14. März 2019 / 07:58 Uhr

Altstars Kreische und Seguin vor Ostklassiker Dynamo Dresden gegen Magdeburg einig: „Das ist ein Sechs-Punkte-Spiel“

Altstars Kreische und Seguin vor Ostklassiker Dynamo Dresden gegen Magdeburg einig: „Das ist ein Sechs-Punkte-Spiel“

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Hans-Jürgen Kreische (l.) bestritt 234 Oberliga-Spiele für Dynamo und 46 A-Länderspiele für die DDR. Wolfgang Seguin machte 380 Oberliga-Spiele für Magdeburg. Er gewann 1974 den Europapokal der Pokalsieger. 19 Länderspiele zieren seine Vita. Mit Kreische erkämpfte er Olympia-Bronze 1972 und nahm mit ihm auch an der WM 1974 teil.
Hans-Jürgen Kreische (l.) bestritt 234 Oberliga-Spiele für Dynamo und 46 A-Länderspiele für die DDR. Wolfgang Seguin machte 380 Oberliga-Spiele für Magdeburg. Er gewann 1974 den Europapokal der Pokalsieger. 19 Länderspiele zieren seine Vita. Mit Kreische erkämpfte er Olympia-Bronze 1972 und nahm mit ihm auch an der WM 1974 teil. © Fotos: Imago, Montage: A. Eylert
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„Hansi“ Kreische und „Paule“ Seguin haben großen Anteil daran, dass die Partie Dynamo Dresden gegen den 1. FC Magdeburg zum Klassiker wurde. Klar fiebern sie auch am Sonnabend mit ihren Clubs.

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Dresden/Magdeburg. Das Rudolf-Harbig-Stadion ist längst ausverkauft, die Fans fiebern dem alten Ostklassiker zwischen Dynamo Dresden und dem 1. FC Magdeburg entgegen. Wenn am Sonnabend um 13 Uhr die Schwarz-Gelben und die Blau-Weißen ihre Kräfte messen, dann schauen auch die Vereinsidole Hans-Jürgen Kreische (71) und Wolfgang Seguin (73) zu. Die beiden Ex-Auswahlspieler lieferten sich in den Siebzigern packende Duelle auf dem Rasen. „Hansi“ als auch „Paule“ waren zudem 1974 gemeinsam bei der WM am Ball und sind seither Freunde. Am Sonnabend drückt jeder aber seinem Heimatverein die Daumen.

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27.03.1976: SG Dynamo Dresden gewinnt 2:0 gegen den 1. FC Magdeburg. Die Gegengerade im Rudolf-Harbig-Stadion ist brechend voll.  Zur Galerie
27.03.1976: SG Dynamo Dresden gewinnt 2:0 gegen den 1. FC Magdeburg. Die Gegengerade im Rudolf-Harbig-Stadion ist brechend voll.  ©
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Früher haben sich Dynamo und der FCM um Titel gestritten, heute streiten sie in der Zweiten Liga um Punkte im Abstiegskampf. Wie fühlt sich das für Sie an?

Hans-Jürgen Kreische: „Das ist ein Zeichen dafür, wie weit man von dem entfernt ist, was da mal war. Beide Mannschaften waren in den DDR-Topteams, haben international gespielt und Magdeburg ist sogar ein Cup-Sieg gelungen, der uns aus verschiedenen Gründen versagt geblieben ist. Das zeigt allein schon, dass die Magdeburger mal eine sehr, sehr gute Mannschaft hatten.“

Wolfgang Seguin: „Das ist natürlich enttäuschend. Magdeburg hängt unten drin, Dresden ist auch nicht weit weg. Das kommende Spiel ist da ein ,Sechs-Punkte-Spiel’. Ich wäre mit einem Unentschieden zufrieden, ,Hansi’ wahrscheinlich nicht. Es ist natürlich schade, dass zwei solche Mannschaften gegen den Abstieg spielen, aber wir müssen es so hinnehmen.“

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Beide Teams haben in der Saison den Trainer schon gewechselt, Dynamo sogar zweimal. War das notwendig?

Kreische: „Die Situation in Magdeburg kann ich schwer einschätzen, kann nur das wiedergeben, was mir die Altinternationalen bei unserem Treffen der WM-Fahrer von 1974 in Dresden im Herbst erzählt haben: Die waren der Meinung, dass man das machen muss. Was sich in Dresden seit Jahresbeginn entwickelt oder auch nicht entwickelt hat, das zeigt ganz tief nach unten. Es wird noch schwer, die Klasse zu halten, aber ich bin optimistisch, dass wir es schaffen. Für mich war der Trainerwechsel aber notwendig.“ 

Seguin: „Am Anfang habe ich gedacht, es wäre in Magdeburg nicht nötig, doch es wurde unter Jens Härtel immer schwieriger. Dann kam Herr Oenning und hat etwas Schwung reingebracht, aber der ist seit zwei Spielen wieder verflogen. Ähnlich war es in Dresden. Aber es ist eigentlich normal, wenn man sechs Spiele nicht gewonnen hat, dass dann der Trainer wackelt. Man kann ja keine 15 Spieler rausschmeißen. Der Trainer ist immer der Schwachpunkt. Spielt die Mannschaft gut, ist der Trainer gut. Spielt sie schlecht, ist der Trainer schlecht. Das ist nun mal so, wird auch ewig so bleiben. Es ist schade so, denn eigentlich müssen es die Spieler richten, wenn sie auf dem Platz sind.“

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Markus Schubert beim Torwarttraining. Zur Galerie
Markus Schubert beim Torwarttraining. © Steffen Manig

Beide Teams schießen zu wenig Tore, sind von ihren Knipsern Koné und Beck abhängig. Lässt sich das in der laufenden Saison noch ändern?

Kreische: „Kurzfristig nicht, aber es sind auch andere gefordert, die sich Angriffsspieler nennen. Sie müssen auch torgefährlich werden und mal treffen. Man kann nicht alles Koné überlassen. Jetzt muss man selber mal Farbe bekennen, was riskieren und sich konzentrieren, wenn Chancen erspielt werden. Aber auch davon müssen viel mehr erarbeitet werden. Wenn du genügend Chancen hast, rutscht auch schnell mal ein Ball rein. Da gibt es Spieler mit Potenzial. Was mir etwas fehlt, ist die Kopfballstärke bei Standardsituationen – auch wenn Nikolaou jetzt mal ein Tor mit dem Kopf gemacht hat und Atik angeschossen wurde. Aus der zweiten Reihe muss auch mehr probiert werden.“

Seguin: „Ändern kann man da im Moment nicht viel. Man kann keine neuen Spieler holen, das ist ohnehin eine Geldfrage. Aber Tore darf ja nicht nur einer machen. Beck wird in Magdeburg noch etwas ausfallen – oder er spielt mit einer Maske. Aber auch Dresden muss damit klarkommen, wenn Koné angeschlagen ist. Da muss aus dem Mittelfeld mehr kommen. Dass Dynamo den Testroet nach Aue abgegeben hat, war sicher nicht glücklich. Aber es ist eben so, dass ein Spieler bei einem Trainer besser ankommt als bei einem anderen.“

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Wenn Sie früher als direkte Gegenspieler aufeinander getroffen sind, worauf mussten Sie beim anderen besonders achten?

Kreische: „Wolfgang war ein defensiver Mittelfeldspieler und damals wurde Mann gegen Mann gespielt. Wenn unsere Clubs gegeneinander gespielt haben, wurde er immer auf mich angesetzt. Er war athletisch stark. Wenn du selbst nicht richtig fit warst, dann hattest du es schwer gegen ihn. Aber grundsätzlich waren es faire Auseinandersetzungen im Zweikampf. Sicherlich ist da auch mal das eine oder andere Wort gefallen, denn wir waren im Spiel Gegner. Danach war das alles wieder vergessen, wir haben uns ja auch häufig in der Nationalmannschaft getroffen und dort zusammengespielt.  

Seguin: „,Hansi’ war sehr kopfballstark und spielintelligent. Heute sind wir Freunde, aber früher hat er immer gesagt: ,Seguin, hau endlich ab! Ich kann dich nicht mehr sehen!’ Ich war natürlich ein anderer Typ als er, vielleicht ausdauernder, habe anders gespielt als er, der auch sehr torgefährlich war. Wir haben in der Nationalmannschaft aber auch zusammengespielt, wenngleich er viel mehr Länderspiele als ich gemacht hat. Wir haben einen guten Draht, uns letztes Jahr in Dresden mit der WM-Mannschaft von 1974 getroffen. Das waren drei schöne Tage.“

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1.FC Magdeburg - SG Dynamo Dresden (2:2) Zur Galerie
1.FC Magdeburg - SG Dynamo Dresden (2:2) ©

Erinnern Sie sich noch besonders gern an eines der alten Duelle beider Clubs?

Kreische: „Wir haben mal zu Hause 3:1 gewonnen. Da war es sehr warm und mir sind zwei Tore gelungen. Das Datum weiß ich nicht mehr. (Es war der 28. August 1971. Vor 28 000 Zuschauern hatte zunächst Rainer Sachse das 1:0 für den Meister erzielt, ehe Seguin zum 1:1 ausglich. Kreische sicherte dann in der 62. und 71. Minute den Sieg./d. Red.). Ich habe aber auch mal in Magdeburg getroffen.“ 

Seguin: „Ich denke natürlich gern an das Pokalfinale 1978 in Berlin zurück, da hat Manfred Zapf für uns das 1:0 gemacht. ,Hansi’ war da nicht mehr dabei, aber wir haben davor natürlich heiße Duelle erlebt. Ich habe nicht so oft Tore gemacht, aber 1971 ist es mir in Dresden mal geglückt. 1974 haben wir kurz vor Weihnachten mal 3:0 gegen Dynamo gewonnen, da waren es sogar zwei Treffer. Und dann gab es in einem der Meisterjahre mal zu Hause ein 2:1 (7. Januar 1972/d. Red.). Wir führten 1:0, dann hat Axel Tyll ein spätes Eigentor geschossen. Ich habe dann aber noch einmal getroffen – mit links, was bei mir sehr selten vorkommt.“

👉🏻 Samstag geht es für unsere 🔵⚪️ Jungs zur SG Dynamo Dresden – wir blicken mit Euch auf den kommenden Gegner. Die...

Gepostet von 1. FC Magdeburg am Mittwoch, 13. März 2019

Was stimmt Sie optimistisch, dass Ihr Club am Saisonende drinbleibt?

Kreische: „Der Trainerwechsel. Vom Emotionalen her ist Cristian Fiel ein ganz anderer Typ. Er wird versuchen, die Mannschaft aufzupeitschen. Er wird Gas geben. Ich denke auch, dass sich die Truppe jetzt beweisen will. Das Potenzial müsste – auch wenn der eine oder andere noch verletzt fehlt – eigentlich ausreichen, um wenigstens die Klasse zu halten. Ein Duljevic bringt beispielsweise vom Dribbling, von der Technik her vieles mit. Das ist ein Spieler, der auch mal den Unterschied machen kann. Er kann Eins-gegen-eins-Situationen lösen, mal Überzahl schaffen. Es war mir unverständlich, warum dieser Mann so wenig Spielzeit bekommen hat.“

Seguin: „Wir können es noch aus eigener Kraft schaffen. Wir dürfen nicht gucken, wie spielen die anderen unter uns, wir müssen auf uns selbst schauen. Wenn wir unsere Punkte holen, können die hinter uns machen, was sie wollen – es würde ihnen nichts nützen. Optimistisch bin ich auch wegen unseres Publikums, wir haben wahnsinnig gute Fans, die die Mannschaft unterstützen. Aber wir dürfen nicht so ängstlich spielen wie zuletzt, denn dann wird es eng und wir spielen vielleicht in der Relegation gegen Halle, was keiner will.“

Wie verfolgen Sie das Ostderby?

Kreische: „Ich bin natürlich im Stadion.“ 

Seguin: „Ich bleibe zu Hause und schaue es mir im Fernsehen an.“

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