09. Oktober 2020 / 09:28 Uhr

Alba-Star Peyton Siva im Interview: "Ich kann einer der besten Spielmacher in Europa sein"

Alba-Star Peyton Siva im Interview: "Ich kann einer der besten Spielmacher in Europa sein"

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
Meisterspieler: Auch gegen Bayern München wollen Peyton Siva (r.) und Luke Sikma ihren Spaß haben.
Meisterspieler: Auch gegen Bayern München wollen Peyton Siva (r.) und Luke Sikma ihren Spaß haben. © Andreas Gora/dpa
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In der Euroleague treffen an diesem Freitag die besten deutschen Basketballteams aufeinander. Vor dem Duell zwischen Alba Berlin und Bayern München spricht Albas Spielmacher Peyton Siva über seine Ziele, die unterschiedlichen Trainertypen - und US-Präsident Donald Trump.

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Herr Siva, können Sie sich an Albas letztes Heimspiel in der Arena am Ostbahnhof erinnern?

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Peyton Siva: Puh! Schwere Frage, war das auch ein Euroleague-Spiel?

Stimmt, gegen Barcelona am 4. März, Alba verlor 80:84. Was erwarten Sie nach so langer Zeit bei der Rückkehr in die Arena an diesem Freitag gegen Bayern München?

Wir haben ja schon ein paarmal in der Arena trainiert seit dem letzten Spiel. Und ich kenne die Halle natürlich gut, weil ich schon vier Jahre hier bin. Wir hatten viele gute Spiele in dieser Zeit. Aber gegen Bayern wird es komisch werden, sich anders anfühlen ohne die vielen Fans, die normalerweise da sind.

700 Zuschauer sind maximal zugelassen. Wie groß ist der Unterschied zu einem Basketball-Spiel mit 10.000 und mehr Fans?

Ich hoffe, dass diese 700 uns mit der gleichen Leidenschaft und Energie anfeuern werden wie sonst auch. Natürlich wird es nicht dasselbe sein, aber wir schätzen das dafür umso mehr wert.

Kann es auch ein Vorteil sein? Immerhin dürften Sie Ihren Trainer Aito Garcia Reneses besser verstehen.

Er redet sowieso nicht so viel während der Spiele. Unter uns Spielern ist die Kommunikation besser, die Kommandos dringen klarer durch. Es bleibt aber komisch ohne Fans, die Intensität ist nicht die gleiche.

Er hat das Sagen: Albas Trainer Aito Garcia Reneses.
Er hat das Sagen: Albas Trainer Aito Garcia Reneses. ©

Mit Landry Nnoko, Martin Hermannsson und Rokas Giedraitis haben Alba drei wichtige Spieler verlassen. Dafür kamen unter anderem Ben Lammers aus Bilbao, Simeone Fontecchio von Reggiana und Nationalspieler Maodo Lo aus München. Was bringen die Neuen mit?

Alle haben unterschiedliche Qualitäten. Ben Lammers kann Würfe besser blocken als Landry, der dafür offensiv etwas stärker war. Ben lernt unser Spielsystem immer besser kennen und wird uns in der Defense weiterhelfen. Simeone ist ein athletischer Flügelspieler, der letzte Saison eine gute Wurfquote hatte, auch von der Dreierlinie. Und Lo wird extrem wichtig für uns werden. Wir alle wissen, welches Talent er mitbringt, deshalb müssen wir ihn in der Offensive als Team noch mehr miteinbeziehen. Lo ist ein super Schütze, der im Eins-gegen-Eins höllisch stark ist, Kreativität mitbringt und sich mit diesen Qualitäten von anderen Spielern abhebt.

Eigentlich war es immer so, dass Spieler von Berlin nach München wechselten, Lo geht – auch aus privaten Gründen – den umgekehrten Weg. Spricht dieser Transfer auch für Albas positive Entwicklung?

Keine Ahnung, seit ich hier bin, ist ja niemand von Berlin zu Bayern gewechselt. Diese ganzen Geschichten, die es davor gab, kennen unsere Fans besser als ich, für sie ist es vielleicht etwas Spezielles. Wir sind einfach nur froh, einen Spieler wie ihn in unserem Team zu haben.

Zurück in der Heimat: Der Berliner Maodo Lo (l.) wechselte von Bayern München zu Alba - und trifft schon im zweiten Euroleague-Spiel auf seine Ex-Kollegen.
Zurück in der Heimat: Der Berliner Maodo Lo (l.) wechselte von Bayern München zu Alba - und trifft schon im zweiten Euroleague-Spiel auf seine Ex-Kollegen. © Soeren Stache/dpa

Bayern-Präsident Herbert Hainer sagte, Bayern wolle die Nummer eins in Deutschland werden. Und Kapitän Nihad Djedovic legte nach, dass Alba mehr Angst vor Bayern habe als umgekehrt. Müssten die Bayern nicht etwas mehr Respekt vor Alba zeigen? Ihr Team ist zuletzt immerhin Meister geworden.

Es ist doch gut, dass sie offen sagen, dass sie die Nummer eins werden wollen. Wir sollten das auch sagen! Wenn eine Mannschaft nicht so denken würde, hätte sie schon verloren. Ich bin also null beleidigt, wenn solche Aussagen kommen. Als Basketballspieler erwarte ich immer, dass man ganz nach oben will – in Deutschland und in der Euroleague. Mit diesen Gedanken gehst du ins Spiel, und nicht: Oh, das könnten wir heute verlieren. Nein, du willst dich mit den Besten messen, immer!

Ist das die Haltung, wie sie in den USA vermittelt wird?

Für mich sind das jedenfalls völlig übliche Aussagen. Wenn die Bayern was anderes sagen würden, würde man sie weniger respektieren. Es wissen ja alle, dass Bayern und Alba seit ein paar Jahren die besten Teams in Deutschland sind. Und jetzt sind wir ganz oben und wollen dort auch bleiben.

Solche selbstbewussten Sätze hört man im deutschen Profisport eher selten.

Als ich von den USA nach Italien kam, habe ich das schon festgestellt. Das ist manchmal vielleicht die europäische Art zu denken: Bloß nicht zu viel Druck aufs eigene Team aufbauen, weil das sonst ins Auge geht. Aber wie gesagt: Als Basketballspieler willst du immer der Beste sein.

Bayern hat auch einen neuen Trainer, Andrea Trinchieri. Was bedeutet das für das Münchner Spiel?

Ich habe sie kürzlich bei der 79:81-Niederlage in der Euroleague gegen Milan angeschaut, da waren sie stark. Trinchieri hat Bayern wieder mehr Widerstandskraft vermittelt. Defensiv spielen sie echt gut. Und es steht ja außer Frage, dass Trinchieri ein erstklassiger Coach ist, er hat ja auch in Deutschland mit Bamberg schon mehrere Titel gewonnen. Am Freitag wollen wir ihm natürlich unseren Stil aufdrücken.

Auch Sie werden von einem sehr erfolgreichen Coach trainiert: Was unterscheidet Alba-Trainer Aito Garcia Reneses denn von Trinchieri?

Ich würde sagen, Trinchieri coacht am Spielfeldrand etwas energischer und ist etwas meinungsfreudiger. Auf verschiede Art sind beide brillant, sie lassen auch unterschiedlich spielen. Unsere Spieler genießen mehr Freiheiten auf dem Feld.

Früher Bamberg, jetzt Bayern: Andrea Trinchieri jagt wieder mit einem deutschen Verein Titel und Trophäen.
Früher Bamberg, jetzt Bayern: Andrea Trinchieri jagt wieder mit einem deutschen Verein Titel und Trophäen. © Sergei Ilnitsky/dpa

Was ist für Alba in dieser Euroleague-Saison möglich?

Ich hoffe, dass wir im zweiten Jahr Euroleague besser abschneiden als im letzten Jahr. Wir wissen jetzt, was auf uns zukommt und wollen die Play-offs erreichen.

Sie kennen die NBA aus Ihrer Zeit bei den Detroit Pistons und den europäischen Basketball. Wie weit sind Alba, Bayern und andere europäische Spitzenteams vom NBA-Level entfernt?

Die besser budgetierten Teams in Europa könnten in der NBA mit manchen Teams mithalten. Aber der Stil ist komplett unterschiedlich. In der Euroleague wird taktischer gespielt, in der NBA freier. Es geht mehr hoch und runter, das Spiel ist athletischer. Dass die NBA die NBA ist, das Traumziel jedes Basketballers, hat schon Gründe. Aber die Euroleague ist die zweitbeste Liga weltweit und hat sich auch in den USA Respekt verschafft.

Sie werden in diesem Monat 30 Jahre alt. Könnten Sie sich nochmal einen Wechsel in die NBA vorstellen?

Wenn ich gesund bleibe, warum nicht. Aber mir gefällt es in Berlin, ich mag die Stadt, die Fans, das Management und der Trainer passen. Ich genieße die Zeit hier wirklich trotz einiger Verletzungen in den vergangenen Jahren. Wenn ich gesund bleibe, kann ich einer der besten Spielmacher in Europa sein. Die NBA ist immer präsent, aber ich jage diesen Traum nicht. Wenn es so kommen sollte, dann wird es auch so kommen. Und wenn nicht, tja, dann eben nicht.

In den USA streikten NBA-Teams in Folge der Black-Lives-Matter-Proteste gegen Polizeigewalt, indem sie Spiele boykottierten. Ist das der richtige Weg für Sportmannschaften, um zu protestieren?

Ich denke: ja. Bei den meisten Protesten davor war es ja so: Leute sagten etwas gegen Polizeigewalt, Rassismus und so weiter. Aber Worte reichen nicht weit genug. Es hört erst jemand zu, wenn Aktionen stattfinden. Und dieser Boykott hat ein Bewusstsein geschaffen, auch bei den Eigentürmern der Clubs. Klar, wir sind in erster Linie Sportler, aber wir sind auch Menschen und können etwas bewegen. Wir sagen nur, dass alle Menschen gleich behandelt werden sollen, egal woher sie kommen oder wie sie aussehen.

Gerade sind Wahlkampfzeiten in den USA: Haben Sie die TV-Debatte zwischen Donald Trump und Joe Biden verfolgt?

Nein! (lacht) Aber ich habe die Highlights geschaut und konnte es nicht glauben. Ich habe ja mich ja auch mit ein paar Themen beschäftigt und mit Leuten gesprochen. Ich muss mir das nicht anschauen, wie zwei alte Männer sich anschreien und sich gegenseitig ins Wort fallen. Das wird wirklich eine ereignisreiche Wahl in diesem Jahr.

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Wie oft schämen Sie sich für Präsident Trump?

Es ist nicht mal so sehr seine Politik, die er betreibt. Es geht mehr um ihn als Person, um seinen Charakter, den er offenbart. Er könnte ja mal zeigen, dass er auch Minderheiten unterstützt. Aber symbolisch für die TV-Debatte stand, dass er nicht mal fähig war, die White Supremacy (weiße Vorherrschaft, d. Red.) in den USA zu verurteilen. Aber er ist halt wie er ist.

Wer gewinnt die Wahl?

Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Trump kennt seine Wähler ganz genau, er weiß, wen er wie ansprechen muss. Nach allem, was ich so mitbekomme, könnte aber Biden die Nase vorn haben. Es wäre hart, mitanschauen zu müssen, wie Trump nochmal vier Jahre regiert. Für die USA wäre jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Wende.