26. Juni 2020 / 17:55 Uhr

Alles oder Nichts: Trost und Zuversicht beim 1. FC Lokomotive Leipzig

Alles oder Nichts: Trost und Zuversicht beim 1. FC Lokomotive Leipzig

Anton Kämpf
Leipziger Volkszeitung
aCH1_9243
Die Lok-Elf muss im Relegations-Rückspiel mit jeder Aktion noch gefährlicher werden. © Christian Modla
Anzeige

Die Ausgangsposition für den 1. FC Lokomotive Leipzig ist nach dem 2:2 gegen den SC Verl nicht optimal – doch ein Sieg im Rückspiel reicht. Der Austragungsort in Westfalen ist nun klar. Wie am Freitagabend bekannt gegeben wurde, findet das zweite Relegationsspiel in Bielefeld statt.

Anzeige
Anzeige

Leipzig. Die Pressekonferenz vollendete das kurios furiose erste Finale der Aufstiegsrelegation zwischen dem 1. FC Lok Leipzig und dem SC Verl. Im VIP-Bereich, wo die PKs normalerweise im Beisein der zahlungsfreudigeren Lok-Fans stattfinden (auch ein Unikum), nahmen Lok-Coach Wolfgang Wolf und dessen 24 Jahre jüngerer Verler Kollege Guerino Capretti Platz, um die obligatorische Einschätzung zum verrückten 2:2 abzugeben. Die Medienvertreter mussten hygienebedingt von draußen ihre Köpfe durch die Fenster stecken und so ihre Fragen formulieren.

In den sonnegesengten Schädeln aller Beteiligten: der unerklärliche Aussetzer des Fabian Guderitz. Der 23-jährige Keeper wurschtelt, legt, flutscht sich den Ball ins eigene Tor. In der 89. Minute. Verhilft Verl zu zwei komfortablen Auswärtstoren. „Damit muss er leben, damit müssen wir leben“, hat sein 62-jähriger Chefcoach, der den Transfer im Winter einfädelte, schon Schlimmeres gesehen.

DURCHKLICKEN: Die Bilder zum Hinspiel in Leipzig

Der 1. FC Lok und der SC Verl trennen sich im Relegationshinspiel mit 2:2. Zur Galerie
Der 1. FC Lok und der SC Verl trennen sich im Relegationshinspiel mit 2:2. © Christian Modla

Und die Fußballwelt ganz andere Patzer. Guderitz gesellt sich zu namhaften Torwart-Kollegen, denen in Finals ebenfalls alle guten Geister verließen: Dem Titan Oliver Kahn flog die Kugel im WM-Finale 2002 aus den Händen und zu Ronaldo. Brasilien wird zum fünften Mal Weltmeister. Lorius Karius doppelter Aussetzer im Champions League Finale 2018 gegen Real Madrid kostete Liverpool den Königsklassen-Titel.

Damit Guderitz’ Sekundenschlaf Lok Leipzig nicht den Aufstieg und damit womöglich die Profi-Existenz kostet, müssen die Probstheidaer am kommenden Dienstag in der Schüco-Arena in Bielefeld (16 Uhr, MDR, MagentaTV) gewinnen oder mindestens 3:3 spielen. Und ihren Schlussmann aufbauen.

DURCHKLICKEN: Die Lok-Elf in der Einzelkritik

Fabian Guderitz: Die neue Nummer 1 hält lange souverän und unaufgeregt, dann passiert ihm der Riesenpatzer zum 2:2-Ausgleich. Note: 3. Zur Galerie
Fabian Guderitz: Die neue Nummer 1 hält lange souverän und unaufgeregt, dann passiert ihm der Riesenpatzer zum 2:2-Ausgleich. Note: 3. ©

So wie Robert Zickert. Ohne zu Zögern tröstete der Capitano seinen Schlussmann ausgiebig. Matthias Steinborn hat eine andere Taktik. „Ich gebe ihm eine Nackenschelle und dann hat er es bis Dienstag vergessen“ verrät er dem MDR. Der 2:1-Torschütze hat gut Lachen, sein Jokertreffer aus 20 Metern war ein Strich wie mit Picassos Pinsel. Der Berliner möchte ebenso wenig Trübsal blasen wie Wolf. „Wir wollten ein Ergebnis, bei dem noch alles drin ist,“ bleibt der weiterhin als Lok-Coach ungeschlagene Pfälzer zuversichtlich.

Drittligareife Treffer

Ins Kabinett der Kuriositäten passt auch Djamal Zianes Bruno-Plache-Version des „Wembley-Tors“. Ob der knallharte Schuss des Mittelstürmers von der Unterkante der Latte vollständig hinter der Linie aufkam, ist ein Fall für Aktenzeichen xy...ungelöst. Oder für die Torlinientechnologie – diese gibt’s jedoch nur in Liga eins.

Mehr zu Lokomotive Leipzig

Beim Kaltstart nach fast viermonatiger Pause nervte die Lok-Elf die Gäste aus der RL West. Drittligareife Treffer, kaum Raum für Verler Entfaltung und fünf gelbe Karten sind die richtigen Mittel in Alles-Oder-Nichts-Spielen.

Sah auch Verl-Coach Capretti so. „Lok war sehr robust und konnte mit jeder Aktion gefährlich werden. Da musst du erstmal deinen Mann stehen“, lobt er Lok bei der einzigartigen Fenster-PK, warnt jedoch zugleich: „Vom Einsatz mache ich meiner Elf ein Kompliment. Fußballerisch können wir es besser.“

Am Samstag macht sich der Probstheida-Trott auf den Weg. Bis Dienstag möchte Wolf noch mit seinem neuen Trainer sprechen. Es geht um die Zukunft.