27. Januar 2021 / 16:43 Uhr

Als Mama zurück im Tor: Wolfsburgs Schult denkt noch nicht ans Nationalteam

Als Mama zurück im Tor: Wolfsburgs Schult denkt noch nicht ans Nationalteam

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Wieder zurück im Kasten: VfL-Wolfsburg-Torhüterin Almuth Schult.
Wieder zurück im Kasten: VfL-Wolfsburg-Torhüterin Almuth Schult. © VfL Schmelter / dpa
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Bis zur ihrer Schulter-OP und ihrer Schwangerschaft war Almuth Schult die Nummer 1 beim VfL Wolfsburg und im deutschen Nationalteam. Jetzt ist die Torfrau wieder zurück - und ehrgeizig wie immer. Bevor sie an ein Comeback in der DFB-Auswahl denkt, stellt sie sich erst einmal dem Konkurrenzkampf im Verein.

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Almuth Schult vom Frauenfußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg ist wieder da - vergangene Woche feierte die 29-Jährige 273 Tage nach der Geburt ihrer Zwillinge beim 3:2-Testspiel-Erfolg gegen Eintracht Frankfurt ihr Comeback im Wolfsburger Tor. Nach der Partie sprach die Torfrau davon, dass es sich endlich wieder wie "Alltag" anfühle. Und der hat sich mittlerweile sehr verändert. "Meine Kinder sind nun neun Monate alt und sie halten uns gut auf Trab", so Schult, die am Tag der Entbindung morgens sogar noch ein kleines Krafttraining absolviert hatte.

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Der neue Alltag "ist lustig - und sehr aufgeweckt. Die zwei stellen die Bude auf den Kopf, ziehen sich jetzt schon überall hoch. Unsere Tochter ist kurz vorm Laufen und damit recht früh dran", verriet Schult. "Wir sind keine ängstlichen Eltern und lassen sie auch gerne einfach mal machen. Ich freue mich jetzt auf das Frühjahr, wenn hoffentlich beide laufen und die Welt noch einmal anders entdecken. Das Hause Schult hat sich aber schon um einiges verändert, auch im Aufbau und was die Sicherung angeht. Vor Kurzem hat meine Tochter einen Teller runtergeschmissen - weil man eben mal nicht schnell genug war", schmunzelte Schult.

Die Marktwerte der VfL-Fußballerinnen.

Analog zu den Marktwerten auf transfermarkt.de veröffentlicht soccerdonna.de seit Januar 2021 Marktwerte für den Frauenfußball. Zur Galerie
Analog zu den Marktwerten auf transfermarkt.de veröffentlicht soccerdonna.de seit Januar 2021 Marktwerte für den Frauenfußball. ©

Was noch nicht so klappt? "Ich würde mir wünschen, dass sie mal eine Nacht durchschlafen. Andere Zwillings-Eltern haben berichtet, dass sie nach vier Monaten durchschlafen konnten, wir sind da noch nicht so weit. Die ersten drei Monate bin ich teilweise rumgelaufen wie ein Zombie, da war an Leistungssport noch gar nicht zu denken, jetzt ist es aber schon besser und man macht es ja gerne. Ein Kinderlachen gleicht sehr viel aus und sie geben unheimlich viel zurück."

Sportlich stellt sich Schult nun beim VfL einem neuen Konkurrenzkampf, Trainer Stephan Lerch sagte bereits vor einigen Wochen, dass in der Wintervorbereitung alles auf null gesetzt werde und sich jede Torfrau zeigen dürfe. Schult spielte im ersten Testspiel gegen Frankfurt, Friederike Abt im zweiten - kommenden Freitag wird Katarzyna Kiedrzynek, die bisher die Nummer 1 war, ihre Minuten bekommen.


Drei ambitionierte Torhüterinnen - wie schätzt Schult ihre Chancen ein, im ersten Liga-Spiel des neuen Jahres gegen Turbine Potsdam (5. Februar, 19.15 Uhr) zwischen den Pfosten zu stehen? "Es ist schön, ein Spiel absolviert zu haben. Es war aber eben nur ein Testspiel, und die nächste Stufe ist dann wieder ein Pflichtspiel. Ich bin froh, wieder bei der Mannschaft zu sein und die letzten Prozent kommen mit der Routine", so Schult, die klar sagt: "Ich denke, dass ich einen vernünftigen Eindruck gemacht habe und möchte mich anbieten, in der Bundesliga wieder im Tor zu stehen." Ob sie das Level, welches sie vor Schulter-OP und Schwangerschaft hatte, wieder erreicht? Schult: "Ich bin super optimistisch. Ich habe seit Mitte Oktober keine Trainingseinheit mehr verpasst. Aber genau abschätzen kann ich das erst, wenn ich mehr Spiele gespielt habe. Ich möchte dieses Niveau wieder erreichen und weiß, was ich kann."

Ihr persönlicher Anspruch vor der Rückrunde? "Auf jeden Fall will ich wieder ins Tor, ich bin super ehrgeizig", so die 29-Jährige. "Ich bin im Fußball aktiv, um zu spielen. In meiner Karriere ist es immer so gewesen. Als ich 2011 in den Kader der Nationalmannschaft gekommen bin, war ich die letzte Spielerin, die in der 2. Liga tätig war und zu einem großen Turnier eingeladen wurde. Schon da hätte ich zu einem großen Verein wechseln können, aber ich wollte immer spielen und mir sicher sein, also bin ich nach Bad Neuenahr gegangen. Das stand bei mir immer im Vordergrund." Dass sie letztendlich bei einem Klub wie dem VfL gelandet ist, "ist super und glücklich. Auch wenn ich vorher schon Angebote vom VfL hatte, habe ich mich die Jahre zuvor noch nicht dafür entschieden, weil ich noch nicht das Gefühl hatte, ich bin reif dafür."

Irgendwann, so Schult, könne es darum durchaus eine Option sein, "woanders hinzugehen, falls es jetzt nicht mehr so laufen würde, dass ich die Nummer 1 bin. Ich spiele viel zu gerne Fußball. Und das nicht nur im Training." Aktuell, und das gilt wohl bis zum Ende ihrer Vertragslaufzeit 2022, sei das aber kein Thema

Die Nationalmannschaft ist für Schult noch kein Thema. "Meine Aufmerksamkeit gilt jetzt dem Verein und dass ich das nächste Bundesliga-Spiel mache, vorher braucht man nicht weiter zu denken oder zu greifen", so Schult, die findet: "Die Nationalmannschaft ist in meinem Kopf etwas, wo man vorher mit Leistung überzeugen muss. Heißt für mich: Ich muss meine Leistung hier bringen und möchte keinen Freifahrtsschein oder eine Sondererlaubnis, um dort hinzukommen. Selbst wenn ich mir über Jahre vielleicht einen Stand dort erarbeitet habe." Darum ginge es aber nicht. Die Nationalmannschaft "vertritt das Land und da sollen die Besten spielen". Der Kontakt zu Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg sei aber immer mal wieder da, jedoch nicht akut.

"Hoffen auf einen Stolperer der Bayern"

In der Liga müssen sich die Wolfsburgerinnen (31 Zähler) derzeit mit dem zweiten Platz hinter dem FC Bayern (36 Punkte) vergnügen. Der Vorsprung der Münchnerinnen "wurmt uns maßlos. Wir gewinnen jedes Jahr gerne die Meisterschaft und wollen jedes Spiel gewinnen." Der Punktverlust in Freiburg, so Schult, war "unnötig in der letzten Minute. Wir waren deutlich überlegen und hätten gewinnen müssen. Dann wären es jetzt nur drei Punkte, die wir im Rückspiel revidieren hätten können. Jetzt gestaltet sich die Ausgangssituation etwas anders." Aber: "Wir haben vor zwei Jahren auch schon mal einen Punktevorsprung verspielt."

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2019 verspielte der Titelverteidiger einen Vorsprung von stolzen sieben Punkten. Nachdem die Wolfsburgerinnen gegen Potsdam und Essen nur Unentschieden gespielt und das direkte Duell mit Verfolger Bayern 2:4 verloren hatten, waren die beiden besten Vereine im deutschen Frauenfußball nach dem 14. Spieltag plötzlich mit 35 Punkten gleichauf - lediglich das bessere Torverhältnis sprach da noch für die Wolfsburgerinnen. Am Ende der Saison stemmte die damalige Kapitänin Nilla Fischer aber wieder die Schale in die Luft, da die Bayern im weiteren Verlauf gegen Potsdam und Sand patzten und der VfL keine weiteren Punkte liegen ließ.

Nun hoffe man darauf, "dass die Bayern vor dem Spiel gegen uns noch einmal stolpern und wir dann wieder rankommen können. Wir werden alles dafür tun, wieder Meister zu werden." Man habe sich schon daran gewöhnt, "diesen Platz an der Sonne zu haben. Es ist ärgerlich und schade, aber man merkt jeden Tag im Training, dass die Mädels alles dafür tun, um wieder ganz oben zu stehen."