15. November 2019 / 16:25 Uhr

Aktiver Fan von RB Leipzig nach Werner-Kritik: "Die Umsetzung war unglücklich"

Aktiver Fan von RB Leipzig nach Werner-Kritik: "Die Umsetzung war unglücklich"

Anton Zirk
Leipziger Volkszeitung
BERLIN,GERMANY,09.NOV.19 - SOCCER - 1. DFL, 1. Deutsche Bundesliga, Hertha BSC Berlin vs RasenBallsport Leipzig. Image shows the fans of RB Leipzig.  Photo: GEPA pictures/ Roger Petzsche - DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video - For editorial use only. Image is free of charge.
Der Gästeblock wurde mit Fahnen in Rot und Weiß getaucht. Auf zwei großen Bannern war zu lesen: "Auf den Rängen unsere Fahnen heute wehen – Wir wollen Rasenball siegen sehen". © GEPA pictures/ Roger Petzsche
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Trotz des sportlichen Höhenflugs war es unter den Anhängern von RB Leipzig beim Auswärtsspiel in Berlin zu Unstimmigkeiten gekommen. Kritik an Timo Werner und interne Konflikte rückten in den Fokus. Ein aktiver Fan versucht die Gemengelage zu sortieren.

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Eigentlich könnte die Stimmung bei RB Leipzig dieser Tage kaum besser sein. Nach einer Ergebniskrise Ende Oktober hat sich das Team von Julian Nagelsmann bravurös zurückgemeldet und stürmt nun seit vier Pflichtspielen torhungrig von Erfolg zu Erfolg, zuletzt beim 4:2-Auswärtssieg in Berlin.

Und auch aus Sicht der Fans, um die es konflikttechnisch in den vergangenen Monaten ruhig geworden war, fing das Gastspiel im Olympia-Stadion vielversprechend an. Grund: Schon zum wiederholten Mal in dieser Saison hatten die Anhänger der Roten Bullen – am Samstag immerhin fast 5000 – mit einer stimmungsvollen Choreografie auf sich aufmerksam gemacht.

Fahnenstreit als Anlass

Der Gästeblock wurde mit Fahnen in Rot und Weiß getaucht. Auf zwei großen Bannern war zu lesen: "Auf den Rängen unsere Fahnen heute wehen – Wir wollen Rasenball siegen sehen". Nach dem Spiel rückten jedoch der sportliche Erfolg und die Einlage zu Beginn schnell in den Hintergrund. Stattdessen kritisierten Fans öffentlich unter anderem den rauen Umgangston in der Kurve, das Portal "RBlive" berichtete von einer "vergifteten Atmosphäre" und aggressiven „Capos", mit denen es nach Abpfiff auch einzelne Spieler, darunter Topstürmer Timo Werner zu tun bekommen hatten. Ein Mitglied der aktiven Fanszene, das bei fast jedem RB-Spiel in vorderster Reihe dabei ist, hat gegenüber dem Sportbuzzer nun zwar exklusiv bestätigt, dass es in Berlin zu Spannungen gekommen sei. Jedoch müsse man die verschiedenen Situationen klar voneinander trennen.

So sei der Anlass für die internen Konflikte während der Partie recht simpel gewesen: "Wir haben auch nach Anpfiff noch die großen Schwenker eingesetzt, um das Motto der Choreografie weiterzutragen. Das kam aber wohl nicht bei allen gut an." Ein paar Fans seien deshalb in den unteren Bereich des Blocks gekommen und hätten sich beschwert, weil durch Fahnen teilweise die Sicht aufs Spielfeld versperrt gewesen sei – "Wir haben dann sachlich versucht, unsere Idee zu erklären und darum gebeten, dass sie sich etwas höher hinstellen, wenn sie das komplette Spiel sehen möchten." Daraufhin sei es zu Handgreiflichkeiten gekommen, bei dem auch einer der Schwenker beschädigt wurde. Trotzdem habe sich die Situation bereits während der Halbzeitpause durch einen Austausch untereinander beruhigen lassen. Auch künftig wolle sich die aktive Szene offen für Kritik und Gespräche zeigen, um der Heterogenität in der Kurve und den verschieden Fan-Gruppen sowie -Interessen Rechnung zu tragen. Ein Fandialog sei deshalb bereits in Planung.

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(1) Peter Gulacsi: Muss früh gegen Darida retten, gegen Mittelstädts Strich chancenlos. Ansonsten bis zum 4:2-Anschluss der Hertha als Libero gefragt. Note 2. Zur Galerie
(1) Peter Gulacsi: Muss früh gegen Darida retten, gegen Mittelstädts Strich chancenlos. Ansonsten bis zum 4:2-Anschluss der Hertha als Libero gefragt. Note 2. ©
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Werner in der Kritik

Unabhängig vom Fahnenstreit kochte die Stimmung nach der Partie jedoch erneut hoch. "Die Mannschaft kam zum Feiern in die Kurve und der Capo hat sich Timo Werner rangeholt. Wir dachten, dass er ihm ein paar persönliche Worte für das gute Spiel mitgibt", erzählt der Fan. Doch aus der Lobeshymne für den zweifachen Torschützen sei eine Standpauke geworden, in der Werner, dem als Aushängeschild des Vereins eine besondere Verantwortung zukommen würde, vom Vorsänger für fehlenden Einsatz beim Feiern mit den Fans kritisiert wurde.

Der 23-Jährige Stürmer habe sich all das angehört und dann etwas verloren gewirkt, woraufhin er mit der Mannschaft Richtung Kabine gegangen sei – "Die Kritik an Timo, stellvertretend für Teile der Mannschaft, teilen wir grundsätzlich. Klar, der Ton war scharf, aber nicht beleidigend. Dennoch hätte man das im Vorfeld konkreter absprechen oder in einem anderen Rahmen machen können. Insgesamt war die Umsetzung unglücklich."

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Poulsen glättet Wogen

Werners Sturmpartner Yussuf Poulsen, der die Situation hautnah mitbekommen hatte, habe dann mit den Fan-Vertretern gesprochen und versucht, die Wogen zu glätten. Auch RB scheint die Kritik der Anhänger ernst zu nehmen: "Der Verein hat über die Fanbetreuer direkt nachfragen lassen, worum es geht und wo das Problem liegt", verrät der Anhänger. Auch in diesem Fall sei ein Dialog bereits geplant.

Von den beiden Konfliktsituationen auf eine allgemein schlechte Atmosphäre in der Kurve zu schließen, sei jedoch überzogen. Vor allem das Auftreten des Capos, der erst vor einigen Monaten den Platz vom langjährigen Vorsänger Sebastian übernommen hat, müsse mit etwas Geduld bewertet werden: "Klar, läuft da noch nicht immer alles perfekt. Aber in dieser Position steht man immer im Mittelpunkt. Damit muss man als junger Mensch erstmal umgehen und seinen eigenen Weg finden. Das können wir aber nur gemeinsam als Fans."

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