17. September 2022 / 12:02 Uhr

Premier League Inside: Warum man die Idee mit dem All-Star-Game nicht einfach abtun darf

Premier League Inside: Warum man die Idee mit dem All-Star-Game nicht einfach abtun darf

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Jürgen Klopp (rechts) reagierte auf den Vorschlag von Chelsea-Klubbesitzer Todd Boehly, ein All-Star-Game zu veranstalten.
Jürgen Klopp (rechts) reagierte auf den Vorschlag von Chelsea-Klubbesitzer Todd Boehly, ein All-Star-Game zu veranstalten. © picture alliance / Andreas Geber (Montage)
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Chelsea-Eigentümer Todd Boehly schlägt ein All-Star-Game in England vor. Die Idee hat keine Chance. Doch bei der Diskussion geht es um mehr, meint SPORTBUZZER-Kolumnist Hendrik Buchheister.

Die Idee an sich ist natürlich verlockend. Eine Mannschaft, die fast ausschließlich aus den A-Promis von Manchester City und des FC Liverpool besteht, in der Kevin De Bruyne Pässe auf Mohamed Salah spielt und die Flanken von Trent Alexander-Arnold bei Erling Haaland landen – das würde man schon gerne sehen. Auch eine Auswahl, in der N’Golo Kanté vom FC Chelsea hinter einem Sturm mit Harry Kane von Tottenham Hotspur und Gabriel Jesus vom FC Arsenal aufräumt, hätte ihren Reiz. Weitere interessante Aspekte: Dürfen aus jedem Klub beliebig viele Spieler nominiert werden, oder gibt es eine Obergrenze? Und: Gehören Premier-League-Standorte wie Nottingham, Leicester oder Birmingham eigentlich zum Norden oder zum Süden Englands?

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Todd Boehly, der Frontmann der neuen Eigentümer des FC Chelsea, hat definitiv einen Nerv getroffen mit seinem Vorschlag, ein All-Star-Game für die Premier League nach US-amerikanischem Vorbild einzuführen. Englische Medien stellten sofort Überlegungen zur Kaderzusammenstellung an. Auch der Autor dieser Kolumne machte den Spaß mit und berief bei Twitter eine englische Nord- und eine Süd-Auswahl. Aber, das muss unbedingt dazu gesagt werden: es handelt sich bei all diesen Gedankenspielen eben um einen Spaß. Niemand in England ist ernsthaft der Meinung, dass Boehlys Vorschlag vom Spiel der größten Premier-League-Stars gegeneinander eine gute Idee ist.

Eine echte Rivalität zwischen dem Norden und dem Süden gibt es nicht

Die Liste der Argumente dagegen ist lang: der englische Spielplan ist eh schon zu voll mit den Spielen der Premier League, von Champions League, Europa League und Conference League und der beiden Pokalwettbewerbe (FA-Cup und Ligapokal). Durch die WM in Katar mitten in der Saison wird der Termindruck noch verschärft. Keiner der Spieler würde ein All-Star-Game ernst nehmen. Eine echte Rivalität zwischen dem fußballerischen Norden und dem Süden gibt es nicht. Eher stehen sich die Vereine aus den verschiedenen Regionen untereinander feindselig gegenüber, Beispiele sind die Erzrivalen Manchester United und FC Liverpool im Norden und der FC Arsenal und Tottenham Hotspur in London, also im Süden. Ein All-Star-Game wäre ein Zirkusveranstaltung ohne sportlichen Wert.

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Die Idee hat keine Chance, doch es wäre falsch, Boehlys Vorschlag als gedanklichen Unsinn eines US-amerikanischen Hyperkapitalisten abzutun, der keine Ahnung vom englischen Fußball hat. Denn Tatsache ist, dass US-amerikanische Hyperkapitalisten mittlerweile über erheblichen Einfluss im englischen Fußball verfügen. Unter anderem auch der FC Arsenal, Manchester United und Liverpool haben Besitzer aus den Vereinigten Staaten. Im dortigen Sport herrschen andere Vorstellungen über den Zweck des Spiels. Einnahmen und Entertainment sind wichtiger als Wettbewerb. Der Sinn von Auf- und Abstieg erschließt sich Eigentümern aus den USA nicht. Der Sport soll ein Event sein, ähnlich wie ein Besuch im Freizeitpark.

Super League bleibt konstantes Drohszenario

Es ist kein Zufall, dass die Eigentümer von Arsenal, Manchester United und Liverpool eine Führungsrolle bei der versuchten Gründung der Super League im vergangenen Jahr hatten. Die Idee ist noch lange nicht vom Tisch, sie bleibt ein konstantes Drohszenario. Auch Chelsea-Besitzer Todd Boehly hat gerade erklärt, dass er ein solches Konzept nie ausschließen würde. Außerdem sprach er darüber, dass mehrere Vereine unter dem Dach einer Marke wie bei Red Bull oder Manchester City die Zukunft des Fußballs seien, und dass er die Absteiger aus der Premier League am liebsten in einem Mini-Turnier ermitteln würde.

Seine Idee mit dem All-Star-Game machte die meisten Schlagzeilen, aber fest steht, dass Klub-Besitzer wie Boehly noch viel weitreichendere Ideen haben, wie sie den Fußball verändern wollen.