12. Mai 2020 / 20:32 Uhr

Alt Ruppin-Trainer Daniel Kraatz: Aufstieg am Wohnzimmertisch

Alt Ruppin-Trainer Daniel Kraatz: Aufstieg am Wohnzimmertisch

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Pure Emotionen: Die Kicker von Eintracht Alt Ruppin bejubeln mit ihren Fans den 1:0-Siegtreffer durch Patrick Mann.
Die Freude über den Aufstieg ist riesig bei den Spielern und Fans von Eintracht Alt Ruppin. © Marius Böttcher/Archivbild
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Landesklasse West: Die Eintracht hat ihr Ziel erreicht und startet in der Saison 2020/21 in der Landesliga.

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Dass die Alt Ruppiner Eintracht – ob Spieler, Trainer oder Fans – ausgiebig feiern kann, wurde sowohl in Heimspielen als auch bei Auswärtsfahrten schon mehrfach unter Beweis gestellt. Schon desöfteren verwandelte die „Südkurve“, wo die Treuesten der Treuen stehen, das Waldstadion in ein Tollhaus, die Party nach der Kreisoberliga-Meisterschaft 2018 wird wohl unvergessen bleiben. Zwei Jahre nach dem Aufstieg in die Landesklasse gelingt dem Verein der nächste Coup – in der Saison 2020/21 wird das Team von Trainer Daniel Kraatz in der Landesliga um Punkte kämpfen. Jubeln darf die Eintracht-Familie aufgrund der Corona-Pandemie aber nicht zusammen. Noch nicht.

In Bildern: Das sind die Abschlusstabellen im Landesspielbetrieb.

Das ist die Abschlusstabelle der Brandenburgliga. Zur Galerie
Das ist die Abschlusstabelle der Brandenburgliga. © SPORTBUZZER-Grafik

„Wenn wir irgendwann wieder ins normale Leben zurückkehren, holen wir das bestimmt nach“, frohlockt der Erfolgscoach, der gemeinsam mit Sohnemann Ramon Schulz am Wohnzimmertisch saß, als am Montagabend die Nachricht vom Saisonabbruch bekannt wurde. Während man sich zur gleichen Zeit in Alt Ruppin vermutlich das eine oder andere Siegerbier gönnte, wurde im Hause Kraatz im havelländischen Pausin mit Wasser angestoßen. „Ich habe kein Bier zuhause, mit meiner Frau trinke ich höchstens mal ein Glas Wein“, erklärt der 45-Jährige, der bei spontanen Besuchen von Kumpels auch öfter mal einen Spruch gedrückt bekommt.

Wohlwollend zur Kenntnis nahm er dagegen den Fakt, dass er sich mit seinen Schützlingen künftig eine Etage höher präsentieren darf. „Es ist schön, dass endlich Gewissheit herrscht“, sagt Kraatz, „man freut sich über den Aufstieg, wobei wir es lieber auf dem sportlichen Wege geschafft hätten. Ich könnte es verstehen, wenn sich Grün-Weiß Golm als unser ärgster Konkurrent benachteiligt fühlt“. Seiner Meinung nach bleibt eben doch ein fader Beigeschmack, mit dem sich die Alt Ruppiner auch im nächsten Jahr wohl auseinandersetzen müssen: „Da wird es in der Landesliga mit Sicherheit den einen oder anderen Spruch geben. Zu zeigen, dass wir es auch nach 30 Spieltagen gepackt hätten und zurecht in dieser Liga sind, ist aber Anreiz genug.“ Die schönen Dinge, nämlich die Derbysiege gegen den Langener SV und Union Neuruppin, überwiegen, doch trotz des Erfolges blickt Kraatz auch gewohnt kritisch zurück: „Wir haben nicht immer guten Fußball gespielt, auch Enttäuschungen waren dabei. Auch ich selbst muss mir Fehler eingestehen, diese Dickköpfigkeit ist nicht immer gut.“

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Mit der siebthöchsten Spielklasse der Nation geht für die Spieler und den Verein ein Traum in Erfüllung. Auch auf den Trainer, der im Fußballkreis Oberhavel bekannt wie ein bunter Hund ist, warten Begegnungen mit der eigenen Vergangenheit. „Die Spiele gegen und bei Oberhavel Velten oder vor allem dem FC 98 Hennigsdorf werden besonders. Aus Hennigsdorf kamen schon Glückwünsche – und einige pikante Sprüche“, schmunzelt Daniel Kraatz, dessen Konzentration sich nun auf das Abenteuer Landesliga richtet.

Einen ersten Neuzugang konnte die Eintracht sogar schon vermelden. Mit Enrico Pfefferle kehrt ein verlorener Sohn, der zuletzt ein Jahr beim Langener SV kickte, ins Waldstadion zurück. „Mit ihm verbindet mich eine lange Freundschaft. Aber auch Enrico ist bloß einer von vielen in unserem Kader. Der Konkurrenzkampf soll beibehalten werden.“