24. Juli 2021 / 17:13 Uhr

Wiedersehen in Tokio: Der lange Weg der Maso-Brüder zu den Olympischen Spielen

Wiedersehen in Tokio: Der lange Weg der Maso-Brüder zu den Olympischen Spielen

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Familienglück in Tokio: Mohamad Maso (links) und sein Bruder Alaa treffen sich überraschend nach dem Einzug der Athleten ins Olympiastadion.
Familienglück in Tokio: Mohamad Maso (links) und sein Bruder Alaa treffen sich überraschend nach dem Einzug der Athleten ins Olympiastadion. © Privat
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Für die Brüder Alaa und Mohamad Maso aus Badenstedt wird ein Traum wahr. Die syrischen Flüchtlinge starten bei Olympia. Während Schwimmer Alaa für das olympische Flüchtlingsteam an den Start geht, will Triathlet Mohamad unter syrischer Flagge zeigen, dass auch Positives aus diesem Land zu berichten ist.

Weiter kann der Weg zu den Olympischen Spielen wohl kaum sein. Die syrischen Brüder Alaa und Mohamad Maso haben ihre Heimat verlassen, sind vor dem Krieg geflüchtet. Über Holland sind sie 2016 nach Deutschland gekommen und leben nun in Badenstedt. Der Sport hat ihnen Halt gegeben und Türen geöffnet. Beide haben es nach Tokio geschafft. Der 21-jährige Alaa schwimmt, der 28-Jährige Mohamad ist Triathlet und startet am Sonntag (23.30 Uhr).

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Seit sechs Jahren haben die Brüder ihre Familien nicht gesehen, Kontakt gibt es nur über Smartphones. Ungeachtet der großen Unterstützung ist es nicht leicht für die Athleten. Ihr Sport hilft ihnen und tat es schon damals im Bürgerkrieg. „Dank des Sports konnte ich mich von viel Negativität lösen und Vertrauen in mein Leben gewinnen“, sagt Alaa, er will „positiv, kreativ und gesund bleiben“. Die Brüder kommen aus einer Schwimmerfamilie. Von 2012 bis 2014 war in Syrien kein Training möglich, 2015 wurde das Becken beschädigt und die Lage im Krieg immer übler. Da brachen die Brüder, die stets Schwimmen und Triathlon trainiert hatten, nach Europa auf.

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Über Amsterdam nach Badenstedt

Über die Erstaufnahme in Deutschland ging es nach Holland in die Nähe von Amsterdam, wo sich die Brüder schnell integrierten. „Meine niederländische Familie steht hinter mir wie ein Berg“, so Mohamad. Dennoch mussten sie etwa ein Jahr später zurück nach Deutschland. Wieder trafen sie die richtigen Leute, um an ihrem Traum zu arbeiten, wie es Mohamed formuliert. In diesem Fall die Familie Thöneböhn aus Hannovers Oststadt.

Deren Sohn Jo (22 Jahre) ist Triathlet bei Hannover 96 und lernte Mohamed bei einem Wettkampf kennen und schätzen. „Wir haben uns sofort super verstanden“, sagt Thöneböhn. Sie freundeten sich an, die Brüder zogen nach Hannover. Thöneböhns halfen, eine Wohnung in Badenstedt zu finden; Die Familie hat sie ins Herz geschlossen. „Die Unterstützung war sehr gut, aber manchmal gab es auch vereinzelt Neid“, sagt Thöneböhn.

Zufälliges Treffen nach Einmarsch ins Olympiastadion

Auch 96 half tatkräftig, Mohamed startete sogar im Team der 2. Bundesliga. Sein jüngerer Bruder orientierte sich aber wieder zum Schwimmen. Über den SV Aegir 09 in Ricklingen schaffte es der Sprinter in die SGS Hannover sowie den Landeskader. Über 50 Meter Freistil (Vorläufe am 30. Juli, ab 12.02 Uhr) schwimmt Alaa in Tokio für das Flüchtlingsteam. Mohamed ist es wichtig, unter syrischer Fahne zu starten. Er will zeigen, dass aus diesem Land Positives zu berichten ist.

Gutes Omen: Alaa und Mohamed Maso trafen sich nach dem Einmarsch ihrer Teams ins Olympiastadion zufällig und fielen sich in die Arme. Sonst wären sie sich in Tokio kaum begegnet, die Athleten sind meist in ihren eigenen Blasen unterwegs. Wenn die Brüder dann auch endlich ihre Familie wiedersehen dürfen, wird sich ihr zweiter großer Traum erfüllen.