26. März 2020 / 13:55 Uhr

Fans helfen in der Krise: Regionalligist Aachen verkauft "Goldene Tickets"

Fans helfen in der Krise: Regionalligist Aachen verkauft "Goldene Tickets"

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Regionalligist Alemannia Aachen verkauft Goldene Tickets.
Regionalligist Alemannia Aachen verkauft "Goldene Tickets". © Getty Images/Montage
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Alemannia Aachen ist in der Corona-Krise wieder auf die Unterstützung seiner Fans angewiesen. Der frühere Bundesligist verkauft in dieser schwierigen Phase "Goldene Tickets". Denn der Regionalliga-Klub rechnet mit einem Verlust in Höhe von etwa 400.000 Euro.

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Das erste Insolvenzverfahren beantragt Alemannia Aachen im November 2012, das zweite folgt im März 2017. In beiden Fällen übersteht der Klub die finanzielle Krise. Droht jetzt in Zeiten von Corona der nächste Ernstfall? Mit einer besonderen Aktion hofft der Regionalliga-West-Klub die aktuell ausbleibenden Einnahmen aus den Heimspielen zumindest etwas abzufedern.

Um die Corona-Krise etwas unbeschadeter zu überstehen, verkauft die Alemannia "Goldene Tickets". Einfach beschrieben: Geistertickets ohne Einlass ins Stadion. Die Karten können lediglich bei einem Heimspiel in eine Bratwurst, eine Portion Pommes oder ein Getränk umgetauscht werden.

"Wie sehr die Alemannia emotionalisiert, sieht man in einer solchen Phase wieder", sagt Geschäftsführer Martin vom Hofe. Nach acht Tagen zahlt sich die Aktion bereits aus – 1500 "Goldene Tickets" wurden verkauft, macht bei zehn Euro insgesamt Einnahmen in Höhe von 15.000 Euro. So kann die Liquidität in dieser Krisenphase immerhin etwas verbessert werden. Der Alemannia drohe laut vom Hofe der Verlust von grob gerechnet 400.000 Euro, sollten die noch ausstehenden fünf Heimspiele nicht mehr stattfinden. Die Hoffnung sei groß, dass insgesamt "einige Tausend Tickets" abgesetzt werden.

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Ultragruppierung kauft 60 "Goldene Tickets"

Unterstützung erhält der Regionalligist auch von der Ultragruppierung "Karlsbande". Die Verantwortlichen schreiben auf der Homepage, dass man selbst 60 "Goldene Tickets" verkauft habe. Die Rechnung der "Karlsbande": "Bei 25.000 verkauften Tickets wären die Einnahmen der gefährdeten fünf Heimspiele gesichert und etwaige finanzielle Probleme würden zumindest stark begrenzt werden können." Die Ultragruppierung hält "alle Fans und Sponsoren dazu an, den Schaden so gering wie nur eben möglich zu halten". Im Falle von Geisterspielen und einer anteiligen Rückzahlung der Dauerkarte, solle man den von der Alemannia erstatteten Betrag als Spende werten.

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Fans unterstützten bereits durch mehrere Aktionen

Der Klub steckte schon oft in finanziellen Schwierigkeiten. Oft waren es die Fans, die den früheren Bundesligisten unterstützten. Beispiele gefällig? Anfang 2013 verkauft der Verein sogenannte "Retter T-Shirts", 30.000 Zuschauer kamen im Januar 2015 zu einem Viertliga-Spiel gegen Rot-Weiß Essen, im Frühjahr 2018 rufen Anhänger die Aktion "Öcher Investörchen" ins Leben und sammeln knapp 50.000 Euro. Und jetzt sind wieder die Fans gefragt.

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Neben der Geisterticket-Aktion ist auch eine andere Kampagne des Klubs bereits angelaufen. Der Klub versteigert online Matchworn-Spielertrikots. Zudem sollen bald laut vom Hofe "interessante Trikots und Alemannia-Devotionalien" zu erwerben sein. "Wir arbeiten noch an einem ganz anderen Format, mit dem wir überregional, vielleicht sogar bundesweit Aufmerksamkeit erzielen können", erklärt der Alemannia-Geschäftsführer ohne genauer ins Detail zu gehen. Klar ist: Der frühere Bundesligist ist in dieser Phase mal wieder auf die Hilfe der Fans angewiesen.

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