17. Juni 2020 / 12:11 Uhr

Abstieg besiegelt: 07 Gründe, warum der SC Paderborn trotzdem stolz auf die Saison sein kann

Abstieg besiegelt: 07 Gründe, warum der SC Paderborn trotzdem stolz auf die Saison sein kann

Sönke Gorgos
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der SC Paderborn 07 steigt aus der Bundesliga ab. Der SPORTBUZZER zeigt, warum die Ostwestfalen auf die Saison trotzdem stolz sein können; etwa, weil man vielen frischen Kräften erste Bundesliga-Erfahrungen ermöglichte - und weil Trainer Steffen Baumgart ein Typ ist, der dieser Liga gut getan hat.
Der SC Paderborn 07 steigt aus der Bundesliga ab. Der SPORTBUZZER zeigt, warum die Ostwestfalen auf die Saison trotzdem stolz sein können; etwa, weil man vielen frischen Kräften erste Bundesliga-Erfahrungen ermöglichte - und weil Trainer Steffen Baumgart ein Typ ist, der dieser Liga gut getan hat. © Groothuis/Witters/Pool/Montage
Anzeige

Nach nur einer Saison in der Bundesliga muss der SC Paderborn 07 den Abstieg aus der Bundesliga hinnehmen. Der SPORTBUZZER nennt 07 Gründe, warum die Ostwestfalen die Liga erhobenen Hauptes verlassen können.

Anzeige
Anzeige

Der SC Paderborn 07 steht als erster Absteiger dieser Bundesliga-Saison fest. Nach dem 32. Spieltag und dem 0:1 bei Mitaufsteiger 1. FC Union Berlin können die Ostwestfalen die Rettung nicht mehr schaffen. Auch Relegationsplatz 16 ist für die Mannschaft von Trainer Steffen Baumgart nicht mehr erreichbar. Nach nur einer Saison geht es wieder zurück in die 2. Bundesliga. Der SPORTBUZZER nennt 07 Gründe, warum der SC Paderborn 07 trotzdem auf die zweite Bundesliga-Saison der Vereinsgeschichte stolz sein kann.

Die Spielidee hat begeistert

Es gibt Aufsteiger, die versuchen, den Klassenerhalt mit der Brechstange zu sichern. Das führt nicht selten dazu, dass der Bus vor dem eigenen Tor geparkt wird und ist nicht schön anzusehen. Paderborn hat ganz bewusst einen anderen Ansatz verfolgt. "Wir haben ein eigenes Gesicht – und das wollen wir auch beibehalten", sagte Trainer Steffen Baumgart dem SPORTBUZZER schon im Herbst. Daran hat sich seither wenig geändert. Auch wenn der Erfolg nicht immer gepasst hat und die offensive Spielidee manchmal für böse Pleiten gesorgt hat – die Spiele des SCP waren nur selten langweilig - man denke nur an das spektakuläre 3:3 in Dortmund. Und das lag auch am frechen Neuling.

Trainer Baumgart ist ein sympathischer Querdenker

Steffen Baumgart passt in keine Schublade, ist mit seiner emotionalen, ehrlichen und manchmal etwas trockenen Art der Gegenentwurf zur modernen, perfektionistisch veranlagten Trainer-Generation. Und: er nimmt das Fußball-"Geschäft" nicht allzu ernst, ist immer aufrichtig und macht sich Gedanken über die Bundesliga hinaus. Seinen Standpunkt verdeutlichte er dem SPORTBUZZER einmal in einem Gespräch über den Amateurfußball: "Wenn man sich mal so eine Sendung wie den Doppelpass anguckt: Da wird ein Jahr lang über Dortmund, Bayern, mittlerweile Leipzig und irgendeinen, der in der Krise ist, gesprochen. 50 Vereine werden gar nicht erwähnt. Ist das der Fußball? Also nicht meiner. Damit habe ich wirklich ein Problem. Die Schere wird immer weiter auseinander gehen." Wichtig für Paderborn: er bleibt dem Klub wohl auch in der 2. Liga erhalten - wenn der Klub denn will. Die Bosse kündigten am Dienstag eine Analyse der Situation an.

Mehr vom SPORTBUZZER

Paderborn hat frischen Gesichtern eine Chance gegeben

Kannten Sie vor dieser Saison Mamba, Vasiliadis, Collins, Sabiri oder Pröger? Sie alle haben in dieser Spielzeit ihre Bundesliga-Debüts gefeiert, teilweise im nicht mehr komplett taufrischen Fußball-Alter. Und sie haben gezeigt, dass sie nicht nur mithalten können, sondern fußballerisch auch eine Bereicherung für die Liga sind. Wetten, dass wir diverse Profis aus dem Paderborner Kader dieser Saison auch nächstes Jahr in der Bundesliga sehen werden?

Der Klassenerhalt mit Mini-Etat wäre ein Wunder gewesen

"Wunder gibt es immer wieder", sang die Schlagersängerin Katja Ebstein schon in den 1970er Jahren. Die kalte Bundesliga-Realität sagt (mittlerweile) etwas ganz anderes: mit geringeren finanziellen Mitteln ist sportlicher Erfolg gegen besser betuchte Konkurrenten nahezu ausgeschlossen. Wie entscheidend monetäre Wucht auch für die Tabelle ist, zeigt der FC Bayern seit Jahren eindrucksvoll. In dieser Hinsicht ist Paderborn das Gegenbeispiel: für die Lizenzspieler hat der SCP einen Etat von knapp 20 Millionen Euro vorgesehen – das ist Zweitliga-Niveau. Zum Vergleich: das Jahressalär von Robert Lewandowski liegt bei rund 15 Millionen Euro. Sich so lange eine realistische Chance auf den Klassenverbleib erhalten zu haben, verdient angesichts dieser Zahlen den allergrößten Respekt.

Der Verein konnte sich mit dem Bundesliga-Jahr wirtschaftlich sanieren

Noch vor einem Jahr drückten Verbindlichkeiten im annähernd zweistelligen Millionenbereich den SCP. Kaum auszudenken, was passiert wäre, wenn die Coronavirus-Zwangspause die Paderborner in der 2. Liga erwischt hätte. So konnte der Klub zumindest ein Jahr lang vom großen Topf der TV-Gelder profitieren und sich wirtschaftlich sanieren. Vor der Corona-Krise war Paderborn schuldenfrei. Nun dürfte man trotz allem deutlich besser dastehen als das noch vor einem Jahr der Fall gewesen wäre. Ein Sanierungsfall ist der Verein nach aktuellem Stand nicht mehr.

Erkennst du dein Bundesliga-Stadion?

Erkennst du dein Bundesliga-Stadion? Zur Galerie
Erkennst du dein Bundesliga-Stadion? ©

Das Gerüst für die Zukunft steht – selbst bei Spieler-Verkäufen

Ja, der SCP wird als Folge des Aufstiegs Leistungsträger verlieren. Das schmerzt, spricht in vielerlei Hinsicht aber für den Klub, der diese Spieler (siehe Punkt 3) erst zu dem gemacht hat, was sie sind. Mit Spieler-Verkäufen kann man die in Punkt 5 besprochene finanzielle Sanierung weiter vorantreiben – Mamba etwa ist bei Gladbach im Gespräch, Sabiri in Spanien und der Türkei. Das Grundgerüst für die kommenden Jahre würde selbst bei vielen Abgängen stehen. Strohdiek, Srbeny, Zingerle, Antwi-Adjej oder Schonlau haben weiterhin Vertrag, mit Schulze und Steinwender stehen die Verpflichtungen von zwei Perspektivspielern für die neue Saison schon fest.

...und dann wäre da noch ein neuer Bundesliga-Rekord!

Klaus Gjasula konnte sich in die Rekord-Bücher der Bundesliga eintragen; noch nie sammelte ein Spieler mehr Gelbe Karten als der Mittelfeldspieler des SCP, nach aktuellem Stand sind es 17. Zugegeben, auf den ersten Blick macht diese Statistik nicht unbedingt stolz. Dennoch wollte der frühere Rekordhalter, der ehemalige Duisburger und Schalker Tomasz Hajto, sich gar nicht von seinem Platz in den Geschichtsbüchern trennen: "Es ist zwar kein Rekord, wofür man eine Medaille oder einen Pokal erhält, aber man steht in den Büchern der Bundesliga. Deshalb würde ich diesen Gelbe-Karten-Rekord schon gerne behalten." Irgendwann wird Gjasula vermutlich ähnlich denken. Für Paderborn ist es übrigens schon der zweite Eintrag in einem Ewigkeits-Ranking der Bundesliga: das 83-Meter-Tor von Moritz Stoppelkamp gegen Hannover 96 (im September 2014) hat nach wie vor Bestand. Zwei Rekorde in zwei Bundesliga-Jahren – es gibt Schlimmeres. Also Kopf hoch, SC Paderborn 07 – und auf ein neues in der nächsten Saison!