04. Mai 2021 / 16:47 Uhr

Alba Berlin fürchtet im Topspiel gegen Ludwigsburg eine ganz spezielle Taktik 

Alba Berlin fürchtet im Topspiel gegen Ludwigsburg eine ganz spezielle Taktik 

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
02.02.2021, Basketball-Bundesliga easyCredit-BBL, Saison 2020 / 2021, Hauptrunde, 10. Spieltag, BG Göttingen - ALBA BERLN. Göttingens Tai Odiase (l) spielt gegen Berlins Johannes Thiemann.
Swen Pförtner © Swen Pförtner
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Der Tabellenzweite Alba Berlin empfängt an diesem Dienstag die MHP Riesen Ludwigsburg zum Topspiel. Die Gäste haben sich mit einer extremen Taktik an die Spitze der Liga gesetzt.

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Spitzenspiele sind manchmal auch Systemspiele. Fußballfans beispielsweise wissen, dass Mannschaften des Trainers Pep Guardiola lieber den Ball besitzen, um so das Spiel zu kontrollieren, während Jürgen-Klopp-Teams gerne Ball und Gegner jagen. Eine sogenannte Pressingmaschine sei der von Klopp trainierte FC Liverpool, heißt es gerne, selbst wenn es, wie aktuell der Fall, weniger gut läuft. Die deutsche Basketball-Liga hat auch eine Klopp-Mannschaft: die Riesen Ludwigsburg pressen sogar so intensiv, dass ihnen bereits zwei Spieltage vor dem Ende der Hauptrunde die Tabellenführung sicher ist.

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Ob die Ludwigsburger in den Play-offs, die bald folgen, sogar das Zeug zum Meister haben, könnte sich an diesem Dienstag weisen. Da empfängt der Titelverteidiger Alba Berlin ab 19 Uhr (Magentasport und Sport1) die Schwaben zum Spitzenspiel. „Wir wollen natürlich gewinnen, denn Ludwigsburg ist ein wirklicher Konkurrent um den Titel“, sagt Albas Johannes Thiemann (27), der zwischen 2016 und 2018 für die Gäste auflief. „Das Spiel ist extrem wichtig im Hinblick auf die Play-offs, es ist die letzte Bestandsaufnahme.“

Ludwigsburg spielt sehr physisch

In der vergangenen Saison gewann Alba beide Finalspiele gegen die Ludwigsburger. In dieser Saison scheinen die Riesen, deren Spieler körperlich so groß gewachsen aber gar nicht sind, näher an Alba und die Bayern, die beiden großen Titelfavoriten, herangerückt zu sein. „Durch die Erfolge haben sie mehr Selbstbewusstsein“, sagt Himar Ojeda, Albas Sportdirektor, der erklärt: „Sie haben eine gute Balance in ihrem Spiel. Eine Mischung aus Aggressivität in der Defensive und guten Schützen in der Offensive. Wenn sie treffen, läuft es. Und das ist bei ihnen schon die ganze Saison so.“

Die gefürchtete Ludwigsburger Pressingmaschine ist so aufgebaut, dass der Gegner übers komplette Feld verfolgt wird. So früh wie keine andere Mannschaft in der Liga nehmen die Ludwigsburger Kontakt zu den Ballführenden auf und provozieren so ein unruhiges Spiel. „Es ist sehr nervig, sehr unangenehm, sie zwingen dem Gegner ihr Spiel auf und die Gegenseite so zu Fehlern“, sagt Thiemann über die physische, „vielleicht sogar physischste“ Mannschaft der Liga.

Der Erfolg gibt den von John Patrick trainierten Gästen Recht. Gerade mal drei ihrer 32 Spiele haben sie verloren. Die Bilanzen von Alba (sechs Niederlagen) und München (acht) sind klar schlechter. Allerdings ließen Berliner wie Bayern auch viel Kraft in der Euroleague, während Ludwigsburg sein kräftezehrendes Spiel international nicht vorführen durfte.

So ausgeglichen und souverän wie die Ludwigsburger in der heimischen Liga ihr Pressingkonzept - im Basketball spricht man von der Ganzfeldpresse oder schlicht Press - durchzogen, wirkt auch ihr Topspieler Jaleen Smith, ein Allrounder im besten Sinne. Der 1,93-Meter-Mann verteidigt bissig und hat im Angriffsspiel die nötige Übersicht – als Passgeber, Rebounder und Schütze. „Er bringt das komplette Paket mit. Ich denke schon, dass Smith in einem ausgeglichenen Team der Motor ist, die treibende Kraft“, lobt Thiemann.

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71:78 verlor Alba das Hinspiel gegen die Ludwigsburger. „Wenn sie es wieder schaffen, uns ihr Spiel aufzudrücken, wird es schwer“, sagt Thiemann, der aber darauf setzt darauf, dass der erfahrene Berliner Trainer, Aito Garcia Reneses, die richtigen Lehren aus der damaligen Niederlage gezogen hat.

„Wir müssen trotz der Press von Ludwigsburg ruhig bleiben und kein nervöses Spiel aufkommen lassen“, fordert Thiemann, der angibt, von seinen beiden Jahren in Ludwigsburg viel mitgenommen zu haben, „aggressive Verteidigung, der Killerinstinkt, das hat mich defensiv geprägt, mich zu einem physischeren Spieler gemacht.“

Dann folgte Thiemanns Wechsel nach Berlin, der ein bisschen für das größte Problem der Ludwigsburger steht: Sie bekommen nur schwer Konstanz in ihren Kader. „Spieler, die schon lange dort spielen, haben sie kaum“, sagt Thiemann, „da ist sehr viel Bewegung drin. Und das ist eine Herausforderung, wenn sich jedes Jahr ein neues Team einspielen muss.“ In dieser Saison ist das den Gästen gelungen, die Pressingmaschine läuft wie geschmiert.