22. Mai 2021 / 16:27 Uhr

"Signal des Aufbruchs senden": 96 räumt nach Nürnberg-Spiel die Bank ab

"Signal des Aufbruchs senden": 96 räumt nach Nürnberg-Spiel die Bank ab

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die 96-Bankangestellten: Trainer Kenan Kocak (von rechts), Asif Saric, Serhat Umar, Lars Barlemann und Sportchef Gerhard Zuber.
Die 96-Bankangestellten: Trainer Kenan Kocak (von rechts), Asif Saric, Serhat Umar, Lars Barlemann und Sportchef Gerhard Zuber. © Florian Petrow
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Nach dem Spiel gegen den 1. FC Nürnberg startet der radikale Umbau bei Trainerteam und Staff. Hannover 96 tauscht auf fast allen Positionen das Personal. "Wir wollen das Signal des Aufbruchs senden", erklärt 96-Profiboss Martin Kind.

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Sie werden noch einmal ihre Plätze einnehmen, für die letzten 90 Minuten der Saison, die auch ihre letzten Minuten bei 96 sein werden. Die Partie gegen Nürnberg wird ein Abschiedsspiel auf vielen Ebenen. Nicht nur Trainer Kenan Kocak wird gehen, auch im Betreuerteam beginnt ein großer Umbruch ein. „Es soll zeigen, dass wir nicht nur einfach so weitermachen, sondern den Mut haben, Entscheidungen zu treffen“, erklärt 96-Chef Martin Kind den radikalen Schnitt. „Wir wollen das Signal des Aufbruchs senden.“

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Für die Betroffenen, die gehen sollen, ist das keine angenehme Situation, zumal sie noch nicht konkret darüber informiert worden sind. Mit der Ungewissheit im Quarantäne-Hotel eingesperrt zu sein macht es nicht eben leichter. Da kann sich der Ärger schon mal gegenseitig hochschaukeln.

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Teammanager Morena bleibt

Der personelle Umbau ist in den vergangenen Tagen in Großburgwedel durchgeplant worden. „Es ist formal alles vorbereitet und entschieden, damit wir es zeitnah abschließen können“, sagt Kind. In der nächsten Woche soll „die Personalabteilung“ die entsprechenden Kündigungsgespräche führen.



Das betrifft Co-Trainer, Fitness- und Athletiktrainer, Physios und Ärzte. Der Teammanager dagegen bleibt. Es sei „nie angedacht“ gewesen, Fabio Morena zu entlassen, meint Kind. Hätte Kocak seinen Vertrag bis 2023 erfüllen dürfen, hätte Morena aber wohl gehen müssen.

Umbruch könnte teuer werden

Dem 96-Chef ist klar, dass der Umbruch im Team hinterm Team teuer werden könnte. Zumindest bei den Betreuern, deren Verträge nicht auslaufen und die unbefristet angestellt sind. Es soll versucht werden, „Abfindungsregelungen zu treffen“, um die Trennung „ohne die Gerichte zu erledigen“. Dennoch rechnet Kind in Einzelfällen auch mit Klagen.

Das wird jedoch in Kauf genommen, um den Stab und die Kabine neu aufzustellen für den neuen Trainer Jan Zimmermann. Vermutlich wird ihm auch ein neuer Sportchef an die Seite gestellt. Kinds Jobgarantie für Gerhard Zuber endet ebenfalls mit dem Abpfiff gegen Nürnberg. Wenn denn das Zeichen des Aufbruchs in die Fußballwelt gesendet werden soll, wäre es eher kontraproduktiv, den wie Kocak gleichermaßen für die Zusammenstellung der Mannschaft und damit für die enttäuschende Saison verantwortlichen Sportchef Zuber im Amt zu belassen.

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Am 28. April 2021 hat Hannover 96 die Trennung von Kenan Kocak zum Saisonende verkündet. Rund zwei Wochen später (10. Mai) haben die Roten Jan Zimmermann als neuen Trainer vorgestellt. Der Coach kommt vom Regionalligisten TSV Havelse. Zur Galerie
Am 28. April 2021 hat Hannover 96 die Trennung von Kenan Kocak zum Saisonende verkündet. Rund zwei Wochen später (10. Mai) haben die Roten Jan Zimmermann als neuen Trainer vorgestellt. Der Coach kommt vom Regionalligisten TSV Havelse. © imago/

Am Sonntag aber werden sie noch mal einträchtig nebeneinander auf der Bank sitzen, die danach abgeräumt wird. Nur Lars Barlemann darf danach bleiben, er macht künftig die Videoanalysen. Asif Saric wird letztmals die Einteilung für die Standards vornehmen. Kocaks Vertraute Serhat Umar und Torwarttrainer Rolf Moßmann folgen ohnehin ihrem Chef – wohin auch immer.

Verabschiedungen nach dem Spiel

Auch bei einigen Spielern ist klar, dass sie 96 verlassen. Kingsley Schindler, Genki Haraguchi und Jaka Bijol sollen nach dem Spiel verabschiedet werden. Vermutlich mit Pfingstrosen und einer Collage aus Bildern von ihrem 96-Schaffen.

Kocak sieht bei all den Abschieden dennoch bei seinem letzten 96-Einsatz „keinen Platz für Sentimentalitäten“. Natürlich will er noch mal gewinnen und dadurch Platz elf verteidigen. Nach dem Abpfiff will Kocak „eine kurze Runde gemeinsam mit Staff, Trainerteam und Spielern machen – und dann war’s auch damit“.