08. Mai 2019 / 23:00 Uhr

Das nächste Wunder: Späte Tottenham-Show zerstört Titelträume von Ajax Amsterdam

Das nächste Wunder: Späte Tottenham-Show zerstört Titelträume von Ajax Amsterdam

Sönke Gorgos
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Lucas Moura schoss gegen Ajax Amsterdam alle drei Tore für die Spurs.
Lucas Moura schoss gegen Ajax Amsterdam alle drei Tore für die Spurs. © Getty
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Ajax Amsterdam ist nur einen Schritt vor dem größten Coup der jüngeren Fußballgeschichte gestürzt. Die Holländer gaben ein 1:0 nach dem Hinspiel und eine 2:0-Führung im Rückspiel aus der Hand und unterlagen Tottenham Hotspur. Zum Helden der Partie wurde Dreifach-Torschütze Lucas Moura.

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Nach diesen verrückten Fußball-Tagen ist klar: Die Engländer können Comebacks - UND WIE! Erst setzte sich am Dienstag der FC Liverpool sensationell gegen den FC Barcelona durch, jetzt zieht Tottenham Hotspur nach. Die Mannschaft von Mauricio Pochettino gewann sich im Halbfinal-Rückspiel mit 3:2 (0:2) bei Ajax Amsterdam. Alle drei Tore gingen auf das Konto des überragenden Lucas Moura. Und das nach einem 0:1 im Hinspiel und einem 0:2-Rückstand zur Pause. Damit machten die Spurs das zweite rein englische Finale der Champions-League-Geschichte perfekt. 2008 hatten Manchester United in Moskau nach Elfmeterschießen den FC Chelsea besiegt.

Die Partie begann in einem irren Tempo, das sogar die Liverpooler Bemühungen gegen Barcelona am Vortag in den Schatten stellte. Nachdem Ziyechs Schuss von der Strafraumgrenze in der dritten Minute noch von der vielbeinigen Spurs-Defensive geblockt wurde, musste eine Minute später Weltmeister Hugo Lloris im Tor der Londoner erstmals eingreifen: Der Franzose hielt den von Trippier abgefälschten Schuss von Tadic überragend, war jedoch in der nächsten Situation weniger glücklich - denn schon nach fünf Minuten sorgte Amsterdam für eine Vorentscheidung.

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Die Ajax-Generation um Frenkie de Jong und Matthijs de Ligt (im Hintergrund) sorgte zuletzt in der Champions League für Furore. Schon vorher brachte Ajax Amsterdam jedoch diverse Stars heraus - unter ihnen Edgar Davids (l.) und Wesley Sneijder. Der SPORTBUZZER zeigt die größten Spieler der Ajax-Vergangenheit. ©
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Ajax Amsterdam ging sofort mutig auf die Entscheidung

Die wie entfesselt aufspielenden Holländer belohnten sich für den Mut, trotz der Führung aus dem Hinspiel sofort mutig nach vorn zu marschieren. Der Torschütze: Kapitän und Abwehrchef Matthijs de Ligt, der Trippier beim folgenden Eckball davonlief und fast unbedrängt an Lloris vorbeiköpfte. Die Spurs (erneut ohne den angeschlagenen Superstar Harry Kane) wurden kalt erwischt, zeigten sich aber keineswegs geschockt, sondern suchten ihr Heil in der Offensive. Der ehemalige Bundesliga-Star Heung-min Son, neben Lucas Moura als zweite Spitze aufgeboten, hätte fast die unmittelbare Antwort gegeben, setzte seinen Flachschuss aber an den Pfosten. Der Südkoreaner, in den vergangenen Wochen oft überragend, erwischte diesmal nicht seinen besten Tag.

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Ajax provozierte in der Folge immer wieder leichte Ballverluste im Offensivspiel der Londoner und kam so zu schnellen Tempogegenstößen. Doch Tottenham blieb gefährlich, nicht zuletzt der ehemalige Ajax-Profi Christian Eriksen sorgte für Glanzpunkte. Die waren auch nötig, denn zu diesem Zeitpunkt benötigten die Gäste zwei Tore, um den Finaleinzug perfekt zu machen. Deshalb verschoben sich die Spielanteile vorerst. Aber Amsterdams geniale Offensive war immer in der Lage, eiskalt zuzuschlagen. Und das tat sie in der 35. Minute.

Die Entscheidung? Ziyech gelingt Traumtor für Ajax

Eine Kombination über van de Beek und Tadic führte dazu, dass Spielmacher Hakim Ziyech plötzlich völlig frei im halblinken Strafraum der Spurs auftauchte. Der Marokkaner zog sofort ab - und schoss den Ball treffsicher ins lange Eck. Lloris war ohne Chance, Tottenhams Abwehr erneut überwunden - nun musste für die Londoner ein mittelgroßes Wunder her. Zur Pause stand es 2:0 für den Underdog aus der Eredivisie, der in dieser Saison noch das Triple gewinnen kann.

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Tottenhams Trainer Mauricio Pochettino setzte zu Beginn des zweiten Durchgangs ein klares Zeichen in Richtung mehr Offensive, brachte Mittelstürmer Fernando Llorente für Wanyama. Der Spanier hatte im Viertelfinale gegen Manchester City den entscheidenden Treffer erzielt, blieb in Amsterdam jedoch zunächst auf der Bank. Warum? Die Spurs waren mit einem klaren Angreifer im Zentrum nun besser - oft über Son, der auf Linksaußen plötzlich viel mehr Freiheiten genoss als noch im Zentrum.

Moura-Doppelpack leitet starkes Spurs-Comeback ein

Ein Geistesblitz von Eriksen führte zur ersten Großchance der Gäste. Der Däne flankte einen Ball aus der Halbdistanz an den zweiten Pfosten, wo Dele Alli völlig frei stand. Onana parierte aber überrragend. Wenig später war der Schlussmann aber machtlos. Nach einem unmotivierten Zweikampf von de Ligt gegen Rose liefen sowohl Alli als auch Lucas Moura auf Onana zu, ohne von Amsterdams Abwehrspielern ernsthaft bedrängt zu werden. Moura (55.) verkürzte so den Abstand auf "nur" noch zwei Tore. Tottenham war wieder da - und hatte jetzt massiven Rückwind.

Auch, weil Ajax nun vollkommen passiv war und die Spurs anrennen ließ. Das konnte nicht lange gut gehen - und nur vier Minuten nach dem Anschlusstreffer war der Ausgleich hergestellt. Der Treffer ist in der Entstehung geradezu vogelwild: Onana pariert überragend gegen Llorente, wird beim schützen des Balls aber von seinem eigenen Mann Lasse Schöne gestört. Dessen Abwehrversuch landet bei Lucas Moura, der aus dem Gewühl heraus das 2:2 erzielt.

Amsterdams Defensive ist plötzlich unter Strom und wackelt dramatisch. Immer wieder ist es Lucas Moura, der mit Abstand gefährlichste Spieler der Engländer. Der Ex-PSG-Profi hat seinen dritten Treffer in nur neun Minuten auf dem Fuß, wird jedoch in allerhöchster Not von de Ligt gestoppt. Jetzt machte auch Ajax wieder mit: Ziyech (80.) ballerte den Ball an den Pfosten, hätte die Partie entscheiden können. Tottenham drückte in den letzten Minuten auf den Ausgleich und hatte durch Vertonghen und Son riesige Möglichkeiten zum Sieg. So ging's weiter - bis zur 95. Minute. Da marschierte - wer auch sonst - Lucas Moura auf das Tor der Amsterdamer zu und traf Ajax mitten ins Herz.

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