16. April 2021 / 11:50 Uhr

Als Wilbert Olinde mit dem ASC 46 Göttingen Pokalsieger wurde: „Damals gab es nicht so viel Tamtam“

Als Wilbert Olinde mit dem ASC 46 Göttingen Pokalsieger wurde: „Damals gab es nicht so viel Tamtam“

Kathrin Lienig
Göttinger Tageblatt
Im Alba-Berlin-Trikot musste sich Wilbert Olinde Ende März die Auswärts-Niederlage seines Sohnes bei den Hamburg Towers anschauen.
Im Alba-Berlin-Trikot musste sich Wilbert Olinde Ende März die Auswärts-Niederlage seines Sohnes bei den Hamburg Towers anschauen. © imago-images
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Wilbert Olinde hat mit dem ASC 46 Göttingen 1984 und 1985 zwei Siege im Basketball-Pokal geholt, sein Sohn Louis war mit Bamberg auch zweimal erfolgreich – und könnte mit einem Berliner Gesamtsieg die Führung in der Familienwertung übernehmen. Dagegen hat der Halbfinalgegner BG Göttingen aber etwas.

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Kein Wunder, dass Wilbert Olinde nur gute Erinnerungen an den nationalen Pokalwettbewerb der Basketballer hat. Immerhin hat der heute 65-Jährige diesen Wettbewerb vor weit mehr als drei Jahrzehnten zweimal mit dem ASC 46 Göttingen gewonnen. Beim zweiten Sieg nahm er sogar bei der Siegerehrung den Pokal entgegen und wurde anschließend von den Fans, die der Mannschaft in mehreren Bussen nach Osnabrück gefolgt waren, auf Händen getragen.

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Bilder vom Heimspiel der BG Göttingen gegen Alba Berlin:

BG Göttingen - Alba Berlin, BBL 2020/21

BG Göttingen - Alba Berlin, BBL 2020/21 Zur Galerie
BG Göttingen - Alba Berlin, BBL 2020/21 © Pförtner

„Natürlich hatte der Pokal einen besonderen Stellenwert, es war immerhin ein Titel“, sagt Olinde heute rückblickend und fügt hinzu. „Allerdings wurde nicht so viel Tamtam darum gemacht wie heute.“ 1984 wurde der gebürtige Amerikaner mit den Königsblauen Sieger gegen Saturn Köln. Damals wurde das Hinspiel in der Domstadt knapp mit 75:76 verloren, das Rückspiel in der Godehardhalle ging mit 83:65 aber deutlich an die Gastgeber. Ein Jahr später gab es ein Finalturnier in Osnabrück, bei dem sich die Göttinger mit 85:72 gegen die BG Bayreuth im Endspiel durchsetzten. „Wir haben nie eine Parade durch die Fußgängerzone gemacht, weder bei den Meisterschaften noch bei den Pokalsiegen. Dabei hat das Göttinger Rathaus so einen schönen Balkon zum Winken“, erzählt der gut gelaunte Wilbert Olinde am Telefon. Er kann sich an Erzählungen erinnern, dass die Basketballerinnen des 1. SC Göttingen 05, die zwischen 1968 und 1974 fünfmal deutscher Meister wurden und 1973 den erstmals ausgespielten Pokal gewannen, sich diesen öffentlichen Auftritt in der Göttinger Innenstadt einmal gegönnt haben.

Solidarität mit dem Sohn

Wenn die BG Göttingen am Sonnabendabend gegen Alba Berlin antritt, steht auf Seiten des Titelverteidigers wahrscheinlich auch sein Sohn Louis im Kader. Dann verdrängt Wilbert Olinde alle Sentimentalitäten und gönnt „zu hundert Prozent“ den Hauptstädtern den Erfolg. Auch dieses Spiel wird er, wie fast alle anderen Liga- und Euroleague-Partien auch, nur am Fernseher verfolgen. „Als Louis in Bamberg 550 Kilometer von Hamburg entfernt gespielt hat, waren wir öfter dort als jetzt in Berlin, das gerade einmal zwei Stunden mit dem Zug entfernt ist“, erzählt der Vater. Einmal hat er die Berliner bislang live gesehen, bei ihrer Niederlage bei den Hamburg Towers. „Da hatte Louis meiner Frau und mir zwei Karten besorgt. Es gibt wohl ein ganz kleines Kontingent für die Gastmannschaft, das Alba nicht ausgeschöpft hatte. Wir waren da keine Glücksbringer.“

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Wilbert Olinde gibt zu, dass er „sehr stolz auf Louis“ ist. „Er ist Nationalspieler, spielt in der Euroleague und hat die Möglichkeit seiner Leidenschaft nachzugehen. Dafür investiert er aber auch viel Zeit und Energie in diesen Sport“, sagt der Vater über den 23-Jährigen, der sich sehr wohl in seiner neuen Heimat Berlin fühle. „Er hat zwar noch nicht viel von der Stadt sehen können, dafür aber schon viele Flughäfen in Europa“, spielt Wilbert Olinde auf die Euroleague-Reisen der Albatrosse an.

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Wenn es die Corona-Pandemie nicht gegeben hätte, hätte sich der in New Orleans geborene Amerikaner „bestimmt an diesem Wochenende in den Zug gesetzt, um nach München zu fahren“. 2017 war er in Berlin dabei, als sein Sohn mit Bamberg den FC Bayern 74:71 bezwang und den ersten Pokalsieg holte. 2019 folgte der Bamberger 83:82-Sieg in der heimischen Halle gegen Alba Berlin. „Wenn Louis sich jetzt mit Berlin zum dritten Mal den Pokal holt, überholt er mich in der Familienwertung“, sagt Wilbert Olinde lachend. Seine 2:1-Führung im Meisterschafts-Ranking würde er gerne behalten. „Da lege ich Wert drauf.“ So, wie er über seinen Sohn spricht, würde er ihm aber bestimmt auch hier jeden Erfolg gönnen.

Wer in Erinnerungen schwelgen möchte, kommt bei einem gut 90-minütigen Video vom Pokalsieg des ASC 46 Göttingen gegen Bayreuth 1985 voll auf seine Kosten:

Tipoff der Partie BG Göttingen gegen Alba Berlin ist am Sonnabend um 19.30 Uhr in München.

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