04. Januar 2022 / 20:02 Uhr

Aktuell nur virtuell: Schach-Online-Liga startet Ende Januar

Aktuell nur virtuell: Schach-Online-Liga startet Ende Januar

Christian Kluge
Leipziger Volkszeitung
Die Freunde des königlichen Sports müssen ihre Aktivitäten vorerst ins Internet verlagern.
Die Freunde des königlichen Sports müssen ihre Aktivitäten vorerst ins Internet verlagern. © dpa/Felix König
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Im vergangenen Jahr nahmen zahlreiche Schachspieler und -spielerinnen an der Schach-Online-Liga teil, welche während der Pandemie eine Möglichkeit bietet, Wettkämpfe durchzuführen. Auch 2022 werden wieder einige Vereine aus Leipzig und dem Umland mitmachen.

Leipzig. Noch ist die Anzahl der gemeldeten Mannschaften auf der Homepage der Deutschen Schach-Online-Liga (DSOL) übersichtlich. Aber bis zum Meldeschluss am 18. Januar ist auch noch etwas Zeit. Mit am Start sind auch einige Vereine aus Leipzig und dem Umland.

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Los geht es dann mit der ersten Runde vom 31. Januar bis 4. Februar. Bis zum Viertelfinale Ende April folgen sechs weitere Runden. Nach den Halbfinals, die zwischen dem 9. und 13. Mai ausgetragen werden, steigt am 20. Mai das große Endspiel. Titelverteidiger von 2021 ist die SG Porz, die in einem Stadtbezirk von Köln beheimatet ist.

385 Mannschaften 2021

Im Vorjahr waren aus Leipzig und dem Umland auch einige Teams mit unterschiedlichem Erfolg am Start. Am weitesten kam damals die Schachgemeinschaft Leipzig, die in der 1. Liga bis ins Viertelfinale kam und dort am 16. April mit 0,5:3,5 gegen Porz verlor. Ein Remis gegen den aktuellen Zweitbundesligisten gelang damals nur dem Leipziger Alex Dac-Vuong Nguyen. „Das war schon ganz gut“, sagt SG-Jugendwart Hendrik Hoffmann, der selbst zweimal für seinen Verein im Online-Einsatz war – allerdings nicht gegen Porz. „Wenn wir melden, mache ich auch wieder mit.“

Insgesamt war die DSOL 2021 in 13 Ligen eingeteilt worden. Wer wo spielt, bestimmt die Deutsche Wertzahl (DWZ) der gemeldeten Spieler. Da standen die Leipziger, die im „normalen Leben“ mit zwei Mannschaften in der Oberliga Ost aktiv sind, recht weit oben und landeten dadurch in der 1. Liga. Wie beliebt das neue Online-Angebot bei den deutschen Schachvereinen bisher war, zeigt ein Blick auf die Teilnehmerzahlen von 2021. Knapp 3000 Spieler und Spielerinnen gingen in 385 Mannschaften an den Start.

Da nicht immer alle Teammitglieder zur Verfügung stehen, können die Vereine pro Mannschaft zehn Aktive melden, von denen jeweils vier zu den Spielen antreten. Und natürlich müssen die technischen Voraussetzungen gegeben sein, um online spielen zu können. Hendrik Hoffmann: „Wir haben eine stabile IT, die Software ist ausgereift und bei uns hat alles gut funktioniert.“

Wahres Schachspiel fehlt

Für den Start des neuen Online-Angebots hatte sich die DSOL als technischen Partner das Unternehmen ChessBase ins Boot geholt, um dem regulären Spielbetrieb so nahe wie möglich zu kommen. Die Firma entwickelt unter anderem Schach-Software und hat ihren Sitz in Hamburg. Da das Internet auch in Sachsen noch nicht flächendeckend wunderbar funktioniert, hatte beispielsweise der Krostitzer Sportverein im Vorjahr auf eine Teilnahme verzichtet.


Schach-Abteilungsleiter Roger Bischoff, gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender der rund 700 Krostitzer Sportler, die in 17 Abteilungen Sport treiben, sagte auf SPORTBUZZER-Anfrage: „Wir spielen zwar jeden Freitag im Verein Online-Schach. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass wir bei der Deutschen Online-Liga mitmachen. Ich habe aber noch nicht nachgefragt im Verein. Das wahre Schachspiel fehlt mir derzeit allerdings sehr.“ Hier sind die Krostizter mit der ersten Mannschaft in der 2. Landesklasse (Staffel B) und mit der Zweiten in der Bezirksliga aktiv – wenn denn wieder mal gespielt werden darf.

Beim VfB Schach Leipzig, der – wie die Schachgemeinschaft Leipzig – im echten Schach auch in der Staffel A der Oberliga Ost aktiv ist, 45 Mitglieder hat, insgesamt über vier Mannschaften sowie eine Vertretung im Springer-Pokal verfügt, ist die Lage leicht anders. Thomas Wittig vom VfB: „Online-Schach ist bei uns nicht so gewollt.“

Nur bedingter Ersatz

Anders war das 2021 beim Sachsenligisten SG Turm Leipzig, dessen erste Mannschaft in der DSOL in die 2. Liga eingestuft worden war und im Viertelfinale gegen Göttingen mit 1,5:2,5 knapp verlor. Bei Turm Leipzig läuft der Trainingsbetrieb für alle ab 16 Jahre aktuell jeden Donnerstag von 17 bis 20 Uhr online über Zoom.

Frank Jäger von der SG Turm freut sich über das Online-Angebot: „Die Deutsche Schach-Online-Liga bietet uns in Pandemie-Zeiten die Möglichkeit, eine Art Wettkampfbetrieb online durchzuführen. Natürlich ist das nur bedingt Ersatz für das Spielen am Brett, aber es ist eben für uns Schachspieler eine Alternative. Vor einem Jahr haben wir mit zwei Teams an der DSOL teilgenommen und mit beiden die Vorrunde überstanden. Die zweite Mannschaft hat es sogar bis ins Halbfinale geschafft und ist dort denkbar knapp ausgeschieden, was ein super Ergebnis war. Eine Teilnahme ist auf jeden Fall wieder geplant. Es wäre schon schön, wenn wir es wieder bis in die K.o.-Spiele schaffen.“

AB Halbfinale Videoüberwachung

Die TSG 1861 Taucha mit ihrem Spitzenspieler Friedbert Prüfer schaffte es 2021 auch bis ins Halbfinale der 2. Liga, verlor dort jedoch mit 0,5:3,5 gegen ein Team aus Hamburg. Die TSG dürfte auch in diesem Jahr wieder dabei sein. Ob das auch für die Schachspieler vom SV Fortschritt Oschatz gilt, ist aktuell noch offen. Gleiches gilt für die SG BiBaBo Leipzig, die im Vorjahr in der Vorrunde in die B-Gruppe der 7. Liga eingestuft wurde und dort leider nur den letzten Tabellenplatz belegte.

Allerdings ist die Teilnahme an der DSOL durchaus reizvoll für die Vereine. Denn die Meister erhalten einen schönen Pokal und unter allen Mannschaften werden zudem hochwertige Preise von ChessBase verlost. Damit es keine unerlaubten Hilfen gibt, werden ab den Halbfinalspielen alle Partien per Videoüberwachung verfolgt. Und der Meister jeder Liga könnte 2023 in der vierten DSOL-Saison eine Leistungsklasse höher spielen.

Die Spiele beginnen immer um 19.30 Uhr und werden von Montag bis Freitag ausgetragen. Während fast alle sächsischen Amateursportler ab 16 Jahre derzeit aufgrund der Corona-Beschränkungen in die Röhre gucken, was Training oder Wettkämpfe angeht, dürfte es bei den Schachspielern ab Ende Januar so richtig spannend werden.

https://dsol.schachbund.de/