02. Oktober 2020 / 10:10 Uhr

Als Ossi hin, als Wessi zurück: Leipziger Coach Frank Engel erlebte die Deutsche Einheit in Südkorea

Als Ossi hin, als Wessi zurück: Leipziger Coach Frank Engel erlebte die Deutsche Einheit in Südkorea

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
DDR-Trainer Frank Engel coachte 1990 die Daewoo Royals in Südkorea. Dort erlebte er die Wiedervereinigung.
DDR-Trainer Frank Engel coachte 1990 die Daewoo Royals in Südkorea. Dort erlebte er die Wiedervereinigung. © Privat
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Frank Engel hatte so einige Stationen als Fußball-Trainer. Dabei trainierte er untere anderem spätere Größen wie Matthias Sammer, Ulf Kirsten und Thomas Doll. Am Tag der Wiedervereinigung war der gebürtige Leipziger in Busan, bei den Daewoo Royals, eine seiner exotischeren Trainerstationen. Im SPORTBUZZER erinnert er sich an den historischen Moment.

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Leipzig. Als am 3. Oktober 1990 ganz Deutschland die Wiedervereinigung feierte, stießen in Südkorea zwei Leipziger auf das Ereignis an, die auf ungewöhnlicher Mission in Asien weilten. Fußballtrainer Frank Engel war seit Januar 1990 als erster DDR-Trainer einer Profimannschaft bei den Daewoo Royals in Busan tätig.

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Alles war neu und anders

„Ich bekam einen Anruf vom Fußballverband, ob ich Interesse habe,“ erinnert sich Engel, der Trainer beim Spitzenreiter Chemie Böhlen war. Engel sagte zu und stürzte sich ins Abenteuer. Bei der Ankunft in Seoul wurde das Ehepaar Engel von mehr als 30 Journalisten, Fotografen und Fernsehteams erwartet. Der Andrang für den ersten ausländischen Vereinstrainer war riesig.

DURCHKLICKEN: Bilder aus der Karriere von Frank Engel

Juli 1993: Frank Engel (Deutschland, li.) und Giovanni Trapattoni (Italien) anlässlich der WM-Neuauflage von 1974 zwischen BRD und DDR in Steinach. Zur Galerie
Juli 1993: Frank Engel (Deutschland, li.) und Giovanni Trapattoni (Italien) anlässlich der WM-Neuauflage von 1974 zwischen BRD und DDR in Steinach. ©

Alles war neu und anders für den Ex-Nationaltrainer der DDR. „Ich hatte 46 Spieler, fünf Trainer, acht Ärzte und Physiotherapeuten“, erinnert sich Engel. Morgens 6:30 Uhr gab es 20 Läufe á 400 Meter. Die Kicker hatten eine gute Grundtechnik, waren gewandt, laufstark, aber taktisch schwach. Daran galt es zu feilen. Engel erreichte die Vizemeisterschaft.

Viel Aufregendes gab es in jener Zeit: Das erste Westauto war ein Daewoo Royal, eine Lizenzproduktion des Senators von Opel. Für einen DDR-Bürger ein Schmeckerchen mit Automatik, Klimaanlage, Lederausstattung. Das Essen in einem renommierten Restaurant, dass sich als Hund entpuppte, war nichts für „Mr. Enkel“, wie der Coach von den Koreanern genannt wurde. Es nur noch Geflügel.

Engel beerbte Hartwig bei Sachsen Leipzig

Wenn Daewoo gegen den Autokonzern Hyundai spielte, sahen bis zu 35.000 Menschen zu. Die Hyundai-Spiele hatten natürlich eine besondere Bedeutung, dort kam der Präsident immer zum Coach: „Mr. Enkel, you must win, if we win, Daewoo is the better car, if we lose, Hyundai is the better car.“

Dann kam der 3. Oktober 1990. Durch die achtstündige Zeitverschiebung konnte er die Einheitsfeier in Berlin live im TV verfolgen. „Meine Frau und ich lagen uns in den Armen und wir tranken ein Glas Sekt zum Frühstück. Dann riefen wir bei meinen Eltern in Leipzig an, die ebenfalls ergriffen waren – in Deutschland war es kurz nach Mitternacht“.

Am Abend waren die Engels anlässlich der Wiedervereinigung in das größte Hotel Busans eingeladen. Nach der Ansprache des Konsuls folgte ein festliches Abendessen, wo es zu Ehren der Engels auch Leipziger Allerlei gab und der Bundesadler aus Eis das Buffet schmückte. Später gab es die Reisepässe der BRD – ein ergreifender Moment. Lange blieb man nicht mehr in der Fremde, denn im November kam ein Anruf von Sachsen Leipzig, der dringend einen Nachfolger für den gefeuerten Jimmy Hartwig suchte. Engel nahm an und kehrte zu seinem Heimatverein zurück. Mehr Geschichten um Korea und das Trainerleben Engels finden sich in der Biografie „Ein Engel zwischen Himmel und Hölle“, das am 10. November erscheint.