12. Mai 2020 / 16:42 Uhr

Als Gunnar Kalkbrenner mit dem TV Jahn Duderstadt Zweitligist wurde

Als Gunnar Kalkbrenner mit dem TV Jahn Duderstadt Zweitligist wurde

Kathrin Lienig
Göttinger Tageblatt
Gunnar Kalkbrenner im Trikot des TV Jahn Duderstadt zu Regionalliga-Zeiten, als er sich gegen eric Hogreve, den heutigen Trainer des MTV Rosdorf (damals TG Münden), durchsetzt.
Gunnar Kalkbrenner im Trikot des TV Jahn Duderstadt zu Regionalliga-Zeiten, als er sich gegen eric Hogreve, den heutigen Trainer des MTV Rosdorf (damals TG Münden), durchsetzt. © Swen Pförtner
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„Meine schönsten Spiele“, heißt die Tageblatt-Serie, in der Sportler aus der Region von unvergesslichen Partien erzählen – so wie Gunnar Kalkbrenner vom TV Jahn Duderstadt, der mit den Eichsfeldern in die 2. Bundesliga aufstieg. Dieses Ereignis jährt sich am Mittwoch, 13. Mai, zum 25. Mal.

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Es gab Zeiten, da gehörte es im Eichsfeld zum guten Ton, regelmäßig in der Duderstädter Sporthalle „Auf der Klappe“ auf der Tribüne zu sitzen und beim Höhenflug der Handballer des TV Jahn Duderstadt dabei zu sein. Einer, der diesen von Beginn an mitgemacht hat, war Kreisläufer Gunnar Kalkbrenner. Wie aus der Pistole geschossen kommt seine Antwort auf die Frage nach der für ihn schönsten Partie seiner sportlichen Laufbahn: „Bei mir kann es nur das entscheidende dritte Spiel um den Aufstieg in die 2. Liga gegen Grambke Bremen sein.“

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Wer aufsteigen durfte, wurde zum Ende der Saison 1994/95 im Playoff-Modus entschieden. Nach Siegen gegen Bremervörde und den FSV Magdeburg gab es die entscheidende Best-of-three-Serie gegen die Hansestädter. Weil die Duderstädter in der regulären Saison besser abgeschnitten hatten als Bremen, hatten sie zunächst Heimrecht (27:26-Sieg), verloren dann in Bremen (19:25) und konnten im letzten Heimspiel am 13. Mai 1995 schließlich alles klar machen.

Halle bis auf den letzten Platz gefüllt

Vor den entscheidenden Spielen hatte sich der TV Jahn mit den beiden Bundesliga-Veteranen Wolfgang Winter und Peter Krebs verstärkt, hatte diese dann zum letzten Finalspiel aber wieder „ausgeladen“. „Das war eine Situation, in der du eigentlich nur verlieren konntest. Hätten wir sie spielen lassen und verloren, hätte es geheißen, sie haben den Spielern, die in der gesamten Saison dabei waren, den Platz weggenommen. Bei einem Verzicht auf die beiden und einer Niederlage hätten alle nur mit den Kopf geschüttelt und gefragt, warum wir sie draußen gelassen haben. Wir mussten also das Spiel gewinnen. Das war uns allen klar“, sagt Kalkbrenner, der nie in einem anderen Verein als beim TV Jahn Handball gespielt hat.

Der damals 28-Jährige kann sich noch genau an die Anspannung vor der Begegnung erinnern. „Das war kein Einlaufen, da hattest du das Gefühl, du fliegst da in die Halle rein.“ Bis auf den letzten Platz waren die Sitzplätze vergeben, oben standen die Zuschauer in Zweierreihen auf dem engen Gang, etwa 700 waren in der Halle. Weitere 300, die keine Tickets mehr ergattern konnten, schauten sich die Liveübertragung des Spiels im Forum der benachbarten Realschule an. „Bremen war kein Fallobst“, das wussten Kalkbrenner und seine Mannschaftskameraden schon vor der Finalserie. Beim 6:6 war das Spiel zum letzten Mal ausgeglichen, danach führte der TV Jahn durchgehend, baute den Vorsprung bis auf acht Tore (24:16/54.) aus und ließ sich in der Schlussphase dann noch feiern. 26:22 (11:9) gewann das Team von Spielertrainer Anders Eliasson schließlich gegen Grambke Bremen und es gab kein Halten mehr.

Von der B-Jugend an gemeinsam in einem Team

„Schon in der Halle wurde gefeiert und auf dem Parkplatz der Tennishalle nebenan war ein Zelt aufgebaut. Da ging es noch lange weiter“, erinnert sich Kalkbrenner, der in dem entscheidenden Spiel ein Tor erzielt hatte. Er gehörte mit Torhüter Martin Post, und den beiden Außenspielern Jens Heublein und Stefan Eckermann zu den vier Spielern, die schon in der B-Jugend mit dem TV Jahn Vize-Niedersachsenmeister geworden waren („Da haben sie uns im Finale gegen Anderten verschaukelt“). Danach waren es diese vier Spieler und Wolfgang Engelhardt, der in dieser Aufstiegssaison 1994/95 als Co-Trainer fungierte, die von der Bezirksliga bis in die zweite Bundesliga aufgestiegen sind.

Private Kontakte hatte Kalkbrenner später noch lange Zeit zum damaligen Grambke-Trainer Jürgen Carstens. „Wir waren auch mal zusammen in Kroatien im Urlaub und immer wenn er mich ärgern wollte, konnte ich ihm mit der Frage, wer denn damals das Aufstiegsspiel gewonnen habe, den Wind aus den Segeln nehmen.“ Die Genugtuung über den wichtigsten Sieg der Karriere des Kreisläufers hat also lange angehalten.

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Viele Spieler aus der Region im Jahn-Kader

So viel Regionallität, wie im Kader des Zweitliga-Aufsteigers TV Jahn Duderstadt in der Saison 1994/95 zu finden war, gibt es heute kaum mehr. Der schwedische Spielertrainer Anders Eliasson wurde während der Saison vom Rückraumakteur zum Spielertrainer, weil man sich Anfang 1995 von Trainer Steffen Kowalinski getrennt hatte. Eliasson zur Seite stand Routinier Wolfgang Engelhardt. Der Duderstädter hatte zum Ende der Vorsaison seine aktive Laufbahn beendet.

Duderstädter Eigengewächse waren auch Torhüter Martin Post, Allrounder Jens Heublein, Kreisläufer Gunnar Kalkbrenner, Linksaußen Stefan Eckermann, dessen jüngerer Bruder Lukas Eckermann. Ihre Wurzeln bei der HSG Katlenburg/Wachenhausen hatten Keeper Jens Krieter und Rechtsaußen Björn Breckerbohm. Ebenfalls aus dem Nachbarkreis (von der HSG Northeim) kam – der damals jüngste Spieler im Kader – Kevin Schiffer. Manuel Telle hat bei der HSG Herzberg/Hattorf Handball gespielt und brachte auch Fußball-Talent mit.

Aus Wittenberg mit Zwischenstation beim 1. SC Göttingen 05 war Maik Haase ins Eichsfeld gekommen, auch Chris Morariu hatte schon das 05-Trikot getragen. Thomas Brandes wechselte vom Liga-Konkurrenten Eintracht Hildesheim zum TV Jahn. Vom TuS Altwarmbüchen hatte es Jens Klingemann zum Studium nach Göttingen und zum Handball ins Eichsfeld verschlagen.

Auch außerhalb des Spielfeldes hatten die Duderstädter langjährige, verlässliche Unterstützer. Marcus Schaefer bewies immer wieder als Betreuer sein Organisationstalent. Mannschaftsarzt war und ist es auch noch heute Karl-Heinz Siemerkus, Physiotherapeut war Hilmar Gerlach. Abteilungsleiter war gerade Ekkehard Loest geworden. Karl Kayser, der viele der Duderstädter Spieler in der Jugend trainiert hatte, war Vorsitzender des Förderkreises.