08. Oktober 2019 / 09:30 Uhr

Als Favorit in die Heim-EM: Stefan Hawranke aus Königs Wusterhausen will beim Goalball den Titel

Als Favorit in die Heim-EM: Stefan Hawranke aus Königs Wusterhausen will beim Goalball den Titel

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Stefan Hawranke (l.) vom SSV Königs Wusterhausen war auch im deutschen Goalball-Team bei den Paralympics in Rio.
Stefan Hawranke (l.) vom SSV Königs Wusterhausen war auch im deutschen Goalball-Team bei den Paralympics in Rio. © Oliver Kremer
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Gehör und Gefühl: Goalball ist die beliebteste paralympische Mannschaftssportart, Stefan Hawranke aus Königs Wusterhausen einer der besten Spieler Deutschlands – bei der Heim-EM will er den Titel holen.

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Für Stefan Hawranke schließt sich ein Kreis. „Bei der Heim-EM in München vor zehn Jahren haben wir nichts gebacken bekommen, wir sind Letzter geworden. Danach gab es einen Neustart“, erzählt der 34-Jährige, der am Dienstag (18.30 Uhr) mit der deutschen Nationalmannschaft gegen Spanien die Heim-EM in Rostock eröffnet. Hawranke war Teil dieses Neustarts – und dieses Mal stehen die Vorzeichen ganz anders als in München 2009. „Wenn wir uns von den neuen Umständen, dass wir Favorit sind und vor dem eigenen Publikum eine neue Drucksituation haben, nicht beeindrucken lassen, haben wir ein super Potenzial, Europameister zu werden“, sagt Hawranke.

Der Spieler des SSV Königs Wusterhausen ist so etwas wie ein Urgestein der deutschen Goalball-Szene. 2005 machte er sein Debüt im Nationalteam, seither stand er bei acht Europameisterschaften und vier Weltmeisterschaften auf dem Feld, dazu bei den Paralympics 2016 in Rio (6. Platz). Als amtierender Vize-Welt- und -Europameister reist das sechsköpfige deutsche Team in Bestform nach Rostock, wobei Hawranke zunächst wohl nicht zur Start-Drei gehören wird. „Meine Rolle ist es, Ruhe und Stabilität ins Team zu bringen. Mein Spitzname ist ,Defense-Minister’, meine erste Aufgabe ist es nicht, Tore zu machen, sondern in brenzligen Situationen, beispielsweise bei einer knappen Führung und wenn die jungen Spieler vielleicht etwas wackeln, Ruhe reinzubringen“, sagt Hawranke, der als Controller bei den Berliner Wasserbetrieben arbeitet. „Und wenn ich nicht gebraucht werde, umso besser, denn dann heißt es, dass die Start-Drei top drauf ist.“

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Verlassen muss er sich dabei vor allem auf sein Gehör. Seit seinem dritten Lebensjahr ist Hawranke fast vollständig erblindet, seine Sehkraft beträgt wegen des Stevens-Johnson-Syndroms noch zwei Prozent. Aufgewachsen ist er im sächsischen Zittau, später ging er an eine Blindenschule in Chemnitz. Mit 14 Jahren wechselte er ins Internat nach Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald). Schon früh zeigte sich sein sportliches Talent, er betrieb Leichtathletik, Schwimmen und Schach, wo er sogar an der Jugend-WM teilnahm. Und er entdeckte Goalball für sich.

„Zum einen ist es eine Teamsportart. Ich habe mich damals für Goalball und gegen Leichtathletik entschieden. Ich mag dieses Miteinander und das Ergänzen der Stärken auf dem Feld“, begründet Hawranke seine damalige Entscheidung für Goalball. Denn in dem 1,25 Kilogramm schweren Ball sind zwei Glöckchen, damit die Spieler den Ball hören können und dadurch wissen, wo er ist. „Das Schöne am Goalball ist außerdem, dass es eine der wenigen Sportarten ist, die extra für Menschen mit Sehbehinderung entwickelt wurde und nicht eine Abwandlung einer bestehenden Sportart ist“, sagt Hawranke. Kurz nach dem 2. Weltkrieg wurde die Sportart für Kriegsversehrte eingeführt.

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Orientierung auf dem 18 Meter langen und 9 Meter breiten Feld finden die Spieler durch die Linien, die leicht erhöht sind. „Die sind für die Grundorientierung. Ich denke nicht darüber nach, wo ich mich gerade befinde, sondern weiß es einfach. Wenn man nachts ins Bad geht, schaltet man ja auch nicht das Licht an“, zieht Hawranke den Vergleich.

In Königs Wusterhausen, einem Traditionsverein für Goalball, spielen auch Nicht-Sehbehinderte Spieler mit, sie bekommen dann – wie alle Spieler – einen Sichtschutz auf die Augen. „Man braucht natürlich ein gutes Gehör, das sollte man trainieren und entwickeln, um zu hören, was auf dem Feld passiert. Und genauso braucht man Schnellkraft und Beweglichkeit, um die Bälle abzuwehren und werfen“, sagt Hawranke, der in der Woche zehn bis 15 Stunden trainiert. Vor der EM in Rostock waren es noch ein paar Stunden mehr.

So funktioniert Goalball

Gespielt wird Goalball mit einem 1,25 kg schweren Hartgummiball, der mit zwei Glöckchen gefüllt ist. Ziel ist es, diesen ins Tor der gegnerischen Mannschaft zu werfen. Dabei muss er aber jeweils mindestens einmal in der eigenen Landezone (insgesamt sechs Meter breit) und einmal in der neutralen Zone (ebenfalls sechs Meter breit) den Boden berühren. Die Linien auf dem Boden stehen zur besseren Orientierung der Spieler leicht hervor und können dadurch ertastet werden. Das Spielfeld ist 18 Meter lang und neun Meter breit – die größe eines Volleyballfeldes. Die Tore reichen über die komplette Breite und sind 1,3 Meter hoch. Das Spielfeld ist in sechs drei Meter Breite Zonen unterteilt. Wird der Ball abgewehrt, muss der Ball innerhalb von zehn Sekunden über die Mittellinie geworfen werden. Die Spielzeit beträgt zweimal zehn Minuten.

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