13. Januar 2020 / 12:14 Uhr

Alisa Fatum: Leipzigs Schwimmweltmeisterin, die keiner kennt

Alisa Fatum: Leipzigs Schwimmweltmeisterin, die keiner kennt

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Training bei Temperaturen über 5 Grad Celsius ist für Alisa Fatum fast schon ein bisschen warm.
Training bei Temperaturen über 5 Grad Celsius ist für Alisa Fatum fast schon ein bisschen warm. © dpa
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Für die ganz große Bühne reicht die Leistung nicht. Also hat sich die Leipzigerin Alisa Fatum ihre Nische gesucht und ist prompt Weltmeisterin geworden, im Eisschwimmen.

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Leipzig. An die leicht entgeisterten Blicke der Spaziergänger hat sich Alisa Fatum längst gewöhnt. „Die verstehen erst mal gar nicht, was ich da mache“, sagt die 24-Jährige. So ganz normal ist es auch nicht, sich Anfang Januar in die Fluten des Kulkwitzer Sees am Rande von Leipzig zu stürzen, um zu trainieren. Doch für Fatum ist es ein wichtiger Teil ihres Lebens: „Mich motiviert die Liebe zum Sport. Ich habe mir das ausgesucht und mach mein Ding.“

Der Zufall hat geholfen

Ihr Ding macht die Leipzigerin ziemlich gut, seit sie 2018 mit dem Eisschwimmen begonnen hat. Anfang 2019 folgte der erste Wettkampf - gleich mit Weltrekord über die 1000 Meter Freistil. „Die Königsdisziplin“, verrät Fatum. In einem null Grad kalten See in Murmansk wurde sie im März dann auch noch Weltmeisterin über die Strecke.

DURCHKLICKEN: Alisa Fatums Training im Kulkwitzer See

Eiskaltes Training: Bei knapp über 6 Grad Celcius absolviert Alisa Fatum ihre Schwimmeinheiten im Kulkwitzer See, und zwar ganz ohne Neoprenanzug. Ein warmes Getränk im Anschluss ist Pflicht. Zur Galerie
Eiskaltes Training: Bei knapp über 6 Grad Celcius absolviert Alisa Fatum ihre Schwimmeinheiten im Kulkwitzer See, und zwar ganz ohne Neoprenanzug. Ein warmes Getränk im Anschluss ist Pflicht. © dpa
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Zum Eisschwimmen führte Fatum eher der Zufall. Freiwasser war schon immer ihre heimliche Liebe und so hörte sie vor anderthalb Jahren im Sommer nicht einfach auf. Sie ging auch im Herbst ins Wasser und nahm dann auch gleich den Winter mit. So richtig erklären kann sie sich ihre Faszination am Eisschwimmen aber nicht.

Lebensgefahr beim Sprung vom Startblock

Da hilft dann Petar Stojtschew. Dem Oympia-Sechsten von London über zehn Kilometer hat es die kalte Qual ebenfalls angetan. „Sport verbindet Menschen“, sagt der Bulgare: „Und je extremer der Sport ist, desto enger werden die Freundschaften, die durch ihn entstehen.“

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Die familiäre Atmosphäre beim Eisschwimmen schätzt auch Fatum. Und obwohl es eine Sportart am äußersten Rand ist, waren bei der vergangenen WM über 300 Teilnehmer aus aller Welt dabei. „Die Wettkämpfe waren im Semjonowskoje-See. Da wurde in meterdickes Eis ein Schwimmbecken gesägt“, erklärt Fatum. 25 Meter lang, sechs Bahnen. „Und zwischendurch musste immer wieder das Eis aus dem Wasser gefischt werden.“

Eine Rolle bei der Wende oder gar der Sprung vom Startblock sind verboten. Da bestünde Lebensgefahr. Ansonsten unterscheidet sich wenig von einem normalen Schwimmwettkampf. „Wir frieren natürlich auch im Wasser. Wir haben nur gelernt, das besser auszuhalten“, berichtet Fatum.

Es geht auch ums Aushalten

Und obwohl die Sportart ein absolutes Nischendasein fristet, gibt es zwei Weltverbände. Die Eisschwimmer und die Winterschwimmer. Letztere könnten von den Eisschwimmern womöglich als Weicheier bezeichnet werden. „Da darf das Wasser über fünf Grad haben und man darf zwei Badekappen tragen. Das gibt's beim Eisschwimmen nicht“, sagt Fatum. Und weil noch keine Einigkeit herrscht, gibt's eben abwechselnd Weltmeisterschaften. In diesem Jahr sind die Winterschwimmer im slowenischen Bled dran.

Dort wird Fatum dabei sein. Ein bis zweimal pro Woche schwimmt sie deshalb im Kulkwitzer See. Je nachdem, wie es die Zeit zwischen Sport-Studium, dem Nebenjob als Physiotherapeutin und dem normalen Hallentraining zulässt. „Meistens geht es an den Wochenenden in den See. Dabei geht es auch nur darum, die 1000 Meter in der Kälte auszuhalten“, sagt Fatum.

Auf einem Sportgymnasium war sie nie und im Becken hätte sie keine Chance. „Da zu einer WM zu fahren, ist für mich utopisch“, sagt Fatum. Also suchte sie sich ihre Nische und wurde da erfolgreich. Und wenn sie nach dem Training im See aufgewärmt ist, beantwortet Fatum auch die neugierigen Fragen der dick eingemummelten Spaziergänge. Viele sind dann ein zweites Mal überrascht, dass da eine Weltmeisterin vor ihnen steht.

Tom Bachmann

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