14. Dezember 2021 / 09:31 Uhr

Wolfsburger Zeitreise in die Bundesliga (16): Vorm neuen Vertrag schippte Trainer Reimann Schnee im Stadion

Wolfsburger Zeitreise in die Bundesliga (16): Vorm neuen Vertrag schippte Trainer Reimann Schnee im Stadion

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Zeitreise pele
Trainer Willi Reimann schippte vor dem Spiel des VfL gegen Uerdigen und Pele Wollitz Schnee im VfL-Stadion. © Imago, Mafred Hensel
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Vor 25 Jahren begann das letzte Zweitliga-Jahr des VfL Wolfsburg. Den Weg zum Aufstieg begleiten wir in einer Serie Spieltag für Spieltag parallel zu denen der 25. Wolfsburger Bundesliga-Spielzeit, die ins Jubiläum mündet.

Das Jubiläum kommt! Egal, wie der VfL Wolfsburg abschneidet. Am Ende der Saison hat der VfL 25 Jahre Fußball-Bundesliga hinter sich! Am Stück. Das können von den aktuellen Bundesligisten nur wenige von sich behaupten. Nie abgestiegen aus dem Oberhaus sind neben Wolfsburg nur Leverkusen und München. 25 Jahre Bundesliga – bevor das Jubiläum kommt, nehmen wir Sie mit auf eine kleine Zeitreise. Spieltag für Spieltag. In die letzte Zweitliga-Saison.

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25 Jahre – in vielen Bereichen kein ganz großes Jubiläum. In der Bundesliga eher außergewöhnlich. Außergewöhnlich beständig. Denn nur elf Klubs von insgesamt 56 Bundesligisten seit 1963 haben mehr als 25 Spielzeiten am Stück im Oberhaus gespielt.

Der kleine VfL Wolfsburg. Lange war er die Nummer 5 im Norden gewesen – hinter Bremen, dem HSV, Braunschweig und Hannover. In der Oberliga gefürchtet, doch in der 2. Bundesliga war das Team vom Elsterweg nur sechs Jahre seiner Geschichte gewesen, in der Bundesliga waren die Wölfe überhaupt kein Begriff. Wolfsburg stand für Volkswagen. Punkt. Bis es mit Trainer Uwe Erkenbrecher, Manager Peter Pander sowie Funktionären wie Wolfgang Heitmann oder Manfred Aschenbrenner Visionen gab und 1992 erneut der Aufstieg in die 2. Liga gelang.

Ein einstelliger Platz war das Ziel des VfL für die Saison 1996/1997 gewesen. Eine vorsichtige und realistische Herangehensweise nach unruhigen 18 Monaten, in denen erst Gerd Roggensack den VfL ins Pokalfinale 1995 als Nachfolger von Eckhard Krautzun geführt hatte, mit dem es bis ins Viertelfinale gegangen war. Das Halbfinal-1:0 beim klassenhöheren 1. FC Köln durch ein Tor von Siggi Reich blieb das Highlight unter Roggensack. Zum Aufstieg führte er das Team, das lange einen Aufstiegsplatz bekleidet hatte, nicht mehr.

Roggensack war bereits im Oktober 1995 nach einem Heim-0:5 gegen Bochum von Ex-HSV-Profi Willi Reimann abgelöst worden. Eine auf dem Papier sehr namhafte Mannschaft konnte der knorrige Hanseate immerhin mit seiner stoischen Art voranbringen, sodass sie dann in der Rückrunde 95/96 bis zum Ende 14 Mal in Folge ungeschlagen blieb. Danach ging es in eine ganz besondere Saison.

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Der 16. Spieltag der Zweitliga-Saison 1996/97

Was zuvor so war: Etwas Unruhe beim VfL. Regionalligist Tennis Borussia Berlin hat Großes vor, es werden Kontakte zu Jens Keller kolportiert, Manndecker Jann Jensen bestätigt sogar ein konkretes Angebot. Die Vertragsverlängerungsgespräche mit Willi Reimann scheinen zu stocken, da gibt es am Tag vor dem Spiel doch noch die Nachricht: Reimann verlängert bis 1998, der Kontrakt ist gültig für die 1. und 2. Liga. 50 Freiwillige, unter ihnen auch Reimann und Manager Peter Pander, räumten am Tag vor dem Spiel den Platz im VfL-Stadion von einer hohen Schneedecke, damit es gegen Uerdingen angehen kann.


Das Spiel: Und plötzlich ist der große Sponsor weg. Jüngere Fans werden es nicht wissen, dass es die sogenannte Werkself eigentlich einst zweimal gab. Da war nämlich noch Bayer Uerdingen. Und dieser Klub hatte 476 Bundesliga-Partien absolviert, lag auf Platz 26 der ewigen Bundesligatabelle, als Wolfsburg in dieser noch gar nicht vorkam. Am 29. November 1996 war Zeitenwende. Uerdingen, inzwischen als KFC Uerdingen firmierend und nicht mehr massiv vom Bayer-Werk unterstützt, kam als Bundesliga-Absteiger bei nur drei Punkten Rückstand auf einen Aufstiegsplatz als Aufstiegsaspirant nach Wolfsburg. Es hatte mächtig geschneit, von der Regionalliga an abwärts waren alle Partien abgesagt worden. Am Elsterweg hatte sich erneut eine Schneedecke gebildet, aber es wurde gespielt vor 2500 Zuschauern bei unangenehmem Wetter. Uerdinger Fans kamen zur Pause, in Nikolaus-Kostümen standen sie in der Gästekurve. Wolfsburg verteilte nach drei sieglosen Spielen in Folge keine Geschenke, spielte auf dem schneebedeckten Boden schnörkellos und clever. Sven Ratke gewann im Mittelfeld viele Zweikämpfe, Holger Ballwanz hatte KFC-Lenker und Ex-VfL-Kapitän Claus-Dieter "Pele" Wollitz im Griff, Michael Spies dirigierte, Piotr Tyszkiewicz traf. Uerdingen um den heutigen Schalker Trainer Dimitrios Grammozis war damit gut bedient, der VfL kam auch nach Gelb-Rot für Roy Präger (65.) nicht in Gefahr. Kuriosum am Ende: Die beiden WAZ-Reporter Jürgen Braun und Matthias Soiné stoppten den Uerdinger Mannschaftsbus, der gerade abgefahren war, an einer Ampel. Der Busfahrer hatte Uerdingens Obmann vergessen, der am Stadion verzweifelt versucht hatte, jemanden im Bus ans Handy zu bekommen.

Die Statistik

VfL Wolfsburg - KFC Uerdingen 1:0 (0:0)
(29. Nov. 1996)

  • VfL: Zimmermann - Maucksch, Jensen, Tomcic - Kapetanovic (46. Meißner), Spies, Ballwanz, Ratke (71. Deering), Dammeier - Präger, Tyszkiewicz (67. Probst).
  • KFC: Bade - Peschke, Panadic, Rahner (46. Kühn) - Grammozis, Wedau (46. Thorup), Wollitz, Jüptner (78. Grauer), Straube - Nowotny, van Buskirk.
  • Schiedsrichter: Frey (Neu-Ulm). Zuschauende: 2500.
  • Tor: 1:0 (57.) Tyszkiewicz.
  • Gelbe Karten: Spies, Tomcic, Präger - Rahner. Gelb-Rot: Präger (65.).
  • WAZ-Spieler des Spiels: Ballwanz.

Tabelle nach dem 16. Spieltag der Zweitliga-Saison 1996/97
1. FC K'lautern.....31:9..33
2. Mainz 05...........29:20..27
3. VfL Wolfsburg..20:11..26
4. Hertha BSC.......24:16..25
5. Fortuna Köln.....30:20..24
6. St. Kickers....... 20:17..23
7. SV Meppen......20:18..23
8. VfB Leipzig.......28:27..23
9. Carl Z. Jena......22:21..22
10. Uerdingen........23:20..21
11. Unterhaching....12:12..21
12. Gütersloh.........17:22..21
13. E. Frankfurt......21:25..19
14. Mannheim........22:27..17
15. Zwickau............16:22..16
15. RW Essen........22:37..16
17. Lübeck...............11:26..13
18. Oldenburg........16:34..10

In einer AZ/WAZ-Serie zeichnen wir den Weg zum Aufstieg nach – gehen ihn Spieltag für Spieltag parallel zur neuen Bundesliga-Saison mit. Was 2021/22 am Ende stehen wird, wissen wir noch nicht, was 1997 am Ende der Saison stand, wissen alle Fans. Manche aber waren damals noch jung, manche noch gar nicht geboren.

Bei dieser Zeitreise können sie mitmachen. Schicken Sie uns gerne Mails, wenn Sie mögen auch Fotos (als Dateien, bitte keine Originale; an sport@waz-online.de), mit Ihren besonderen Erinnerungen an Partien, oder posten Sie sie am entsprechenden Spieltag in den dann erscheinenden Sportbuzzer-Beitrag bei Facebook.