17. Juni 2020 / 16:22 Uhr

Spieler aus 21 Ländern: Afrika Fußball Club Köln lebt Integration vor

Spieler aus 21 Ländern: Afrika Fußball Club Köln lebt Integration vor

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der Afrika Fußball Club Köln verzeichnet im Kader Spieler aus 21 Nationen.
Der Afrika Fußball Club Köln verzeichnet im Kader Spieler aus 21 Nationen. © Afrika Fußball Club Köln/Pixabay/Montage
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Fußball verbindet. Und das ganz besonders beim Afrika Fußball Club Köln. Die erste Mannschaft des Vereins kickt mit Spielern aus 21 verschiedenen Ländern in der Kreisliga C. Es ist das wohl multikulturellste Team Deutschlands.

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Dieser Artikel ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Mehr Infos dazu auf gabfaf.de.

Menschen aus 21 verschiedenen Nationen in einer Mannschaft. Der Afrika Fußball Club Köln steht mit diesem Aufgebot besonders für Vielfalt, Integration, Akzeptanz und Toleranz. Mitgründer Cedric Ayibiga Mferi wächst selbst als Sohn einer deutschen Mutter und eines gabunischen Vaters in Köln auf.

"Diese Stadt ist bekannt für Multi-Kulti. Ich hatte schon lange den Traum, hier wieder so einen Verein aufzubauen", sagt Ayibiga Mferi im Gespräch mit #GABFAF. Sein Vater führt lange Zeit in den 80ern den Afrika Sport Club. Einige Jahre nach der Auflösung greift der heute 30-Jährige die Idee wieder auf, schließt sich mit sechs weiteren Personen zusammen und gründet 2014 den Afrika Fußball Club Köln.

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Aus diesen Ländern stammen die Spieler

"Ich habe im Verein schon alles gemacht. Bis zuletzt habe ich selbst auch noch gespielt. Ich bin aber beruflich mittlerweile oft in München und nicht mehr dauerhaft in Köln“, berichtet Ayibiga Mferi. Nur in der Corona-Zeit darf der Geschäftsführer des Kölners Vereins von zuhause arbeiten. Sonst bleibt nicht mehr ganz so viel Zeit für sein großes Hobby - den Klub mit Spielern aus 21 Nationen.

Der Kader setzt sich nicht nur mit Menschen afrikanischer Abstammung zusammen. Neben Fußballern aus dem Senegal, Kongo, Tschad, Angola, Ghana, Nigeria, Uganda, Kamerun, Gabun, Eritrea, Tunesien, Algerien und Marokko, kommen die Jungs aus Syrien, Türkei, Irak, Belgien, Holland, Italien, Bosnien und Herzegowina sowie Deutschland. "Fußball verbindet, da gibt es keine Probleme. Wir sind eine echte Multi-Kulti-Truppe, fühlen uns aber eher als Deutsche", so Ayibiga Mferi. Die Spieler unterhalten sich auf auch französisch oder englisch. Auf dem Platz ist deutsch aber die Sprache Nummer eins.

Das sind die prominenten #GABFAF-Unterstützer:

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Beleidigung eines Zuschauers

In der Kölner Gegend sei der Verein aus der Kreisliga C gerne gesehen. "An Probleme mit Rassismus kann ich mich nicht direkt erinnern. Es gab da nur mal einen Vorfall mit einem türkischen Zuschauer, der einen unserer afrikanischen Spieler auf Türkisch als 'dreckiger *'* bezeichnet hat", sagt der 30-Jährige: "Sprüche wie 'Schiri, die sprechen eine andere Sprache' oder 'Auf dem Platz muss deutsch gesprochen werden', sind eher die Ausnahme."

Ein aktuelles Beispiel in der Bundesliga zeigt, wie erfolgreich viele verschiedene Nationen in einem Team harmonieren können. Die TSG Hoffenheim stellt nach dem Tor von Munas Dabbur in dieser Saison Torschützen aus 13 unterschiedlichen Ländern. Auf so eine Quote kommt selbst der Afrika Fußball Club Köln in der abgebrochenen Spielzeit nicht. Und das liegt zum einen an der verkürzten Serie, zum anderen ist diese Saison mit Blick auf die junge Vereinsgeschichte eher schlecht ausgefallen.

Freude über Signale aus der Bundesliga

"Bei uns ist die Euphorie nach den ersten Jahren leider etwas verflogen. Wir hatten uns sehr auf den Bau eines Kunstrasenplatzes gefreut. Doch immer wieder hat die Stadt das Projekt verschoben. Wir kicken hier weiter auf Asche. Und darauf haben einige Jungs keinen Bock mehr", erklärt der verärgerte Ayibiga Mferi.

Wenn der 30-Jährige wie zuletzt aus der Bundesliga starke Zeichen im Kampf gegen Rassismus sieht, ist er hingegen froh über positive Signale. "Dieses Thema mal öffentlich zu machen, war schon lange überfällig. Das Problem war nie richtig weg und herrscht weltweit. Es müssen weiter solche Schritte eingeleitet werden", sagt der Fußballer.

Ayibiga Mferi: "Miteinander sehr wichtig"

Mit einem gemeinsamen Kniefall hatten Stars der Bundesliga ein klares Statement gesetzt. Schweigend sanken die Profis vor den Partien in Dortmund am Samstag sowie Bremen und Berlin am Sonntag rund um den Mittelkreis nieder und zeigten sich so solidarisch mit den Demonstranten in den USA und den Protesten weltweit nach dem brutalen Tod von George Floyd.

"Besonders von älteren Menschen oder in den sozialen Netzwerken bekommt man rassistische Anfeindungen zu spüren. Ich bin froh, dass ich nicht in einer Stadt in Ostdeutschland aufgewachsen bin. Ich habe zwar auch meine Erfahrungen in Köln gemacht, aber ganz so drastisch wie es einige Afrikaner in Chemnitz oder Dresden erlebt haben, war es nicht", meint Ayibiga Mferi, der die Türen seines Vereins weiter für Menschen aus allen Ländern offen halten möchte. Denn beim Afrika Fußball Club Köln soll jeder einen Platz im Kader finden. "Das Miteinander aller Nationen ist weiterhin sehr wichtig in unserer Gesellschaft", betont der 30-Jährige.