28. Januar 2021 / 12:46 Uhr

Nach Geburt ihrer Zwillinge: So schuftet DFB-Torhüterin Almuth Schult für ihr Profi-Comeback

Nach Geburt ihrer Zwillinge: So schuftet DFB-Torhüterin Almuth Schult für ihr Profi-Comeback

Frank Hellmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Das letzte Länderspiel bestritt Almuth Schult bei der Frauen-WM 2019, im April 2020 brachte sie Zwillinge zur Welt. Aktuell arbeitet die Nationaltorhüterin an ihrer Rückkehr auf die Fußballbühne.
Das letzte Länderspiel bestritt Almuth Schult bei der Frauen-WM 2019, im April 2020 brachte sie Zwillinge zur Welt. Aktuell arbeitet die Nationaltorhüterin an ihrer Rückkehr auf die Fußballbühne. © Sebastian Gollnow/dpa
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Im April 2020 wurde Almuth Schult Mutter von Zwillingen. Inzwischen arbeitet die Nationaltorhüterin hart für ihre Rückkehr in den Profifußball. Aktuell ist keine Mutter in der Frauen-Bundesliga aktiv. "Ich sehe mich schon ein bisschen als Wegbereiterin", erklärt Schult.

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Keine Mutter vergisst den Tag der Entbindung. Bei Almuth Schult begann der 22. April des vergangenen Jahres allerdings mit einem Sportprogramm für die Hochschwangere. „Ich bin direkt morgens in den Kraftraum: Kniebeugen, Kreuzheben mit 50 Kilo, Liege- und Unterarmstütz“, erzählte die Torfrau des VfL Wolfsburg in einer Medienrunde. Schon vor der Geburt von Zwillingen – einem Junge und einem Mädchen – stand das Vorhaben fest, sich auf den Platz zurückzukämpfen. Und neun Monate später zweifelt sie keine Sekunde. „Dafür spiele ich zu gerne Fußball. Ich will das schaffen.“

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Der erste Schritt ist inzwischen gemacht: Vergangene Woche stand die 29-Jährige nach 19 Monaten Pause erstmals im Testspiel gegen Eintracht Frankfurt (3:2) wieder zwischen den Pfosten. „Die letzten Prozent kommen erst mit den Spielen. Die nächste Stufe wäre das erste Pflichtspiel.“ Das letzte war mit dem deutschen Nationalteam beim bitteren WM-Aus im Viertelfinale gegen Schweden im Sommer 2019. Danach folgte eine Operation an der lädierten Schulter. Die größere Herausforderung sollte sein, wieder das alte Fitnesslevel zu erlangen, *denn: „Eine Schwangerschaft bringt den Körper komplett durcheinander.“ *

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Behutsam tastete sich Schult übers erste Joggen acht Wochen nach der Geburt langsam wieder ans Mannschaftstraining heran. Inzwischen hat sie sich in ihrem Haus in Lomitz, einem kleinen Dorf im Landkreis Lüchow-Dannenberg im Wendland, selbst Fitnessgeräte angeschafft, um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können. Jeder Tag muss zwischen den beiden Rollen neu verhandelt werden, zumal die Nächte weiterhin kurz sind.

Wegbereiterin Schult: Aktuell spielt keine Mutter in der Frauen-Bundesliga

Grundsätzlich sollte es ja selbstverständlich sein, dass eine Berufssportlerin nach der Geburt von Kindern wieder zurückkehren kann. Ist es aber im deutschen Frauenfußball ganz und gar nicht: Nationalstürmerin Celia Sasic beendete 2015 ihre Karriere, um sich danach der Familienplanung zu widmen. Lira Alushi kam nach ihrer Schwangerschaft im selben Jahr nicht zurück. „Ich sehe mich schon ein bisschen als Wegbereiterin“, sagt Schult, denn es sei doch schade, „dass wir diese talentierten Spielerinnen im besten Alter verloren haben“. Es gibt mit Martina Voss-Tecklenburg nur eine einzige Nationalspielerin, die den Spagat bewältigte – und das auch nur mit größter Mühe, 1994 nach der Geburt ihrer Tochter Dina. Auch aktuell ist in der Frauen-Bundesliga noch keine einzige Mutter am Ball.

Andere Länder sind da weiter. In Skandinavien gibt es Beispiele, bei den USA tobten nach den gewonnenen Weltmeisterschaften 2015 und 2019 kleine Kinder über den mit Konfetti bedeckten Rasen in Vancouver sowie Lyon. Der US-Verband kümmert sich fast rührend um seine Spielerinnen: Jeder Mutter wird bei Turnieren eine „Nanny“ bereitgestellt, die Kosten für Flug und Unterkunft werden übernommen.

Nationaltorhüterin möchte keinen Freifahrtschein

Ob das auch bei den DFB-Frauen mal zum Thema wird, weiß Schult noch nicht. Eine Einladung zum Dreierturnier mit Belgien und Niederlande (21. und 24. Februar) erwartet sie nicht. „So weit bin ich wirklich nicht. Vor der Nationalmannschaft muss man mit Leistung überzeugen. Ich möchte keinen Freifahrtschein oder eine Sondererlaubnis, auch wenn ich mir über Jahre einen Stand erarbeitet habe.“ In Wolfsburg stellt sich Schult dem Dreikampf mit Friederike Abt und der polnischen Nationaltorhüterin Katarzyna Kiedrzynek. Ob sie einen Stammplatz erhält, ist offen. Was Schult möchte, ist aber klar: „Ich will wieder spielen. Aber wenn ich es nicht sofort schaffe, werde ich es nicht als Niederlage sehen.“