27. Februar 2022 / 21:37 Uhr

Abseits-Festival, Elfmeter-Marathon: Klopp schlägt Tuchel und gewinnt Ligapokal mit Liverpool

Abseits-Festival, Elfmeter-Marathon: Klopp schlägt Tuchel und gewinnt Ligapokal mit Liverpool

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Jürgen Klopp hat mit dem FC Liverpool den englischen Ligapokal gewonnen. Thomas Tuchel (kleines Bild) und der FC Chelsea hatten das Nachsehen.
Jürgen Klopp hat mit dem FC Liverpool den englischen Ligapokal gewonnen. Thomas Tuchel (kleines Bild) und der FC Chelsea hatten das Nachsehen. © Getty Images/IMAGO/Shutterstock/Montage
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Der FC Liverpool und Jürgen Klopp haben den englischen Ligapokal gewonnen. Erst nach Elfmeterschießen setzten sich die "Reds" gegen den FC Chelsea um Trainer Thomas Tuchel durch. Ein Elfmeter-Marathon setzte 120 hochspannenden Minuten die Krone auf.

In einem hochklassigen und hochdramatischen Finale um den englischen Ligapokal, dem Carabao Cup, hat sich der FC Liverpool gegen den FC Chelsea mit 11:10 im Elfmeterschießen durchgesetzt. Damit entschied Jürgen Klopp das deutsche Trainer-Duell mit Thomas Tuchel für sich. Vor der stimmungsvollen Kulisse von 85.512 Zuschauern im Londoner Wembley-Stadion wurde der eingewechselte Chelsea-Torwart Kepa zum tragischen Helden. Er vergab seinen Elfmeter, nachdem zuvor alle 21 Schützen getroffen hatten. Während der regulären Spielzeit und der Verlängerung war trotz vieler hochkarätiger Gelegenheiten auf beiden Seiten kein Tor gefallen. Es ist bereits der fünfte Titelgewinn Klopps mit Liverpool und der erste seit dem Meistertitel 2020. "Man muss auch Glück haben", sagte Klopp dem Sender Sky Sports. "Wir hatten Glück. Das Spiel hätte auch 5:5 ausgehen können."

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Tuchel verlor sein zweites Endspiel als Chelsea-Trainer, zuvor gewann er mit den Londonern die Champions League, den UEFA-Supercup und die Klub-WM.

Um Chelsea gab es im Vorfeld Wirbel: Bei den "Blues" zog sich einen Tag vor dem Cupfinale der russische Besitzer Roman Abramowitsch teilweise zurück. Er übergab die Verwaltung an die Treuhänder der wohltätigen Stiftung des FC Chelsea. Offen ist, wie die Zukunft des Tabellendritten der englischen Premier League aussieht. Der Abramowitsch-Rückzug wird in England als symbolischer Akt gewertet, um Chelsea nach Putins Einmarsch in die Ukraine aus dem öffentlichen Fokus zu nehmen und eine mögliche Beschlagnahmung des Klubs zu erschweren. Bei Liverpool gab es indes vor dem Anpfiff einen personellen Rückschlag: Der frühere FC-Bayern-Profi Thiago verletzte sich beim Aufwärmen.

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Auf dem Platz ließ sich der amtierende Königsklassen-Sieger den klubinternen Ärger nicht anmerken. Den Londonern gehörte in einer hochklassigen ersten Halbzeit die erste große Chance: Nach flacher Hereingabe von César Azpilicueta scheiterte Ex-BVB-Star Christian Pulisic aus sechs Metern an Liverpool-Ersatzkeeper Caoimhin Kelleher, der den Vorzug vor Stammtorwart Alisson erhielt und in dieser Szene bärenstark parierte (6.). Nach anfänglicher Chelsea-Dominanz kämpfte sich das Klopp-Team immer mehr in die Partie und hätte in der 30. Minute in Führung gehen müssen: Naby Keitas Distanzschuss wehrte Chelsea-Schlussmann Edouard Mendy nach vorn ab, um den Nachschuss von Sadio Mané aus kürzester Distanz sensationell im Liegen über die Latte zu befördern.

Es ging auf beiden Seiten hin und her - doch Tore fielen in den ersten 45 Minuten nicht, auch weil die "Blues" kurz vor Schluss den nächsten Hochkaräter vergaben. Nach Steilpass von DFB-Profi Kai Havertz, der im Sturm wieder den Vorzug vor 115-Millionen-Mann Romelu Lukaku erhielt, verpasste Mason Mount allein vor Kelleher per Aufsetzer das Tor. Das hätte das 1:0 sein müssen.

Der zweite Durchgang im Wembley begann wie der erste aufgehört hatte - mit einer Riesenchance für Chelsea, die wieder nicht genutzt wurde. Und wieder war es Mount, der frei vor dem "Reds"-Keeper auftauchte, doch der englische Nationalspieler schob den Ball an den rechten Pfosten (49.), zum großen Unmut von Tuchel. Der Coach konnte es nicht glauben und schimpfte wütend mit seinem Trainerteam. Und fast hätte ihn sein eigener Torwart wütender gemacht. Nach einem haarsträubendem Fehlpass im Aufbauspiel tauchte Mohamed Salah plötzlich frei vor dem Afrika-Cup-Sieger auf, lupfte aber aus ungünstigem Winkel aus knapp elf Metern neben das Tor (64.), Thiago Silva war aber rechtzeitig zur Stelle und hätte den Ball im Notfall vor der Linie geklärt.

Wie im ersten Durchgang wurde die Klopp-Elf mit zunehmender Spieldauer immer dominanter und ging durch einen Kopfball des Ex-Schalkers Joel Matip (69.) vermeintlich in Führung. Der Treffer zählte nach VAR-Eingriff wegen einer Abseitsstellung aber nicht. Virgil van Dijk griff mit einem Zweikampf vor dem Kopfball aktiv ins Geschehen ein und stand dabei im Abseits. Danach hatte auch Chelsea Abseitspech: Der eingewechselte Timo Werner stand vor seiner Flanke auf Kai Havertz, der ins Tor köpfte, klar im Abseits (78.). Auch das Tor zählte nicht. Und so ging es schließlich in die Verlängerung, weil zunächst Mendy per Glanzparade nach Van-Dijk-Kopfball (90.+1) und Kelleher per Fuß gegen Lukaku nach 90 unterhaltsamen Minuten ohne Gegentor blieben.

Auch in der Verlängerung hatte der VAR zu tun: Lukakus vermeintlicher Führungstreffer (98.) zählte wegen einer hauchzarter Abseitsposition, die vom Video-Referee nachgewiesen wurde, nicht. Chelsea war am Drücker, konnte die Dominanz jedoch nicht in Tore umsetzen. Und der Abseits-Wahnsinn ging weiter: Wieder traf Chelsea durch Havertz (110.), wieder stand er im Abseits. So ging es ins Elfmeterschießen, in dem die ersten 21 Schützen beider Mannschaften trafen, ehe der von Tuchel extra für das Shootout eingewechselte Torwart Kepa über das Tor schoss und Liverpool so zum Sieger machte.