14. Mai 2020 / 12:00 Uhr

Als Bielefeld Braunschweig abschoss: Martin Harnik erinnert sich an seinen schönsten 96-Moment

Als Bielefeld Braunschweig abschoss: Martin Harnik erinnert sich an seinen schönsten 96-Moment

Tobias Manzke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Martin Harniks schönster Moment bei 96: Der 32. Spieltag der Aufstiegssaison 2016/17.
Martin Harniks schönster Moment bei 96: Der 32. Spieltag der Aufstiegssaison 2016/17. © imago images
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Der Ball rollt (noch) nicht wieder - abgesehen vom Trainingsbetrieb. Corona sei Dank. Dafür bleibt Zeit, zurückzublicken auf frühere 96-Tage. Der SPORTBUZZER hat mit ehemaligen Profis unter anderem über ihren schönsten Moment bei den Roten gesprochen. Dieses Mal mit Martin Harnik über einen speziellen Spieltag vor exakt drei Jahren.

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Der Hammer kreiste über Hannover – und brachte 96 zurück in die Bundesliga …

Nach dem bitteren, aber gerechten, Abstieg aus dem Fußballoberhaus in der Saison 2015/16, hatte die folgende Saison nur ein Ziel: die sofortige Rückkehr in die 1. Liga. Martin Harnik hatte daran großen Anteil. Der Österreicher kam im Sommer 2016 nach Hannover und schoss 96 mit 17 Treffern in 30 Spielen zurück in die Bundesliga.

"Es ging so ab auf den Rängen"

Sein Markenzeichen damals: Der Hammerjubel. Nach jedem Treffer donnerte der Stürmer einen imaginären Hammer auf den Boden. Als Inspiration diente die Filmfigur Thor aus den Marvel-Actionfilmen.

Sein besonderer 96-Moment hat aber nichts mit einem Hammerschlag zu tun, ist nicht eines seiner zahlreichen Tore, sondern eine Partie, bei der er leer ausging. „Es ging so ab auf den Rängen, das war der Wahnsinn. Diese Stimmung, diese Konstellation“, sagt der Österreicher mit einem nicht zu überhörenden Schmunzeln in der Stimme.

In Bildern: Die Auf- und Abstiege von Hannover 96

Der Gang in die 2. Liga scheint für Hannover 96 in dieser Saison unvermeidbar. Es wäre der siebte Abstieg der Vereinsgeschichte. Oft ging es aber schnell wieder hoch. Das sind die Auf- und Abstiege der Roten seit Gründung der Bundesliga. Zur Galerie
Der Gang in die 2. Liga scheint für Hannover 96 in dieser Saison unvermeidbar. Es wäre der siebte Abstieg der Vereinsgeschichte. Oft ging es aber schnell wieder hoch. Das sind die Auf- und Abstiege der Roten seit Gründung der Bundesliga. ©

Bielefelder Schützenhilfe: Arminia schießt Braunschweig ab

Es war der vorletzte Spieltag der Zweitliga-Saison, der 14. Mai 2017. 96 traf als Tabellendritter zu Hause auf Spitzenreiter Stuttgart, der drei Punkte Vorsprung hatte. Zeitgleich spielten die mit Hannover punktgleichen Braunschweiger (wegen der besseren Tordifferenz Zweiter) in Bielefeld. „Ich wusste aus meiner Zeit vom VfB, dass da bei einigen der Aufstieg im Kopf schon klar war“, berichtet Harnik. „Dann sind wir kurz vor der Pause durch Felix Klaus in Führung gegangen und hatten mitbekommen, dass Bielefeld auch schon 2:0 gegen Braunschweig führte. Es sprach also viel für uns. Aber was dann in der zweiten Halbzeit im Stadion abging, war unfassbar.“

Bielefeld zerlegte Braunschweig mit 6:0, machte innerhalb von elf Minuten vier Tore. „Immer wieder hörten wir die Fans auf den Rängen ausrasten, dann wurde wenig später der Zwischenstand auf der Anzeigetafel eingeblendet. Ich dachte nur: Was ist denn los? Die gewinnen 6:0 gegen Braunschweig. Das war völlig verrückt.“

Martin Harnik: Seine Karriere in Bildern

Aus der A-Jugend seines Jugendvereins SC Vier- und Marschlande wechselte Martin Harnik 2006 in die zweite Mannschaft von Werder Bremen. Zur Galerie
Aus der A-Jugend seines Jugendvereins "SC Vier- und Marschlande" wechselte Martin Harnik 2006 in die zweite Mannschaft von Werder Bremen. ©

"Wir waren gefühlt eine Kneipentruppe"

Was nur nicht passieren durfte, war, dass 96 noch den Ausgleich kassierte. „Bei einer Ecke kurz vor Schluss hatte ich meinen Kumpel Daniel Ginczek als Gegenspieler. Ich habe ihm gesagt: Wenn wir das Ding jetzt über die Zeit bringen, steigen wir beide nächste Woche auf.“

So kam es dann auch. 96 reichte am letzten Spieltag in Sandhausen ein 1:1, um als Tabellenzweiter aufzusteigen, Braunschweig scheiterte als Tabellendritter später in der Relegation an Bundesligist VfL Wolfsburg. „Dieser vorletzte Spieltag war einfach die Krönung eines unfassbaren Jahres. Das war so eine besondere Saison, wir hatten einen unglaublichen Zusammenhalt und eine Menge Spaß im Team. Wir waren gefühlt wie eine Kneipentruppe – nur halt auf Bundesliganiveau“, sagt Harnik lachend.

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Keine Grüppchenbildung - Sané als Stimmungskanone

Das Erfolgsgeheimnis: Keine Grüppchenbildung. „Die lag fast bei null Prozent“, erinnert sich Harnik. Um sich bei Laune zu halten, überlegten sich die Profis auch immer wieder etwas Neues. Geburtstage wurden im Kabinentrakt zum Beispiel mit riesigen Konfettikanonen gefeiert, das Geburtstagskind abgeschossen.

„Wir hatten einfach ganz viele schöne Momente“, sagt Harnik. Größte Partykanone damals – und auch nicht anders zu erwarten: Salif Sané. „Er hat schon die meiste Action gemacht. In dem Aufstiegsjahr kam insgesamt viel witziges Material zusammen“, so Harnik.

Bilder: Sieben Jahrzehnte Fans von Hannover 96

Bilder aus sieben Jahrzehnten 96-Fans. Zur Galerie
Bilder aus sieben Jahrzehnten 96-Fans. ©

Harnik verfolgt seine alten Mitspieler noch

Nach der Rückkehr in die Bundesliga blieb Harnik noch eine weitere Saison bei 96 und schaffte mit Hannover überraschend sicher den Klassenerhalt. Harnik gehörte erneut zu den treffsichersten 96-Spielern, erzielte in 30 Partien neun Treffer. Nach der Saison wechselte der Österreicher dann zu Werder Bremen und anschließend auf Leihbasis weiter zum Hamburger SV, mit dem er jetzt um die Rückkehr in die Bundesliga kämpft. 

Seine alten Mitspieler hat er natürlich aber immer noch im Blick. „Natürlich schaue ich, was der eine oder andere aktuell macht. Viele sind ja in der ersten oder zweiten Bundesliga noch aktiv. Das kriege ich automatisch mit und verfolge die Wege auch“, so Harnik.

Sein Weg in Hannover war nach zwei extrem erfolgreichen Jahren beendet: Aufstieg und Klassenerhalt. Und dabei hat der Österreicher auch noch miterlebt, wie der ungeliebte Rivale ordentlich unter die Räder kam.