25. Januar 2022 / 10:57 Uhr

Als sich der FC Bad Lausick dem 1. FC Lok Leipzig in den Weg stellte

Als sich der FC Bad Lausick dem 1. FC Lok Leipzig in den Weg stellte

Hans-Peter Weiske
Leipziger Volkszeitung
Zwischen dem FC Bad Lausick und dem 1. FC Lok geht es in der Saison 06/07 mitunter durchaus rustikal zu. 
Zwischen dem FC Bad Lausick und dem 1. FC Lok geht es in der Saison 06/07 mitunter durchaus rustikal zu.  © Bettina Finke
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Die Bezirksliga-Spielzeit 2006/07 hatte einiges zu bieten und lockte viele Fans an. Auch der FC Bad Lausick spielte eine Saison für die Geschichtsbücher.

Bad Lausick. Die Fußball-Saison 2006/07 gehört aus mehreren Gründen zu den interessantesten Bezirksliga-Spielzeiten. Zum einen weil es ein spannender Dreikampf um Titel und Aufstieg tobte. Zum zweiten gab es mit über hunderttausend Zuschauern einen nie wieder erreichten Spitzenwert. Und drittens blieb diese Serie auch wegen der meisten Trainerwechsel in Erinnerung.

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Zuschauerboom dank Lok

Das Wechselspiel begann bereits, bevor der Ball rollte. Der Bornaer SV, eben noch für den doch erteilten Aufstieg in die Landesliga gefeiert, stand über Nacht ohne Trainer da. Klaus Havenstein hatte sich Richtung SV Naunhof verabschiedet. Dort wiederum wurde dem in Bad Lausick verwurzelten Steffen Ziffert der Stuhl vor die Tür gesetzt, als Grund musste der nicht gelungene Klassenerhalt in der Landesliga herhalten.

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Beim FC gab es eine „halbe“ Neubesetzung. Sven Fischer hing die Töppen an den Nagel und assistierte Rene Vierig auf der Betreuerbank. Für den Zuschauerboom sorgte Neuling 1. FC Lok Leipzig. Was hatte der heutige Regionalligist in Liga 7 zu suchen? Der Grund lag in der Insolvenz des VfB Leipzig – die dazu führte, dass Lok praktisch als neuer Verein in der 3. Kreisklasse anfangen musste. Dort wurde man zwar Meister ohne Punktverlust, aber die Tippel-Tappel-Tour bis auf Landesebene hätte Jahre gedauert.

Also suchte man in Probstheida nach anderen Wegen und ging eine Fusion mit dem FC 1952 Torgau in Nordsachsen ein. Lok Leipzig wurde seinen Favoritenrolle in der Bezirksklasse vollauf gerecht und mit 79 Punkten bei 100:24 Toren (25-4-1) Aufsteiger in die Bezirksliga – und traf dort auf die Kurstädter. Die Bad Lausicker starteten mit zwei fulminanten Pokalsiegen in die Saison. Dem 7:1 in Brandis folgte ein 10:0 bei Lipsia Eutritzsch. Und dies, obwohl deren unvergessener Trainer Jürgen Brauße vorm Spiel eine „nicht unverletzliche“ Lausicker Abwehr ausgemacht zu haben glaubte.

Siegesserie reißt in Stötteritz

Die Punktspiele begannen für den FC ausgerecht beim Absteiger in Naunhof. Havensteins Truppe gewann vor 495 Zuschauern mit 3:1. Spiel zwei sah eine 3:4-Heimniederlage des FC gegen den ESV Delitzsch. Zeitgleich schaffte der SSV Stötteritz vor 1800 Zuschauern im Leipziger Stadtderby einen 3:2-Sieg gegen Lok. Diese drei Resultate waren für den Saisonverlauf typisch, von einem Durchmarsch der Lok konnte keine Rede sein.

Die Lausicker fanden sich nach einem 1:3 in Döbeln am anderen Ende der Tabelle wieder, erst ein 3:1 gegen die SG LVB konnte aufkeimende Sorgen glätten. Aber die nächste Enttäuschung folgte mit einem 0:2 in Beilrode. Nach fünf Spieltagen lag der FC mit drei Pünktchen und 8:13 Toren auf Platz 13. Es wurde Zeit aufzuwachen. Und der FC wachte auf! 3:2 hieß es gegen Zwenkau, gar 4:1 wurde bei Blau-Weiß Leipzig gewonnen. Dem 3:1 im Pokal-Achtelfinale bei der „kleinen“ Lok in Engelsdorf folgten Heimsiege gegen Rotation Leipzig (3:2) und gegen den SV Tresenwald (4:0).


Nach der Niederlage gegen den FC musste bei Blau-Weiß Trainer Ronald Werner gehen, ersetzt wurde er vom Tresenwalder Roman Müller. Lausicks Siegesserie endete am 10. Spieltag beim 1:2 in Stötteritz. In der Tabelle sah es, nachdem das Spitzenspiel Naunhof gegen Lok Leipzig vor 5000 Zuschauern im Zentralstadion 1:1 ausgegangen war, so aus: Überraschend lag Delitzsch (27 Punkte) vor Lok (26) und Naunhof (24.). Die Kurstädter sammelten beim 2:0 gegen Nordwest Leipzig die Punkte 16 bis 18 ein und schlugen in einem weiteren denkwürdigen Pokalspiel Torgau mit 3:2 nach Verlängerung.

Richtige Stimmung

Denkwürdig auch deshalb, weil Hartenfels natürlich darauf brannte gegen Lok Leipzig im Halbfinale oder Endspiel zu treffen – um dann zu zeigen, wer von den Fusionen mehr profitiert hatte. Ronald Werner fügte den Lausickern als Fortuna-Trainer mit einem 4:1 eine schwer erklärbare Niederlage zu. Nach dem 0:0-Pausenstand ging der FC sogar in Führung, dann aber regelrecht unter.

Imposante Kulisse: Das Pokalfinale spielen die Kurstädter in Grimma vor vollen Rängen.  
Imposante Kulisse: Das Pokalfinale spielen die Kurstädter in Grimma vor vollen Rängen.   © Bettina Finke

Ein 3:1 gegen Sermuth und ein völlig unerwartet deutliches 4:0 in Taucha sorgte vor dem Spiel gegen Lok Leipzig für die richtige Stimmung. Die gab es dann auch, als 1850 Zuschauer die Kurstadt in eine Art Ausnahmezustand versetzten. Ärgerlich war allenfalls, dass es in der zweiten Halbzeit fünf Minuten Unterbrechung gab, die zu sechs Minuten Nachspielzeit führte.

Genau da passierte es: Rene Heusel köpfte zum schmeichelhaften 1:0-Sieg der Gäste ein. Im Gegensatz zur Vorsaison gab es im Winter 06/07 kaum Spielabsagen, so dass die Rückrunde im Februar mit dem Spiel gegen den Spitzenreiter starten konnte. Das 3:1 der Gäste war nicht unverdient, allerdings fehlten beim FC acht Stammspieler, so dass selbst Keeper Kai Wünsche und auch Sven Fischer als Feldspieler auf dem Spielbericht standen.

Lage spitzt sich zu

Gut erholt startete die Truppe dann die nächste Erfolgsserie: 2:0 hieß es bei LVB, 5:0 wurde Beilrode geschlagen, dem Spielausfall in Zwenkau folgte ein begeisterndes 4:1 gegen Naunhof und ein 2:0 im Pokal-Halbfinale in Sermuth.

In der Tabelle spitzte sich die Lage an der Spitze weiter zu. Lok kam in Tresenwald nicht über ein 1:1 hinaus, Nordwest schlug Lok sogar mit 2:0, Delitzsch verlor bei Blau-Weiß mit 1:2. Die Tabelle sah jetzt Delitzsch (52) vor Naunhof (49) und Lok (46), die Kurstädter hatten auf Platz vier schon einen deutlichen Abstand (33).

Doch es wurden weiter Punkte gesammelt: 1:0 gewann Bad Lausick gegen Blau-Weiß und 2:0 bei Rotation Leipzig, dem 0:2 in Zwenkau folgte ein 1:1 gegen Döbeln und eine 1:3-Heimniederlage gegen Stötteritz. Dennoch wurde Rang vier eisern verteidigt – während sich das Spitzentrio weiter mit unerwarteten Resultaten übertraf.

Ende aller Titelträume

Lok schlug Naunhof zwar mit 3:0, verlor aber sein Heimspiel gegen Delitzsch mit 2:3, der ESV wiederum unterlag vor 520 (!) Zuschauern eine Woche später gegen Naunhof mit 3:4. Diese Niederlage war das Ende der Delitzscher Titelträume, ein Aufstieg wäre für den ESV ohnehin nie in Frage gekommen – da hatte Trainer Sven Roos durchaus recht, als er sagte: „Wir stehen monatelang an der Bezirksliga-Spitze, aber keinen im Rathaus interessiert es.“

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Zurück nach Bad Lausick: In den Spielen bei Nordwest (2:1) und gegen Absteiger Fortuna (5:1), wo Roland Werner auch schon wieder Geschichte war, hieß es Anlauf nehmen für das Pokalfinale gegen Lok Leipzig, welches zu Pfingsten 2007 in Grimma über die Bühne ging. Hier erzielte Lok weder in 90 noch 120 Minuten einen Treffer, behielt erst im Elfmeterschießen mit 4:2 die Oberhand.

Lok gewann in der Liga das letzte Nachholspiel mit 4:1 in Taucha, so dass nach 27 Spieltagen Lok, Delitzsch und Naunhof je 61 Punkte auf dem Konto hatten. Beim FC Bad Lausick war dafür die Luft raus. 1:3 wurde in Sermuth verloren, beim 0:0 gegen Taucha gab es ein Wiedersehen mit Steffen Ziffert.

Wünsche hält Spiel lange offen

Vor dem letzten Spieltag hatten Lok und Naunhof je 70 Punkte und die Kurstädter waren wieder das Zünglein an der Waage. Wie vor Jahresfrist, als ein 3:0 gegen Nordwest Leipzig Borna zum Meistertitel verhalf, hätte diesmal ein Punkt bei Lok die Naunhofer jubeln lassen. Warum diese gegen Blau-Weiß nur zu einem 3:3 kamen, war die Frage.

Eine Erklärung dürfte durchaus im Fakt liegen, dass die Lausicker vor der Rekordkulisse von 7738 Zuschauern nach 27 Minuten nicht nur 0:1 zurücklagen, sondern dass sie auch noch nur zehn Spieler auf dem Rasen hatten. Tino Kleinert sah die Rote Karte – obwohl nie geklärt wurde, ob er überhaupt der Übeltäter war. Es hätte eigentlich eher FC-Keeper Kai Wünsche treffen müssen. Er blieb drauf und wurde in seinem Abschiedsspiel zum selbst von den Lok-Fans gefeierten Spieler des Spiels, hielt die einseitige Partie mit tollen Paraden offen, am Ende stand ein 2:0-Erfolg der Lok.

Dessen Chef Steffen Kubald führte Lausicks Bank fünf Minuten vor dem Abpfiff aus dem Innenraum, da wie erwartet die Fans den Platz stürmten. Danach waren die Gäste noch zum Umtrunk eingeladen. Dies ging aber ziemlich daneben, da einfach nicht mehr genug Speis und Trank verfügbar war.

Endstand Bezirksliga 2006/07:

1. Lok Leipzig 73 Punkte / 90:15 Tore

2. SV Naunhof 71 / 100:37

3. ESV Delitzsch 70 / 87:38

4. FC Bad Lausick 48 / 61:46