11. Mai 2016 / 18:09 Uhr

Als das Trikot von Felix Kroos fehlte

Als das Trikot von Felix Kroos fehlte

Ronny Müller
Märkische Allgemeine Zeitung
Detlef Schneeweiß (r.) spricht mit Trainer Andre Hofschneider.
Detlef Schneeweiß (r.) spricht mit Trainer Andre Hofschneider. © Imago
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2. Bundesliga: Der Ex-Falkenseer Detlef Schneeweiß wird bei Union Berlin als Zeugwart verabschiedet.

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Berlin. Detlef Schneeweiß bekommt immer noch feuchte Augen. Der Mannschaftsleiter des 1. FC Union Berlin erinnert sich nur ungern an den 1. Juni 2000. Damals verpasste Union im Relegationsrückspiel beim VfL Osnabrück den Aufstieg in die 2. Fußball-Bundesliga, verlor in einem dramatischen Elfmeterschießen mit 7:8. „Das war der traurigste Moment“, sagt Schneeweiß, der am Sonntag (15.30 Uhr) beim Spiel gegen den SC Freiburg in den Ruhestand verabschiedet wird. Ansonsten überwiege nach 17 Jahren Zeugwart aber das Positive, betont Schneeweiß. Sein persönliches Highlight ist das Pokal-Halbfinale 2001 gegen Borussia Mönchengladbach. Die Köpenicker setzten sich sensationell mit 4:2 im Elfmeterschießen durch. „Das blieb viel länger präsent als das Endspiel“, erzählt der 65-Jährige. Im Finale unterlag Union gegen Schalke 04  (0:2).

„Man reißt sich den Arsch auf und ist für alle da“

Seit dem 1. Juni 1999 hat Schneeweiß alle Höhen und Tiefen mit Union durchgemacht. „Er ist eine ganz besondere Persönlichkeit. Gute Seele trifft es ganz gut“, sagt Präsident Dirk Zingler. In vielen Vereinen haben die Zeugwarte Kultstatus. Das ist bei Union nicht anders. „Man reißt sich den Arsch auf und ist für alle da“, sagt Schneeweiß über seine Berufsgruppe.

* Heißer Draht zum Bürgeramt*

Wenn die Spieler den Rasen zu Spiel oder Training betreten, hat Schneeweiß schon ein paar Stunden gearbeitet. Trainings- und Spielkleidung bereitlegen, Formulare ausfüllen, Frühstück vorbereiten. Der Job ist vielfältig und geht weit über das Stadion hinaus. Schneeweiß kümmert sich etwa auch, wenn ein Profi umziehen will, einen neuen Ausweis braucht oder einen Kindergarten-Platz. „Wir brauchen einen heißen Draht zum Bürgeramt“, sagt Schneeweiß, der seinen Nachfolger Tobias Döge seit einigen Wochen einarbeitet.

Schneeweiß vermittelt auch die nötige Akribie. „Man muss mit Herz und Seele dabei sein.“ Für Auswärtsspiele gibt es eine A4-Seite mit Dingen, die in den Mannschaftsbus gehören. Und dennoch geht mal etwas schief. Schneeweiß erinnert sich an ein Regionalliga-Spiel in Münster. „Ich habe den Stollenkoffer vergessen. Es fiel erst auf, als einige Spieler längere Stollen haben wollten. Tom Persich hatte zum Glück noch welche dabei.“ Nicht mehr zu löten war ein Fehler im Februar 2016. Kurz vor dem Heimspiel gegen Karlsruhe fiel auf, dass das rote Trikot von Felix Kroos fehlt. „Wir haben es leider zu spät gemerkt“, erzählt Schneeweiß. Mittlerweile kann er darüber schmunzeln, auch wenn Union unüblicherweise in schwarzen Trikots antreten musste.

* Dringende Herz-OP verschoben*

Diese und viele andere Anekdoten wird Schneeweiß am Sonntag sicher noch einmal erzählen müssen. Etwa wie er als Mathematik-Lehrer zu diesem Job kam. Der Treptower, der schon immer Union-Fan war, lebte 20 Jahre in Falkensee, wo er sich für den Verein Blau-Gelb engagierte. Der Mathematik-Lehrer arbeitete in Wustermark. Als nach der Wende die Stundenzahl reduziert wurde, machte er sich mit einer Presse-Zustell-Agentur selbstständig. Im Frühjahr 1999 las er Unions Stellenanzeige in der Fußball-Woche. Da war klar: „Ich bewerbe mich.“ Schneeweiß setzte sich gegen 42 Mitbewerber durch. Seitdem lebt er für den Verein. 2012 verschob er sogar eine dringend notwendige Herz-OP auf die Zeit nach der Saison. Im Januar ernannte Union Schneeweiß zum Ehrenmitglied. Logisch, dass er künftig weiterhin bei jedem Heimspiel dabei ist. 

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