30. März 2022 / 07:37 Uhr

Alles oder nichts: RB Leipzigs Hammer-April verzeiht keine Ausrutscher

Alles oder nichts: RB Leipzigs Hammer-April verzeiht keine Ausrutscher

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Domenico Tedesco und seine können in drei Wettbewerben Großes leisten, aber auch viel verlieren.
Domenico Tedesco und seine können in drei Wettbewerben Großes leisten, aber auch viel verlieren. © Getty Images (Montage)
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RB Leipzig kann im April den Grundstein für die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte legen. Mindestens acht Partien und damit vier Englische Wochen in Serie hat der Bundesligist vor der Brust - in drei Wettbewerben. Das Problem für Coach Domenico Tedesco und die Seinen: Dieser ganz spezielle April duldet keine schwachen Momente. 

Leipzig. Der April gilt als launischer Monat. Das berühmte Aprilwetter – mal sonnig und frühlingshaft warm, mal trüb, nass und vor allem kalt – ist ein Grund dafür. Für RB Leipzig hat der vierte Monat des Jahres 2022 ebenso verschiedene Gesichter und, viel entscheidender, könnte auch in seinen möglichen Folgen kaum gegensätzlicher sein.

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Das Programm:

Da die Elf von Domenico Tedesco als einziges deutsches Team noch auf drei Hochzeiten tanzt, steht ihr in den kommenden Wochen ein wahrer Marathon bevor. Acht Spiele in 29 Tagen stehen im Plan, in der Bundesliga, im DFB-Pokal und in der Europa League. In Letzterer hat RB das Viertelfinale gegen Atalanta Bergamo vor der Brust. Gelingt das Weiterkommen, kommt mit dem Hinspiel im Halbfinale eine neunte Partie hinzu. Das sind vier Englische Wochen am Stück.

Das ist für RB drin:

Die Kicker um Kapitän Peter Gulacsi können im April den Grundstein für die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte legen. In der Bundesliga gilt es, den Champions-League-Platz zu verteidigen. Dessen Erreichen ist erstes Saisonziel. Im DFB-Pokal stehen die Leipziger im Halbfinale, wollen hier gegen Union Berlin zum dritten Mal den Sprung ins Endspiel schaffen. Die Runde der letzten Vier ist das Ziel in der Europa League. In beiden Pokalwettbewerben winkt der erste große Mannschaftstitel.

Die Ausgangslage:

Den wichtigen Tabellenplatz vier in der Bundesliga behauptet RB aktuell dank der besseren Tordifferenz bzw. eines Punktes mehr auf dem Konto vor dem SC Freiburg und der TSG Hoffenheim. Gegen Letztere kommt es am 10. April in der Red Bull Arena zum direkten Duell. Das Aufeinandertreffen mit den Breisgauern fand bereits statt und endete 1:1.

Beide Kontrahenten haben im Vergleich zur Tedesco-Elf schon rein quantitativ das deutlich einfachere Restprogramm. Während der SCF, der ebenfalls um den Einzug ins Pokalfinale kämpft, sechsmal ran muss, hat die TSG sogar lediglich fünf Partien auf dem Programm. RB stehen zudem vor allem Duelle gegen Teams aus dem oberen Tabellendrittel bevor (siehe Grafik). Positiv aus Sicht der Messestädter: Freiburg und Hoffenheim treffen am 32. Spieltag Ende April direkt aufeinander, nehmen sich so also gegenseitig die Punkte weg.

RB, Freiburg und Hoffenheim kämpfen um Champions-League-Platz vier. Das Pensum im April ist dabei für die Konkurrenten höchst unterschiedlich.
RB, Freiburg und Hoffenheim kämpfen um Champions-League-Platz vier. Das Pensum im April ist dabei für die Konkurrenten höchst unterschiedlich. © Frank Wolter

In der Europa League wartet mit Bergamo ein unbequemer Gegner. Die Italiener warfen zuletzt Bayer Leverkusen aus dem Wettbewerb. „Das ist eine stark organisierte Mannschaft, mit und gegen den Ball“, hatte Tedesco nach der Viertelfinal-Auslosung gesagt. Eine richtig richtig gute Mannschaft mit vielen geilen Spielern. Ich freue mich extrem darauf.“


„Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“, lautet das Motto in Sachen DFB-Pokal. Letzte Hürde auf dem Weg dorthin ist mit dem 1. FC Union ausgerechnet ein Hauptstadtverein. In der Liga hatte sich RB bei den Köpenickern ein 1:2 gefangen. Nach dem bescheidenen Auftritt Anfang Dezember musste Coach Jesse Marsch seinen Hut nehmen. Auf Leipziger Rasen freilich konnten die Eisernen noch nie gewinnen. Das muss auch so bleiben, wollen die Leipziger wirklich ein drittes Mal nach Berlin fahren.

Das muss passen:

Aufgrund der engen Spieltaktung bleibt kaum Gelegenheit für Inhalte. Was also bis jetzt nicht im nicht erarbeitet werden konnte, müssen Tedesco und seine Co-Trainer Andreas Hinkel und Max Urwantschky peu a peu zwischen Spielersatz- und Abschlusstraining und Rekreation einstreuen.

Viele Spiele in kurzer Zeit brauchen eine möglichst große Zahl fitter und hoch motivierter Profis. Nur so lässt sich die Belastung jedes Einzelnen steuern. Tedesco hatte zuletzt mehrfach hervorgehoben, wie dankbar er sei, beim Personal die Qual der Wahl zu haben. Doch erste Wermutstropfen gibt es bereits. Denn Yussuf Poulsen (Muskelverletzung Leiste) und Gulacsi (Adduktoren) kehrten angeschlagen aus der Länderspielpause zurück. Der Däne wird die Partie in Dortmund auf jeden Fall verpassen.

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Abseits dessen muss RB zurück zur Effizienz finden. Die hatte sich seit dem Trainerwechsel im Dezember deutlich verbessert (4,65 Schüsse pro Tor statt 7,92 zuvor unter Marsch). Doch beim 0:0 gegen Frankfurt war der Chancenwucher plötzlich zurück. Klarste Möglichkeiten wurden auf teilweise groteske Art vergeben. Für Tedesco nur ein Ausrutscher. „Wir haben in Berlin sechs Tore geschossen, haben in Fürth sechs Tore geschossen.“ Da darf man sich schon mal eine Nullnummer genehmigen.“

Was droht:

Der Hammer-April verzeiht keine Ausrutscher. Im schlimmsten Fall ist RB am Ende des Monats in der Europa League und dem DFB-Pokal ausgeschieden und hat in der Bundesliga bei dann nur noch zwei ausstehenden Partien (gegen Augsburg und in Bielefeld) den Anschluss an Platz vier verloren. Dann wäre es statt der erfolgreichsten womöglich die schlechteste Bundesliga-Saison der Clubgeschichte.