20. Dezember 2021 / 09:46 Uhr

Abschied mit einem weinenden Auge: Letzter Skilanglauf-Weltcup in Dresden

Abschied mit einem weinenden Auge: Letzter Skilanglauf-Weltcup in Dresden

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Die Schwedinnen Jonna Sundling (l.) und Maja Dahlqvist gewannen am Sonntag den Teamsprint. Dahlqvist war zuvor auch im Einzel vorn.
Die Schwedinnen Jonna Sundling (l.) und Maja Dahlqvist gewannen am Sonntag den Teamsprint. Dahlqvist war zuvor auch im Einzel vorn. © Steffen Manig
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Der Skilanglauf-Weltcup in Dresden ist Geschichte. Am vergangenen Wochenende ging es zum letzten Mal über den Stadtkurs am Königsufer. Die Athletinnen und Athleten und der Verband bedauern das.

Dresden. Zum vorerst letzten Mal jagten am Wochenende die Skilangläufer über den Stadtkurs am Dresdner Königsufer. Ideal waren weder das graue Nieselwetter noch das coronabedingte Fehlen der Zuschauer, doch nicht wenige der Athleten werden das Spektakel vor der Kulisse der Altstadt vermissen. So reagierte die alles überragende Siegerin Maja Dahlqvist aus Schweden fast geschockt, als sie erfuhr, dass es so schnell keine Neuauflage in Elbflorenz geben wird: „Was wirklich? Es war großartig hier! Ich mag Dresden. Es ist eine kurze und schmale Strecke, das liegt mir. Ich finde es unglaublich schade!“ Teamkollegin Jonna Sundling ergänzte: „Ich bin wirklich gern hier!“

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Die deutsche Läuferin Laura Gimmler behält das Weltcup-Wochenende in Dresden auch in guter Erinnerung. Die Oberstdorferin sagte: „Ein Citysprint ist etwas ganz Besonderes, das hat man zumeist nur einmal im Winter. Das macht total viel Spaß hier in Dresden, man hat ein hohes Tempo, eine tolle Kulisse, da passiert einfach immer sehr viel. Ich finde den Citysprint hier am Elbufer total schön und ich bedauere es, dass er vorerst das letzte Mal stattfindet. Ich hoffe, dass man das doch noch mal machen kann.“

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Vom der FIS gab es ebenfalls Lob für die Organisatoren. Doris Kallen, Medienchefin des Skiweltverbandes, sagte: „Der Skiweltcup in Dresden hat in den letzten Jahren vorgelegt, wie Weltcup-Veranstaltungen in Städten gestaltet werden können, um den Zuschauern den Langlaufsport schmackhaft zu machen. Der Fokus gilt dabei natürlich einer geeigneten Rennstrecke, welche das Team rund um Georg Zipfel hervorragend präpariert hat.“


Organisatoren zufrieden

Dass keine Fans am Elbufer für Stimmung sorgen konnten, bedauerte Kallen. Sie hielt aber fest: „Das Ausbleiben der Zuschauer war unter den aktuellen Umständen leider unumgänglich. Dennoch wurde die Organisation rund um die Rennen von großem Einsatz geprägt, was bei den Teams und allen FIS-Family-Mitgliedern sehr geschätzt wurde.“

Erleichtert waren Athleten und Ausrichter, dass bei über 400 Testungen kein einziger Corona-Fall ans Tageslicht kam. Die 2G-Plus-Regelung bewährte sich. „Das macht uns natürlich sehr stolz und zeigt, dass unser Hygienekonzept vollumfänglich gegriffen hat“, so Raiko Morales, der die Wettkämpfe als Hygienemanager betreute.

Zufrieden sind die Organisatoren auch mit dem Medienecho. Aus ihrem Büro hieß es, der Weltcup sei live auf 13 verschiedenen TV-Sendern, darunter in Skandinavien, den USA, China und Russland, zu sehen gewesen. Im ZDF hätten am Sonnabend allein 4,2 Millionen Zuschauer mitgefiebert.

Deutsche Teams abgehängt

Sportlich dominierten mal wieder die Skandinavier. Beim Sieg des schwedischen Duos Maja Dahlqvist und Jonna Sundling blieb dem deutschen Langlauf-Team nur die Zuschauerrolle. Die beiden überragenden Sprinterinnen des Wochenendes setzten sich in der freien Technik vor den Amerikanerinnen Jessie Diggins und Julia Kern sowie dem slowenischen Duo Eva Urevc und Anamarija Lampic durch. Dahlqvist und Sundling waren auch schon am Sonnabend im Einzel sehr stark gewesen und hatten die Plätze eins und zwei belegt.

Der Sieger Haavard Solaas Taugboel (M) aus Norwegen jubelt über seinen Sieg vor Federico Pellegrino (l) aus Italien und Lucas Chanavat (r) aus Frankreich.
Der Sieger Haavard Solaas Taugboel (M) aus Norwegen jubelt über seinen Sieg vor Federico Pellegrino (l) aus Italien und Lucas Chanavat (r) aus Frankreich. © dpa

Das Finale hatte am Sonntag auch ein deutsches Team erreicht. Laura Gimmler und Sofie Krehl (beide Oberstdorf) hatten mit dem Kampf um die Podestplätze allerdings nichts zu tun und belegten mit 24 Sekunden Rückstand auf einen Podestrang den neunten Platz. Gimmler ärgerte sich anschließend. „Ich bin mir sicher, wir können das besser“, sagte die 28-Jährige.

Bei den Männern hatte es kein Sportler aus der Mannschaft von Teamchef Peter Schlickenrieder ins Finale geschafft. Den Sieg sicherten sich die beiden Norweger Thomas Helland Larsen und Even Northug vor ihren Landsmännern Sindre Björnestad Skar und Haavard Solaas Taugböl. Platz drei ging an die Russen Alexander Bolschunow und Gleb Retiwych. Tags zuvor hatte Taugböl den Einzelsprint vor Federico Pellegrino (Italien) und Lucas Chanavat (Frankreich) gewonnen. Die deutschen Männer waren auch im Einzel alle in der Qualifikation ausgeschieden.

Mit: Patrick Reichardt