26. März 2021 / 15:31 Uhr

Alles für's Grün: So kämpfen RB Leipzigs Greenkeeper um die wichtigen Halme

Alles für's Grün: So kämpfen RB Leipzigs Greenkeeper um die wichtigen Halme

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
RB Leipzigs Greenkeeper Mathias Eichner (1. v. l.) ist mit seinem Team (v.l. Chris Grünberg, Michael Höft und Paschal Ugenyi) für die Pflege des Rasens in der Red Bull Arena zuständig.
RB Leipzigs Greenkeeper Mathias Eichner (1. v. l.) ist mit seinem Team (v.l. Chris Grünberg, Michael Höft und Paschal Ugenyi) für die Pflege des Rasens in der Red Bull Arena zuständig. © Dirk Knofe
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Wasserdurchlässigkeit, Reibung, Energie: Das kling alles sehr nach Physik. Viel davon spielt eine große Rolle für die Rasenpflege in der Red Bull Arena. Greenkeeper Mathias Eichner erklärt, wie das Spielfeld am Matchday vorbereitet wird und welche Herausforderungen bei der täglichen Arbeit mit dem ganz besonderen Grün zu bewältigen sind.

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Leipzig. Was passiert eigentlich an einem Spieltag mit dem Rasen in der Red Bull Arena? Schließlich sollen RB Leipzigs Kicker auf dem Naturbelag in ihrem „Wohnzimmer“ mindestens aller 14 Tage Top-Leistungen abrufen. Damit das gelingt, muss viel Liebe in das Grün gesteckt werden. Zuständig dafür ist bei den Roten Bullen Greenkeeper Mathias Eichner. Er verrät, wie der Rasen ordentlich gepflegt wird, damit er zu jeder Begegnung auch die Kriterien erfüllt.

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Mähen, malen, stopfen: Das passiert am Spieltag

„Die Pflege am Spieltag selbst hängt davon ab, wann wir spielen. Wenn wir ein spätes Spiel haben, also wenn Anpfiff um 18.30 Uhr angesagt ist, bereiten wir den Platz noch am selben Tag vor“, erklärt Eichner. Und was wird da so üblicherweise gemacht? Der Rasen wird gemäht, die Linien werden nachgezogen und vor Anpfiff, also vor dem Aufwärmen der Mannschaften, wird nochmal gewässert, beschreibt der Greenkeeper den Prozess. „Nach dem Warm-Up gehen noch ein paar Jungs über den Rasen und machen die Stopfen zu, also diese kleinen ‚Divotsʻ, die Soden, die losgetreten werden.“

Spielen die Roten Bullen an einem Samstag bereits um 15.30 Uhr, passiert fast alles davon am Vortag. „Am Spieltag wird normalerweise nur noch kontrolliert, ob alles in Ordnung ist. Wenn noch etwas nachjustiert werden muss, kann man dann noch eingreifen.“ Da auch um ein Spiel herum viel Trubel entstehe, habe sich die Strategie, das Spielfeld am Tag vorher vorzubereiten, bewährt. In den seltensten Fällen müssen die RB-Greenkeeper dann am Spieltag nochmal ran. „Das kommt auch auf das Wetter an, wie zuletzt als es geschneit hat oder bei starkem Regen.“

Witterungsverhältnisse nehmen generell sehr viel Einfluss auf die Abläufe um das Spielfeld herum, betont der Greenkeeper. „Wenn es sehr trocken ist, wird noch mal gewässert. Wenn es sehr kalt ist und sehr hohe Luftfeuchtigkeit herrscht, muss das nicht unbedingt sein.“ Denn: „Wenn die Halme ein bisschen nass sind, läuft der Ball ein bisschen schneller.“

Die Pflege des Grüns ist indes eine ganz eigene Wissenschaft: Feuchtigkeit, Energie, Reibung, Schnelligkeit. „Auch die Platzhärte spielt eine Rolle. Ob härter oder weicher, wenn es beispielsweise viel geregnet hat, spielt sich nicht nur der Ball anders, sondern man läuft auch anders. Der Boden ist schwerer, wenn er nass ist, weil er eben eine andere Konsistenz hat. Schließlich ist es ein Naturprodukt.“

Regenwurm-Aufgaben

Dem Wetter kann man oft entgegenwirken, beispielsweise bei Minusgraden. Dann springt die Rasenheizung in der Red Bull Arena an, damit die feinen Halme nicht abfrieren. Wenn es viel geregnet hat, ist es nicht ganz so einfach. „Man muss im Vorfeld viel gemacht haben, idealerweise im Sommer davor. Der Boden hat eine gewisse Wasserdurchlässigkeit. Die muss gegeben sein und wird auch geprüft. Man kann sie mit Bodenbearbeitungsgeräten optimieren. In der Natur macht das der Regenwurm, wir machen es mit Hilfsmitteln.“

RB Leipzigs Rasen ist preisgekrönt, erhielt in den vergangenen Jahren einmal den „Pitch-of-the-Year“-Award. Seit dem Bundesliga-Aufstieg gehörte der Rasen der Messestädter stets zu den fünf besten im deutschen Fußball-Oberhaus. In der vergangenen Saison schaffte es das Arbeitsergebnis der RB-Greenkeeper sogar auf den Silberrang, wohlgemerkt vor dem großen FC Bayern München. Dafür sind einige Kriterien zu erfüllen, wie Eichner erklärt: „Die Scherfestigkeit, die Wasserdurchlässigkeit, die Nabendichte und die Ebenmäßigkeit werden viermal im Jahr überprüft und die Daten an die DFL übermittelt. Man kann dann auch entsprechend die Pflege nach den Bedürfnissen des Rasens ausrichten.“

Kein Rasen-Wechsel in diesem Sommer

Auch für diese Saison stehen die Chancen auf eine Auszeichnung nicht schlecht. Der Grund: Trotz zahlreicher Englischer Wochen und teilweise enger Spieltaktung hat der Rasen ein bisschen weniger Belastung erfahren als in den Jahren zuvor. Durch die Corona-Pandemie fielen mehrere Konzerte aus, die in der Red Bull Arena hätten stattfinden sollen. Solche Veranstaltungen beanspruchen den Rasen ganz besonders, erklärt der Greenkeeper. „Unter den Platten, die zum Abdecken des Spielfeldes benutzt werden, gehen die Gräser kaputt. Die Platzqualität leidet extrem. Wenn man das nicht hat, kann man versuchen, den Platz zu erhalten. Er kommt auch irgendwann an seine Grenzen, weil sich Fehlgräser bilden, die beispielsweise nicht die entsprechende Scherfestigkeit haben. Nach zwei Jahren spätestens sollte man ihn vielleicht doch austauschen.“

Im kommenden Sommer wäre das bei RB noch nicht nötig, sagt Eichner. „Es könnte aber sein, dass der Rasen dann im Oktober oder November nachlässt und dass wir ihn dann vielleicht auswechseln. Wir sind aber guter Dinge, dass das nicht passieren muss. Trotzdem kann es sein, dass das Wetter nicht ganz mitspielt. Wenn wir im Sommer sehr hohe Temperaturen haben, könnte er dadurch auch kaputt gehen.“

Besonders herausfordernd bei der Pflege seien übrigens die Länderspiele der Deutschen Nationalmannschaft im November gewesen. Neben den Partien absolvierte die Elf von Bundestrainer Jogi Löw auch ihre Trainingseinheiten im Stadion. Zudem forderten die Minusgrade in den vergangenen Monaten einen intensiveren Einsatz als gewöhnlich. Das Greenkeeper-Team habe es aber geschafft, die Qualität hoch zu halten. „Das haben die Jungs wirklich gut hinbekommen. Da ist viel Power dabei.“