11. Januar 2022 / 09:21 Uhr

Trotz Abstiegsplatz sieht L.E. Volleys Teammanager Roscher auch Positives: "Am Ende fehlen uns nur die Punkte"

Trotz Abstiegsplatz sieht L.E. Volleys Teammanager Roscher auch Positives: "Am Ende fehlen uns nur die Punkte"

Christian Dittmar
Leipziger Volkszeitung
Axel Roscher vor zehn Jahren als Spieler bei den Volleys – und heute als Teammanager. 
Axel Roscher vor zehn Jahren als Spieler bei den Volleys – und heute als Teammanager.  © Ines Christ/Verein
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Die Hinrunde war für die L.E. Volleys nicht zufriedenstellend – Platz zwölf in der Tabelle. Teammanager Axel Roscher zieht im SPORTBUZZER-Interview Bilanz und spricht über den möglichen Abstieg und die Trainersuche. 

Leipzig. Für Axel Roscher war es ein turbulentes halbes Jahr seit seinem Amtsantritt als Teammanager der L.E. Volleys im Sommer. Im großen SPORTBUZZER-Interview zieht der ehemalige Bundesliga-Spieler Bilanz und blickt auf die Rückrunde, die am Sonnabend (19 Uhr) mit einem Heimspiel gegen Mühldorf beginnt. Zudem erklärt der 45-Jährige, wie die Suche nach einem Nachfolger für Coach Christoph Rascher läuft, der nach der Saison aufhören wird.

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SPORTBUZZER: Wie lautet Ihr Hinrundenfazit?

Axel Roscher: Wir sind zumindest damit zufrieden, dass alle gesund geblieben sind. Und auch damit, wie wir in die Saison gestartet sind und dafür den Kader gestalten konnten. Aber mit dem Verlauf der Saison sind wir natürlich nicht zufrieden. Wir haben viele junge Spieler und die müssen erstmal ankommen in der zweiten Liga. Die Verstärkungen, die aus der 3. Liga kamen, haben kaum gespielt. Das sind die Sachen, die dazu führen, dass wir zu wenige Punkte geholt haben.

Sie sprechen damit indirekt auch die Welle an Corona-Infektionen an, die die meisten Volleys-Spieler im Frühjahr erfasste. Hat die Studie, die dazu durchgeführt wird, mittlerweile neue Erkenntnisse geliefert?

Die nächsten Termine dazu sind Anfang Januar und danach bekommen wir hoffentlich ein Gesamtbild. Bei den ersten Tests im Sommer waren die medizinischen Werte unserer Jungs wesentlich schlechter als im letzten Jahr. Jetzt müssen wir schauen, wie es ein halbes Jahr später aussieht. Aber das war natürlich keine optimale Ausgangssituation.

Alles hat ein Ende: Verabschiedung von Jan Günther und Axel Roscher (r.) im Jahr 2016.
Alles hat ein Ende: Verabschiedung von Jan Günther und Axel Roscher (r.) im Jahr 2016. © Christian Modla

Ist das auch eine weitere Erklärung für den bisher suboptimalen Saisonverlauf mit nur vier Siegen aus 14 Spielen und Tabellenplatz zwölf?


Schwierig zu sagen. Letztlich fehlte so auf jeden Fall ein Teil der Vorbereitung. Aber das soll keine Ausrede sein, denn wir sind ja auch gar nicht schlecht in die Saison gestartet. Das Problem war eher die fehlende Cleverness. Andere Mannschaften haben Männer mit 500 Bundesliga-Spielen und bei uns hatten manche noch keine fünf absolviert.

War es nicht möglich, solche Spieler zu holen? Oder war es Absicht, eher auf junge Spieler zu setzen?

Wir haben ja eher ergänzt. Von den Stammspielern der Vorsaison sind fast alle da geblieben, bis auf Jerome Ptock. Es waren einfach überall ein paar Prozente weniger. Der eine hat angefangen zu studieren, der andere musste in der Firma mehr arbeiten. Wenn man nur Profis hätte, würde das natürlich anders laufen. Aber die muss man sich auch leisten können.

Wurde die Lücke, die Ptock am Mittelblock gelassen hat, unterschätzt?

Ja, unsere sportliche Analyse geht in die Richtung, dass wir über die Mitte nicht mehr so effektiv sind. Wir haben da drei sehr junge Leute, die noch nicht clever genug sind. Aber auch bei der Annahme und Abwehr haben unsere Bälle nicht die Qualität wie im vergangenen Jahr. Und am Zuspiel hapert es auch noch. Darum sind wir insgesamt ausrechenbarer geworden.

Ist der Plan, in der Winterpause noch nachzurüsten?

Ja. Wir suchen neben einem neuen Trainer ganz bewusst Spieler, die uns ergänzen. Es werden aber keine großen Sprünge sein, weil die Spieler, die uns direkt helfen könnten, eine Ablöse kosten würden. Wir versuchen daneben, Jannik Kühlborn noch mehr einzubinden. Auch wenn er sich im Sommer wieder mehr dem Beachvolleyball widmen will.

Wieso klappt es bei den Volleys nicht so wie in Delitzsch, dass junge Spieler aus der Regionalliga-Mannschaft in die Bundesliga-Aufgaben wachsen?

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Wir haben ja mit Julius Stiemer zuletzt einen Jungen aus der Zweiten hochgezogen. Lorenz Deutloff ist auch noch nicht so lange in der ersten Mannschaft. Das funktioniert schon viel besser als noch zu meinen Spieler-Zeiten. Früher hatte man erst mit 22, 23 Jahren Bundesliga-Niveau. Und jetzt erwarten wir, dass die Jungs schon mit 19 so weit sind.

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Die Delitzscher Volleyballer setzen sich gegen die L.E. Volleys mit 3:1 durch. Zur Galerie
Die Delitzscher Volleyballer setzen sich gegen die L.E. Volleys mit 3:1 durch. ©

Falk Köthen überzeugt derzeit beim GSVE. War es ein Fehler, ihn im Sommer gehen zu lassen? Immerhin war er ja jahrelang Kapitän in Leipzig.

Die Entscheidung dazu ist ja noch vor meiner Zeit gefallen. Ihm kommt das Spiel in Delitzsch auch entgegen, weil es der Zuspieler dort ziemlich gut macht. Mit dieser Zuspiel-Qualität würde er wahrscheinlich auch bei uns besser agieren. Aber ich trauere dem nicht nach. Die Jungs bekommen so viel vom Verein, wenn sie der Meinung sind, dass sie gehen müssen, dann sollen sie das machen.

Für Sie persönlich war es auch ein besonderes halbes Jahr in dem neuen Amt als Teammanager. War es so, wie Sie es sich vorgestellt hatten?

Ich hatte gleich viele Themen auf dem Tisch. Auch einige, die gar nichts direkt mit der ersten Mannschaft zu tun haben, sondern zum Beispiel mit der VBL, also der Liga. Die Vorbereitung war dann wie gesagt auch nicht so leicht. Und jetzt geht es auch schon darum, die nächste Saison zu planen.

Wie lange läuft Ihr Vertrag?

Den habe ich gar nicht. Ich mache das rein ehrenamtlich. So habe ich das auch als Volleys-Spieler früher gehandhabt. Ich habe meinen Beruf und das, was ich einbringen kann, bringe ich ein. Da es vorher keinen Teammanager gab, habe ich auch niemandem etwas weggenommen. Und ich bekomme auch keine Aufwandsentschädigung.

Haben Sie vor dem Hintergrund mal bereut, als Teammanager eingestiegen zu sein?

Die Problem haben sich ja seit dem Sommer schon so durchgezogen: Turniere, Spieltage und Weihnachtsfeiern wurden abgesagt, das ganze Vereinsleben liegt brach. Das ist sehr schade, weil man so mit den Mitgliedern kaum ins Gespräch kommt. Auch mit den Sponsoren gab es kaum Treffen. Aber ich bereue nichts, denn ich lerne sehr viel dazu. Gerade jetzt in der Pandemie.

Wird die finanzielle Situation wegen der Geisterspiele noch schwieriger?

Es war irgendwo schon mit einkalkuliert. Aber es wird keine Sprünge nach vorn geben. Vor allem neue Sponsoren zu finden wird schwierig. Die, die wir schon haben, geben uns zwar das vereinbarte Geld – aber auch nicht mehr. Was ja auch verständlich ist, wenn wir keine Zuschauer haben.

Aktuell stehen die Volleys auf einem Abstiegsplatz. Welche Folgen hätte ein möglicher Gang in die 3. Liga im Sommer?

Sportlich wäre es natürlich ein Rückschritt. Wenn es so kommen sollte, würde ich mir wünschen, dass das Team zusammenbleibt. Denn wir haben viele junge Spieler mit Potenzial, die noch etwas Zeit brauchen. Der Übergang für sie wäre dann einfacher, wenn wir uns als Ausbildungsverein positionieren. Was Sponsoren und Zuschauer angeht, ist das Ganze wegen der Pandemie ohnehin schwer einzuschätzen. Der neue Trainer müsste dann jemand sein, der eine Mannschaft entwickeln will und unseren Weg mitgeht.

Wie läuft denn die Trainersuche?

Wir sind dabei, das Stellenprofil zu entwickeln. Also die Frage: Soll es nur ein Trainer für die erste Mannschaft sein oder soll er auch Aufgaben im Jugendbereich übernehmen, wie es Christoph Rascher gerade noch erledigt? Jetzt im Januar werden wir auf einige Kandidaten zugehen – es haben sich auch schon ein paar gemeldet – und dann auch formell in die Gespräche einsteigen.

Also wird es in Leipzig nicht so schwer wie in Delitzsch, wo man letztlich keinen externen Nachfolger für Frank Pietzonka fand und auf die interne Lösung mit Benedikt Bauer zurückgreifen musste?

Das Beispiel Delitzsch bereitet mir tatsächlich etwas Kopfzerbrechen. Wie müssen da einfach unsere Hausaufgaben machen.

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Wie bewerten Sie die Entscheidung Raschers, im Sommer aufzuhören?

Ich finde es schade. Wir sind zwar seit Beginn der Saison nur einen kurzen Weg miteinander gegangen, aber ich kenne ihn ja schon länger. Er ist noch ein junger Trainer, der sich entwickelt. Ich kann es auch nachvollziehen, wenn er nach sechs Jahren bei den Volleys und mit einer A-Lizenz eventuell den nächsten Schritt gehen will. Dazu haben wir durch die frühzeitige Verkündung auch mehr Zeit für die Suche eines Nachfolgers.

Ist sicher, dass Rascher bis Saisonende bleibt? Oder könnte es zu einem früheren Trainerwechsel kommen?

Möglich wäre das, wenn wir an einen bestimmten Punkt kommen. Aber da waren wir bisher noch nicht. Der sportliche Misserfolg ist auch weniger auf den Trainer zurückzuführen, nach dem, was ich im Training so gesehen habe.

Jetzt hat sich das Gespräch nur um negative Themen gedreht. Hat Sie in dem halben Jahr denn auch etwas positiv überrascht?

Positiv ist auf jeden Fall das Potenzial, das ich bei den Jungs gesehen habe. Wir sind beim ganzen Drumherum auch noch ein Stück professioneller geworden. Ein paar neue Sponsoren wie die Leipziger Gruppe sind zudem eingestiegen. Am Ende fehlen uns nur die Punkte.