22. Juni 2020 / 14:03 Uhr

Abstiegsangst in der 3. Liga: Dem Fußball-Osten droht ein einmaliger Aderlass

Abstiegsangst in der 3. Liga: Dem Fußball-Osten droht ein einmaliger Aderlass

Thomas Bachmann, dpa
Leipziger Volkszeitung
Im Fußball-Osten könnte sich die Landkarte in Sachen Profifußball am Saisonende schmerzlich lichten.
Im Fußball-Osten könnte sich die Landkarte in Sachen Profifußball am Saisonende schmerzlich lichten. © dpa
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Von den sechs Ost-Clubs der 3. Fußball-Liga ist einer bereits abgestiegen. Mit dem Chemnitzer FC, dem FSV Zwickau, dem Halleschen FC und dem 1. FC Magdeburg kämpfen vier weitere um den Klassenerhalt. Vier Spieltage vor Schluss wird da quasi jede Partie zum Finale.

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Leipzig. Joe Enochs bemühte das beliebte Bild mit der tickenden Uhr. „Es ist jetzt fünf vor zwölf“, sagte der Trainer des FSV Zwickau nach der 0:3-Pleite gegen Ingolstadt. Damit sprach der 48-Jährige unfreiwillig nicht nur über seinen eigenen Club, sondern gleich über drei weitere Fußball-Drittligisten aus dem Osten. Denn neben Zwickau sind der Chemnitzer FC, der Hallesche FC und der 1. FC Magdeburg in akuter Abstiegsnot. Der FC Carl Zeiss Jena ist schon weg, im schlechtesten Fall könnten zwei weitere in die Viertklassigkeit folgen. Der Region droht ein bisher einmaliger Kahlschlag.

Mammutprogramm für alle

Mindestens einen Club aus dem Quartett, so viel dürfte vier Spieltage vor dem Saisonende feststehen, wird es erwischen. Dabei hat Zwickau als Tabellen-17. mit drei Punkten Rückstand zum CFC und damit zum rettenden Platz 16 die schlechtesten Karten. Schon am Mittwoch steht der FSV beim Drittletzten Münster massiv unter Druck. „Auch wenn man irgendwann an einen Punkt kommt, wo sich die Qualitätsfrage stellt, weil wir unsere vielen Ausfälle nicht mehr kompensieren können: Aufgeben kommt für uns nicht in Frage“, betonte Sportdirektor Toni Wachsmuth.

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Mit dem Mammutprogramm von fünf Englischen Wochen am Stück haben alle Clubs zu kämpfen. Doch im Aufstiegsrennen geht vieles leichter von der Hand, im Abstiegskampf sind Rückschläge wie Verletzungen und Sperren mental schwerer zu verarbeiten. Hinzu kommt der erhöhte Druck, dass fast jedes Spiel ein Finale ist.

So wie für den HFC am Mittwoch. „Wir müssen sehen, dass wir da Punkte holen“, betonte Mittelfeldspieler Bentley Baxter Bahn vor der Partie gegen Jena. Obwohl die Thüringer bereits als künftiger Regionalligist feststehen, wird es kein Selbstläufer. Jena hat erst am Samstag beim 2:3 gegen Viktoria Köln gezeigt, dass man sich mit Anstand aus der Liga verabschieden will.

Intern wenig Mitleid mit dem CFC

Halle, Jena und auch Zwickau gehörten in der Corona-Pause zu den vehementesten Befürwortern eines Saisonabbruchs. Zudem waren die Teams lange behördlich eingeschränkt, konnten nicht voll trainieren. Vom DFB mussten sich die Clubs ein „unwürdiges Schauspiel“ unterstellen lassen. Dabei war die Argumentation für einen Abbruch keineswegs unschlüssig. Am Ende setzte sich der mächtige Verband jedoch durch.

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Der CFC war ebenfalls zunächst für einen Abbruch, änderte dann aber seine Meinung. Insolvenzverwalter Klaus Siemon hielt sich zudem selten mit öffentlichen Ratschlägen für die Abbruch-Befürworter zurück. Unter der Hand heißt es deshalb von den Clubs, man habe mit Chemnitz gerade wenig Mitleid.

Drei Punkte sind es bis zum Abstiegsplatz. Und das Restprogramm ist mit Spielen gegen Braunschweig, bei Uerdingen und gegen Hansa Rostock knüppelhart. Da wird die Begegnung gegen Zwickau am vorletzten Spieltag wohl überlebenswichtig. „Das könnte ein Endspiel werden“, sagte FSV-Trainer Enochs und sein Chemnitzer Konkurrenz Patrick Glöckner rechnete in der „Bild“ vor: „Wir brauchen noch zwei Siege, um den Klassenerhalt zu schaffen.“

Magdeburg reicht womöglich schon ein Erfolg. Unter dem neuen Trainer Thomas Hoßmang ist der FCM zwar noch ungeschlagen, musste sich zuletzt jedoch mit zwei Unentschieden begnügen. „Wir müssen positiv bleiben und den nächsten Schritt machen“, sagte Hoßmang. Der könnte schon der zum Klassenerhalt sein, ein Sieg am Mittwoch bei Unterhaching vorausgesetzt.