03. Januar 2019 / 16:47 Uhr

Alt Ruppin-Kicker Alex Wolff gibt noch nicht auf

Alt Ruppin-Kicker Alex Wolff gibt noch nicht auf

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Vor ein paar Monaten freute sich Alex Wolff auf das Abenteuer Landesklasse. Bislang blieb ihm aber ein Einsatz verwehrt.
Vor ein paar Monaten freute sich Alex Wolff auf das Abenteuer Landesklasse. Bislang blieb ihm aber ein Einsatz verwehrt. © Marius Böttcher
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Landesklasse West: Der Mann mit der Nummer 25 will mit Hilfe einer Knorpeltransplantation auf den Fußballplatz zurück.

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Auf die Frage, ob Alex Wolff ein sportliches Vorbild besitzt, antwortet er blitzschnell: „Ja, den weißen Brasilianer.“ Als solcher wurde Bernd Schneider, gebürtiger Jenenser und ehemaliger deutscher Nationalspieler, wegen seiner starken Technik stets bezeichnet. Das Spiel lenken, die Mannschaft führen, seine Nebenleute in Schussposition bringen und hin und wieder selbst einen Treffer erzielen – was Leverkusen-Legende „Schnix“ jahrelang in der deutschen Eliteliga und im DFB-Trikot machte, gelingt Alex Wolff ein paar Etagen tiefer auch. Nach dem Aufstieg im vergangenen Sommer mit seinem SV Eintracht Alt Ruppin sogar in der Landesklasse. Eigentlich.

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Denn seine bislang letzte Partie absolvierte der 27-Jährige zum Saisonabschluss der Kreisoberliga-Spielzeit 2017/18, als sich die Eintracht am 17. Juni 2018 torlos vom Zernitzer SV trennte und die Alt Ruppiner Meisterschaft längst unter Dach und Fach war. Was auf der anschließenden Mallorca-Fahrt, wo der Triumph drei Tage unter der spanischen Sonne zelebriert wurde, passierte, war schlichtweg Slapstick. „Wir haben ganz locker am Strand geknödelt, nichts Besonderes“, erzählt Wolff, der ein Jahr bei Union Neuruppin und danach bei der Eintracht unter Papa Axel das Fußball-Abc erlernte. Am nächsten Morgen klagte aber nicht nur der Kopf, sondern auch das ohnehin vorbelastete Knie: „Ich hatte zwar Schmerzen, dachte mir aber nichts Schlimmes dabei. Zurück in der Heimat habe ich dann doch einen Arzt aufgesucht.“

Am vorletzten Spieltag siegten die Kraatz-Schützlinge mit 4:1 gegen Walsleben. Danach begann der Party-Marathon.


Nach dem 4:1-Erfolg im letzten Heimspiel gegen Walsleben verwandelte Eintracht das Waldstadion in ein Tollhaus. Zur Galerie
Nach dem 4:1-Erfolg im letzten Heimspiel gegen Walsleben verwandelte Eintracht das Waldstadion in ein Tollhaus. ©

Die Diagnose Knorpelschaden war für den einstigen Brandenburgliga-Kicker, der seit den E-Junioren beim MSV Neuruppin gegen das runde Leder trat und unter Jens Reckmann und Dietmar Bletsch fünf Jahre in der höchsten Spielklasse des Landes aktiv war, wie ein Schlag ins Gesicht. „Ich hatte gehofft, dass ich vom erneuten Verletzungspech verschont bleibe. In der Aufstiegssaison kam ich endlich wieder zum Zug“, so Wolff, dessen Leidenszeit vor dreieinhalb Jahren begann.

In seinem letzten Heimspiel für den MSV am 6. Juni 2015 gegen TuS Sachsenhausen riss er sich sowohl das Kreuzband als auch den Meniskus. „Da stand bereits fest, dass ich zurück zu meinen Heimatverein nach Alt Ruppin gehen werde, um nochmal mit meinem Bruder Robert und meinem Cousin Phillip zusammen zu spielen. Daraus wurde dann so schnell nichts, ich habe fast ein ganzes Jahr pausieren müssen", wurde die Krankenakte auch danach immer länger. Ein paar Minuten sammelte der Spielgestalter auf dem Feld, da folgte im Februar 2017 der nächste Meniskusriss. „Danach bin ich aber schnell zurückgekommen, seither lief es besser“, hatte der Leverkusen-Fan auch maßgeblichen Anteil am Eintracht-Aufstieg.

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Trotz der momentan enttäuschenden Situation gibt der Mann mit der 25, die auch sein Vorbild im Bayer 04-Trikot immer trug, noch nicht auf: „Ich treffe mich in zwei Wochen mit einem Knie-Spezialisten und hoffe, dass ich die Chance auf eine Knorpeltransplantation bekomme.“ Nach dieser Operation müsste Wolff erneut ein Jahr lang warten, könnte frühestens zur Rückrunde 2019/20 wieder einsteigen. „Das wäre der perfekte Plan. Und das nehme ich dann auch gerne in Kauf. Es fällt mir schwer, nach über 20 Jahren einfach mit dem Fußball aufzuhören, auch wenn mir viele schon dazu geraten haben. Dafür liebe ich diesen Sport zu sehr.“ Heute Abend sind die Alt Ruppiner beim Budenzauber des SV Zehdenick zu Gast. Überraschenderweise mit Alex Wolff im Aufgebot: „Hallenfußball ist geil, das lasse ich mir nicht nehmen und ich muss nicht sprinten.“

Und falls es mit dem Fußball doch nichts mehr wird, hat der duale Sportbusiness-Student bereits eine Alternative gefunden: „Ich habe im Bachelor das Golfen für mich entdeckt und sogar schon meinen Bruder dazu gebracht. Das wäre dann meine Ersatzsportart.“