30. Mai 2020 / 07:31 Uhr

Allianz Arena feiert 15. Geburtstag: Das waren die dramatischsten Spiele im Münchner Stadion

Allianz Arena feiert 15. Geburtstag: Das waren die dramatischsten Spiele im Münchner Stadion

Udo Muras
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Allianz Arena in München wird am Samstag 15 Jahre alt. Der <b>SPORT</b>BUZZER blickt auf die dramatischsten Momente in der Geschichte des Stadions.
Die Allianz Arena in München wird am Samstag 15 Jahre alt. Der SPORTBUZZER blickt auf die dramatischsten Momente in der Geschichte des Stadions. © imago images/Montage
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Die Allianz Arena ist eine echte Institution - und das seit 15 Jahren. Am 30. Mai wurde das Stadion in München offiziell eröffnet. Der SPORTBUZZER blickt auf die dramatischsten Spiele in der Arena, die einst als "überdimensioniertes Luftkissenboot" verspottet wurde, zurück.

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Die Münchner Allianz Arena wird 15 Jahre jung. Der SPORTBUZZER erinnert an 15 dramatische Spiele, die dieses Stadion schon gesehen hat. Es ist die Heimat des FC Bayern München, logisch, aber auch 1860 München (bis April 2006 Miteigentümer, danach Untermieter) und die Nationalmannschaft spielten hier. 2006 fanden auch mehrere WM-Spiele im Schmuckkästchen im Münchner Stadtteil Fröttmaning statt.

Für den ehemaligen Bayern-Manager und -Präsidenten Uli Hoeneß ist das Stadion (am 30. Mai 2005 von 1860 München offiziell eröffnet) bis heute "eine Goldgrube" und "die Erfüllung eines Traumes", wie er im Gespräch mit dem "Münchner Merkur" und der "tz" sagte. Hoeneß war einer der Antreiber des Stadion-Baus: "Wir haben früher einige andere europäische Spitzenklubs um ihre Spielstätten beneidet: In Madrid, in Mailand, in Manchester – da hatten sie Fußballtempel. So etwas wollten wir auch", erinnert sich der heutige Ehrenpräsident. Nun blicke "der eine oder andere europäische Spitzenklub eher neidisch" auf die Bayern, die seit 2017 nach dem Absturz des Untermieters und Rivalen 1860 München in die Regionalliga Bayern, alleiniger Nutzer des Stadions sind.

Von der ersten Heimniederlage des FC Bayern über die Ausrutsch-Orgie im DFB-Pokal gegen Dortmund bis zum Finale dahoam – diese 15 Spiele in der Arena hatten es in sich!

4. März 2006: Kahn tobt nach erstem Gästesieg

2005/2006 waren die Bayern in ihr neues Stadion gezogen (zur Hinrunde mit einer Kapazität von 66.000 Zuschauern, in der Rückrunde 69.001 Plätzen - aktuell sind 75.021 Zuschauer möglich) und hatten die ersten elf Heimspiele gewonnen. Dann kam der HSV zum Spitzenspiel (Erster gegen Dritter) und machte die Bundesliga wieder etwas spannender. Ausgerechnet der Herzensklub von Bayern-Trainer Felix Magath sorgte für die erste Heimpleite an jenem schneereichen Tag. Guy Demels Führung (16.) mit einer verunglückten Flanke liefen die Bayern schon lange hinterher, Joker Mehmet Scholl schien die erste Niederlage mit seinem späten Ausgleich (83.) noch verhindern zu können. Doch dann schlich sich Nigel de Jong in vorletzter Minute bei einem Freistoß nach vorne und überwand Oliver Kahn per Kopf. Der Nationaltorwart bekam einen seiner gefürchteten Wutanfälle und machte die Mitspieler rund, weil sie mit dem einen Punkt nicht zufrieden gewesen waren.

26. Juni 2006: Podolski-Show gegen Schweden

Das WM-Achtelfinale gegen Schweden gilt als bestes Länderspiel der Klinsmann-Ära. Spannend war es auch, obwohl Lukas Podolski schon nach zwölf Minuten für eine 2:0-Führung gesorgt hatte. Als der Schwede Lucic dann noch vom Platz flog (37.), schien alles gelaufen. Aber die Skandinavier gaben nicht auf, Zlatan Ibrahimovic zwang Jens Lehmann zu einer Glanzparade, Philipp Lahm musste kurz vor der Linie retten. Dann bekamen die Schweden sogar einen Elfmeter, und erst als Hendrik Larsson den in bester Uli-Hoeneß-Manier übers Tor drosch, wagten die Fans aufzuatmen.

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5. Juli 2006: Zinedine Zidane schlägt Cristiano Ronaldo

Das WM-Habfinale zwischen Frankreich und Portugal hatte nicht viele Höhepunkte, und das Tor des Tages fiel durch einen Elfmeter. Aber spannend war es bis zuletzt. Der große Zinedine Zidane brachte die Franzosen nach 33 Minuten in Führung, nachdem Ricardo Carvalho Thierry Henry vors Schienbein getreten hatte – dummerweise im Strafraum. Nun lastete noch mehr Verantwortung auf Portugals Wunderknaben Cristiano Ronaldo. In der Schlussoffensive bot sich ihm eine Großchance, aber Fabien Barthez faustete seinen Kopfball übers Tor. Portugal hat mehr Chancen, Ecken und Ballbesitz, aber zum Schluss triumphiert Frankreich. So ist Fußball!

27. Februar 2008: Bayern-Dusel im Derby

Das einzige Pflichtspielderby der Münchner Klubs in der neuen Arena steigt im DFB-Pokal. Im Viertelfinale trotzt der Zweitligist dem Rekordmeister ein 0:0 ab – bis zur letzten Minute der Verlängerung. Auf beiden Seiten gab es je einen Platzverweis. Da schenkt Schiri Peter Gagelmann den Bayern einen Elfmeter nach einem Foul an Klose außerhalb des Strafraums. Die "Löwen" toben, auch Thorandt fliegt vom Platz. Franck Ribery behält die Nerven – 1:0! Das fühlte sich auch für den Sieger dramatisch schlecht an.

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5. Dezember 2008: Zwergenaufstand abgewehrt

2008 dominiert Sensationsaufsteiger TSG Hoffenheim die Bundesliga und reist als Tabellenführer am 15. Spieltag nach München. Die internationale Presse berichtet vom Zwergenaufstand im deutschen Fußball. Meister Bayern hat Mühe, ihn abzuwehren. In einem der besten Bundesliga-Spiele aller Zeiten gewinnen sie erst dank eines Treffers in der Nachspielzeit mit 2:1 – durch Luca Toni.

15. März 2011: Ende mit Schrecken gegen Inter

Aus Mailand waren die Bayern mit einem 1:0-Sieg gekommen, die Revanche gegen den Finalgegner 2010 schien zu gelingen. In München hieß es bis zur 63. Minute in der Addition beider Spiele gar 3:1, aber dann schlugen die Italiener zu: Wesley Snejder (63.) und Goran Pandev kurz vor Schluss (88.) schossen Bayern raus. Das Aus im Achtelfinale trägt zum baldigen Aus von Louis van Gaal wesentlich bei.

19. Mai 2012: Drama dahoam

Unangefochten an erster Stelle der Fußballdramen in der Allianz Arena steht das "Finale dahoam". Am 19. Mai 2012 genossen die Bayern gegen Chelsea London Heimvorteil, aber am Ende lachten die Gäste. Tragischer hat Bayern selten verloren. Hochüberlegen spielend, führten sie durch Müllers Kopfball (83.) endlich, doch Didier Drogba glich mit der einzigen Chelsea-Chance nach der einzigen Ecke der Engländer aus (88). In der Verlängerung vergab Robben einen Elfmeter, und im Elfmeterschießen versagten auch Ivica Olic und Bastian Schweinsteiger. So wurde es ein Tränenfinale.

"Finale dahoam": Das wurde aus den Spielern, die in der Startelf standen

Der SPORTBUZZER zeigt, was aus den Spielern wurde, die in der Startelf des „Finale dahoam“ standen. Zur Galerie
Der SPORTBUZZER zeigt, was aus den Spielern wurde, die in der Startelf des „Finale dahoam“ standen. ©

28. April 2015: Elfer-Rutschpartie

Das Pokalhalbfinale gegen Dortmund am 28. April 2015 ging in die Geschichte ein. Dass nach zwei Stunden kein Tor gefallen war, ging ja noch. Aber dass die Bayern auch keinen Elfmeter reinbekamen, das war ein Novum in der Klubgeschichte. Die Zuschauer wurden Zeugen einer Slapstick-Aufführung. Philipp Lahm und Xabi Alonso rutschten beide mit dem Standbein weg, die Bälle flogen übers Tor. Es sah wie eine Wiederholung aus. Synchronrutschen in München. "Was ist denn hier los? Guckt doch mal auf eure Schuhe vorher!", schrie ARD-Reporter Oliver Schmidt. Die Borussen verwandelten ihre ersten Schüsse. Dagegen scheiterte mit Mario Götze auch der dritte Münchner; immerhin traf er das Tor, aber Mitch Langerak konnte er nicht überwinden. Dortmunds Mats Hummels hatte die Entscheidung bereits auf dem Fuß, doch Manuel Neuer hielt. Dann schoss der Bayern-Keeper 2012 selbst – Latte. Borussia kam ohne Gegentor ins Finale und Bayern hatte den Spott.

2. Juni 2015: "Löwen"-Rettung in letzter Minute

In der Relegation um die Teilnahme an der 2. Liga 2015/2016 stand es schlecht für die "Löwen". Bei Holstein Kiel hatten sie 0:0 gespielt und das ersehnte Auswärtstor verpasst. Das glückte den Kielern in der Arena schon nach 16 Minuten durch Kazior. Erst nach 78 Minuten gelang Daniel Adlung der Ausgleich, aber noch war das zu wenig. Es lief schon die 90. Minute, als sich Kai Bülow in den "Löwen"-Herzen verewigte: Er stand richtig, als Valdet Ramas Schuss vom Pfosten abprallte, der Ball landete vor Bülows Füßen und dann im Tor der "Störche". Was für Pechvögel!

16. März 2016: Wende gegen Juventus

Aus Turin waren die Bayern mit einem 2:2 heimgekehrt, aber die "Alte Dame" lebte noch. Bis zur 73. Minute führten die Italiener im Achtelfinale mit 2:0, dann bliesen die Bayern noch mal zum Angriff. Entscheidend war die Einwechslung von Kingsley Coman (60. für Xabi Alonso). Lewandowski verkürzte und Müller glich in letzter Minute aus – Verlängerung. Thiago (108.) und Coman (110.), der schon das 2:2 vorbereitete, schossen die Münchner ins Viertelfinale.

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3. Mai 2016: Peps Hattrick

In der Ära Pep Guardiola dominierte Bayern die Liga wie nie, aber international war stets im Halbfinale gegen eine spanische Elf Schluss. Am knappsten war es beim dritten Mal – gegen Atlético Madrid. Bayern verlor das Hinspiel 0:1, das Xabi Alonso (31.) wettmachte. Atlético wankte, dann gab es Elfmeter. Doch Thomas Müller scheiterte an Oblak. Nach der Pause glich Griezman aus (51.), Robert Lewandowski 2:1 (74.) war wegen der Auswärtstorregelung zu wenig.

30. Mai 2017: "Löwen"-Fans drehen durch

In der Relegation gegen Jahn Regensburg spricht nach dem Hinspiel (1:1) alles für den Zweitligisten. Doch der TSV 1860 vergibt die Chance, zu Hause alles klarzumachen. Schon zur Pause steht es 0:2, und dabei bleibt es. Das eigentliche Drama ereignet sich auf den Rängen, von denen frustrierte "Löwen"-Fans Sitzschalen auf den Rasen warfen und für eine 15-minütige Unterbrechung sorgten. Es änderte nichts am Sturz in die Drittklassigkeit nach 24 Jahren.

Fliegende Sitze und Stangen, Pyros, Großaufgebot der Polizei, Spielunterbrechung: Beim Relegationsspiel des TSV 1860 gegen Jahn Regensburg zeigten sich die Sechzig-Anhänger von ihrer übelsten Seite. Die Bilder der Schande aus Fröttmaning.

So übel haben sich die 1860-Fans in der Relegation der 2. Bundesliga aufgeführt: Die Münchner wurden nun zu einem Geisterspiel verurteilt. Wir zeigen alle Bilder aus der Allianz-Arena. Zur Galerie
So übel haben sich die 1860-Fans in der Relegation der 2. Bundesliga aufgeführt: Die Münchner wurden nun zu einem Geisterspiel verurteilt. Wir zeigen alle Bilder aus der Allianz-Arena. ©

24. November 2018: Bayern-Schreck Lukebakio

Ein ganz normales Bundesliga-Spiel zwischen Meister und Aufsteiger nimmt in der Schlussviertelstunde Fahrt auf. Die Bayern führen mit 3:1 und haben noch immer kein Auge auf den Mann geworfen, der ihnen bereits ein Tor eingeschenkt hat. Da macht der schnelle Dodi Lukebakio eben so weiter und netzt noch zweimal ein (77., 93.). Damit ist er der erste Gästespieler in der Liga mit drei Toren in der Allianz Arena. Bei Bayern löst das peinliche 3:3 einen veritablen Hauskrach aus.

3. April 2019: Heidenheims Sternstunde

Im Viertelfinale des DFB-Pokals war der FC Bayern haushoher Favorit, denn es kam ja nur der kleine 1. FC Heidenheim. Doch der Zweitligist fühlte sich in der Arena sichtlich wohl und führte zur Halbzeit mit 2:1. Da Niklas Süle früh runterflog (15.), lagen die Gäste auch nominell vorn. Doch zehn Bayern zogen auf 4:2 davon und wähnten sich in Sicherheit, ehe Robert Glatzel ins Rampenlicht trat und binnen einer Minute auf 4:4 stellte. Nur ein Lewandowski-Elfmetertor (84.) bewahrte die Bayern vor dem Aus.

5. Februar 2020: Eigentorfestival im Pokal

Das Achtelfinale zwischen Bayern und Hoffenheim beginnt mit einem Eigentorfestival. Jérôme Boateng (8.) trifft für den Gast, der bedankt sich durch Benjamin Hübner (13.) auf gleiche Weise. Dann zieht Bayern bis zur 80. Minute auf 4:1 davon, Trainer Hansi Flick wechselt seine Torschützen Lewandowski (2) und Müller aus und bringt Reservisten. Plötzlich dreht die TSG auf und kommt durch den Doppelschlag von Munas Dabbur auf 4:3 heran. Bayerns Reservebank verfolgt die Schlussminuten vor Aufregung im Stehen – bis zum erlösenden Schlusspfiff.