05. Januar 2022 / 17:49 Uhr

Riehl-Rückkehr zum MSV Neuruppin: "Bis vor drei Monaten selbst nicht gedacht"

Riehl-Rückkehr zum MSV Neuruppin: "Bis vor drei Monaten selbst nicht gedacht"

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Alexander (l.) und Florian Riehl haben am Mittwochmittag in der MSV-Geschäftsstelle ihren Vertrag unterschrieben.
Alexander (l.) und Florian Riehl haben am Mittwochmittag in der MSV-Geschäftsstelle ihren Vertrag unterschrieben. © Verein
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NOFV-Oberliga Nord: Die 28-jährigen Zwillinge sind nach ihrer Suspendierung beim SV Altlüdersdorf vom Transfermarkt. Der MSV stach im Kampf um das Brüderpaar einen Brandenburgligisten aus.

Anders als noch vor wenigen Monaten hatte es sich in den letzten Tagen und Wochen angebahnt. Und am Mittwochmittag sorgten die Verantwortlichen des MSV Neuruppin sowie zwei Rückkehrer endlich für Klarheit – die Tinte ist trocken, schwarz auf weiß. Die 28-jährigen Alexander und Florian Riehl kicken ab sofort wieder in der Fontanestadt, gut zweieinhalb Jahre nach ihrem alles andere als geräuschlosen Abgang und dem Wechsel zum damaligen Brandenburgliga-Konkurrenten SV Altlüdersdorf sind die Zwillingsbrüder wieder beim Märkischen Sportverein – diesmal aber als Oberliga-Spieler.

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„Wir sind natürlich sehr zufrieden, dass zwei Neuruppiner wieder beim MSV sind“, erklärt ein glücklicher Stefan Prüfer. Der Fußball-Abteilungsleiter, der sich gemeinsam mit Vorstandsmitglied Christian Stölke, Geschäftsführer Ingo Lamprecht und den beiden Hauptprotagonisten in der Geschäftsstelle traf, um die letzten Modalitäten zu klären, freut sich nach der Verpflichtung des Japaners Sho Otsuka (SPORTBUZZER berichtete), auf die Winterverstärkungen Nummer zwei und drei: „Ihre Qualitäten als Führungsspieler sind unbestritten, Alex und Flo sollen die junge Mannschaft führen. Das, was passiert ist, ist aus dem Kopf, man hat sich ausgesprochen, Vergangenes spielt keine Rolle mehr.“

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Damals, zum Ende der Spielzeit 2018/19, gab es im Volksparkstadion den großen Knall. Im Perspektivgespräch mit MSV-Trainer Henry Bloch und Stefan Prüfer wurde Florian Riehl mitgeteilt, dass man mit ihm in der kommenden Saison nicht mehr plant. Als Gründe wurden dem Angreifer die schlechte Trainingsbeteiligung und eine mangelnde Einstellung, wenn er eingewechselt wurde, genannt. „Nach fast zehn Männerjahren beim MSV fand ich es einfach nur frech, mir sowas vorzuwerfen. Ich habe immer alles gegeben und nie zurückgesteckt“, sagte Florian Riehl damals. Mit seinem Bruder wollte der Verein weiterarbeiten, daraus wurde jedoch nichts. „Ich habe sofort mitgeteilt, dass ich dann auch weg bin. Mein Bruder hätte sich genauso entschieden“, war sich Alexander Riehl seinerzeit sicher.

So zog es das Duo, welches das Fußball-Abc bei der Spielvereinigung Gühlen-Glienicke/Rägelin erlernte und die weitere Jugendzeit beim MSV verbrachte (bis auf ein einjähriges Intermezzo im B-Junioren-Alter bei Hertha 03 Zehlendorf), nach mehr als 150 Brandenburgliga-Partien für Neuruppin in den Landkreis Oberhavel nach Altlüdersdorf. Bei den Lila-Weißen aus dem Granseer Ortsteil mauserten sich die Riehls zu wertvollen Stammkräften – so wie sie es auch jahrelang in der Kreisstadt Ostprignitz-Ruppins waren. Doch auch das Kapitel SVA endete im Herbst des letzten Jahres mit einem Beigeschmack. Mit ihrem Mut zum Wort stießen die beiden Polizeibeamten (Alexander als Polizeikommissar, Florian als Polizeiobermeister) an der „Gasse“ auf Gegenwind, innerhalb der Mannschaft solle man mit geäußerter Kritik gar gegen den Verhaltenskodex verstoßen haben. Es folgte die Suspendierung. Und damit nun die Rückkehr zum MSV Neuruppin.

Gute Gespräche auch mit dem SV Zehdenick

„Ich bin ehrlich. Dass wir unter Henry Bloch als Trainer nochmal beim MSV spielen, hätte ich bis vor drei Monaten selbst nicht gedacht“, gesteht Alexander Riehl. Florian bekräftigt: „Unter diesen Voraussetzungen hätten wir uns das beide nicht vorstellen können. Aber es kommt eben manchmal anders, als man denkt.“ Zuletzt kam man aufeinander zu, vor allem Bloch soll die erste Initiative ergriffen und das Sechs-Augen-Gespräch gesucht haben. „Es war alles sehr sachlich, ging noch nicht einmal sofort um Fußball“, bestätigen die Zwillinge. Auch, als es ans Eingemachte ging, waren sich beide Parteien recht schnell einig – die Zusammenarbeit wolle man wieder aufnehmen.

„So viele Alternativen gab es für uns auch nicht“, sagt Alexander Riehl. Sein Bruder wird auf Nachfrage doch konkreter: „FSV Bernau und Klosterfelde hatten angefragt, das wäre aber logistisch schwierig geworden und ist daher nie wirklich interessant gewesen. Der SV Zehdenick war dagegen bis zum Ende die andere Option, da gab es gute Gespräche.“ Nach der finalen Entscheidung für den MSV plagte ihn sogar kurzzeitig das schlechte Gewissen, „aber das war schnell weg. Wir freuen uns darauf, wieder im Volksparkstadion zu spielen, den Klassenerhalt in der Oberliga zu schaffen, ist ein großer Anreiz. Auch für uns selbst, wir beide wollen es uns beweisen, dass wir das Zeug dazu haben, in dieser Liga mitzuhalten“.


In Bildern: SV Altlüdersdorf unterliegt dem MSV Neuruppin im Landespokalviertelfinale.

<b>SV Altlüdersdorf - MSV Neuruppin 0:1 (0:0).</b> Tor: 0:1 Hajar Ibrahim (84.). Gelb-Rote Karte: Michael Engel (90.(MSV). Zuschauer: 207. Zur Galerie
SV Altlüdersdorf - MSV Neuruppin 0:1 (0:0). Tor: 0:1 Hajar Ibrahim (84.). Gelb-Rote Karte: Michael Engel (90.(MSV). Zuschauer: 207. © Matthias Schütt

Als „Probehalbjahr“ bezeichnet das Brüderpaar die kommenden Monate, im Sommer – idealerweise als Oberligist – wird man sich bezüglich eines weiterlaufendes Engagement positionieren. „Wir freuen uns einfach darauf, wieder Fußball zu spielen. Und vor vielen Jahren waren wir uns einig, die Laufbahn beim MSV zu beenden, lange konnten wir uns nichts anderes vorstellen“, erklärt Alexander Riehl. Das ist für den in Velten wohnhaften Mittelfeldkicker nun wieder möglich, genauso für seinen Bruder, der in Neuruppin lebt und in der Neuruppiner Offensive für Furore sorgen soll.