16. Oktober 2021 / 08:00 Uhr

Gladbach-Trainer Adi Hütter über seinen Werdegang, Talente im Team und Titel-Ambitionen

Gladbach-Trainer Adi Hütter über seinen Werdegang, Talente im Team und Titel-Ambitionen

Andreas Kötter
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Adi Hütter schielt mit Gladbach auf einen Titel.
Adi Hütter schielt mit Gladbach auf einen Titel. © Getty Images (Montage)
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Der aktuelle Mittelfeld-Platz ist für den neuen Gladbach-Trainer Adi Hütter eigentlich zu wenig. Im Interview mit dem SPORTBUZZER erklärt der Österreicher, wie sein Team zu mehr Mentalität finden soll, was er sich von den Talenten in der Mannschaft erhofft und wie er die Titelchancen sieht.

Mit zehn Punkten auf der Habenseite und im Mittelfeld der Bundesliga stehend startet Borussia Mönchengladbach um Trainer Adi Hütter (51) in den achten Spieltag. Gegner im Abendspiel an diesem Samstag (18.30 Uhr, Sky) ist der VfB Stuttgart. Gladbach-Trainer Adi Hütter spricht vor der Partie über sein Verständnis von Fußball und mögliche Titel-Ambitionen mit der Borussia.

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SPORTBUZZER: Herr Hütter, gibt es Ihr Buch "Teamgeist: Wie man ein Meisterteam entwickelt" auch auf italienisch?

Adi Hütter: Nicht, dass ich wüsste. Warum fragen Sie?


Ihre Ausführungen zu Emotionalität und Mentalität im Fußball hätten eine Gebrauchsanweisung für Italiens Weg zum EM-Titel sein können.

Vielen Dank. Die Italiener haben mich fußballerisch total überzeugt. Sie spielen heute modern, sie spielen hoch, sie spielen aggressiv und sie können immer noch gut verteidigen. Fasziniert hat mich aber vor allem der Zusammenhalt der Gruppe. Vielleicht wollte man in der Pandemie, die Italien und gerade Bergamo besonders schwer getroffen hat, ein Zeichen setzen: "Schaut, wir stehen zusammen, wir sind eine Einheit."

Stichwort Bergamo: Kommt der Fußball, den Atalanta spielt, Ihrer Vorstellung entgegen?

Attraktiver geht es kaum. Und trotzdem ist Atalantas Fußball nicht immer nur schön anzusehen. Man begeistert die Leute auch damit, dass man den Gegner in der gegnerischen Hälfte bearbeitet. Das funktioniert nur, wenn alle mitmachen.

So wie bei Borussias 1:0 über Dortmund am 6. Spieltag der Bundesliga, das weniger fußballerische Delikatesse als Sieg der Moral war?

Man darf nicht vergessen, wo wir herkommen: Zwei Niederlagen, dann ein Sieg gegen Bielefeld und schließlich wieder eine Niederlage, in Augsburg. Dass Dortmund dann mit breiter Brust aufläuft, ist kein Wunder. Aber meine Mannschaft hat alles super umgesetzt, was ich verlangt habe. Das war schon viel bissiger, viel galliger und, ja, auch viel ekliger als etwa in Augsburg.

Gladbach gilt als sympathische Mannschaft. Wie macht man aus netten Kerlen Mentalitätsmonster?

Bei Spielen im Borussia-Park gegen die Bayern oder den BVB muss man, was die emotionale Ebene betrifft, als Trainer gar nicht so viel dazutun. Aber es kann nicht sein, dass du zu Hause ordentliche Spiele machst, auswärts aber nicht in Tritt kommst. Das habe ich ganz deutlich angesprochen. Im Übrigen lässt sich Aggressivität mit Spielformen auf engem Raum sehr gut trainieren. Und vielleicht haben wir mit der einen oder anderen Umstellung das Richtige gemacht.

Joe Scally, Luca Netz, Louis Jordan Beyer und Manu Koné machen also Etablierten wie Christoph Kramer und Florian Neuhaus den Platz streitig?

Um diesen Konkurrenzkampf geht es doch, darum, dass wir im Idealfall nicht nur elf, zwölf oder 13 Spieler für die Startelf haben, sondern dass jeder das Zeug dazu hat. Wenn du gewinnst, wird es natürlich schwieriger für diejenigen, die gerade nicht in der Startelf stehen. Dann möchte ich sehen, dass gekämpft, gebissen und gekratzt wird und dass die Jungs zeigen, dass sie unbedingt wieder in die Mannschaft wollen.

Hütter: "Das war alles sehr harte Arbeit"

Dieses Sichdurchbeißen, ist das auch in Ihrer eigenen Biografie angelegt?

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Ich war ein talentierter Spieler, musste mir aber alles hart arbeiten. Und als Trainer war das nicht anders. Bevor du ernten kannst, musst du säen und hart arbeiten. Also habe ich in der 2. österreichischen Liga als Co-Trainer bei Red Bull Juniors begonnen. Und erst jetzt, 13 lange Jahre später, bin ich bei Borussia Mönchengladbach. Dazwischen aber liegen Stationen beim SCR Altach und beim SV Grödig. Erst dann kam der Schritt zu Red Bull Salzburg, später zu Young Boys Bern und schließlich über Eintracht Frankfurt zur Borussia. Glauben Sie mir, das war alles sehr harte Arbeit.

Bern haben Sie zur ersten Meisterschaft seit 32 Jahren geführt. Borussia wartet seit 26 Jahren auf einen Titel.

Der Sieg im DFB-Pokal 1995. Auch 26 Jahre sind eine sehr lange Leidenszeit, und es würde nichts Schöneres für mich geben, als mit Borussia einen Titel zu holen. Man muss sich hohe Ziele setzen. Möglich ist im Fußball alles, dann muss aber auch alles zusammenpassen. Wir müssten den FC Bayern, den BVB, Leipzig, Leverkusen und wohl auch Wolfsburg hinter uns lassen. Aber noch mal: Träumen ist erwünscht.