „Es bringt ja am Ende auch nichts, wenn wir supertolle Olympische Spiele mit vielen Fans und Sportlern haben – und am Ende gibt es einen rapiden Anstieg von Corona-Infektionen, die gerade bei älteren Menschen sehr kritisch wären“, so der 22-Jährige.

Schwimmolympiasieger Ian Thorpe hat Australiens Athleten aufgefordert, ihre Olympiateilnahme zu überdenken. „Ich wäre auf jeden Fall besorgt“, sagte Thorpe Medienberichten zufolge in Canberra. Selbst der frühere IOC-Vizepräsident Richard Pound (77) hätte Verständnis für eine Absage. „Ich bin sicher“, sagte er der Süddeutschen Zeitung, „dass das IOC keine Entscheidung treffen würde, die einer Entscheidung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Regierungen in dieser Sache zuwiderliefe.“ Bundesinnen- und -sportminister Horst Seehofer (CSU) riet zum Abwarten: „Aus meiner Sicht besteht jetzt als Sportminister noch kein Entscheidungsbedarf.“

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