04. Januar 2021 / 13:09 Uhr

Altenbacher Skispringer Martin Hamann vorerst fest im A-Kader

Altenbacher Skispringer Martin Hamann vorerst fest im A-Kader

Haig Latchinian
Leipziger Volkszeitung
Der Muldentaler Martin Hamann (23) ist im Fernsehen inzwischen ein viel gefragter Interviewpartner.
Der Muldentaler Martin Hamann (23) ist im Fernsehen inzwischen ein viel gefragter Interviewpartner. © Screenshot MTL-Picture
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Der 23-jährige Muldentaler Skispringer Martin Hamann erlebt seine bisher erfolgreichste Vierschanzentournee: Platz elf in Garmisch-Partenkirchen, Rang 13 am Sonntag in Innsbruck.

Innsbruck/Altenbach. Platz elf in Russland, Elfter in Engelberg, Elfter in Garmisch. Dreimal Elfter innerhalb weniger Tage. „11. heißt zweimal 1.“, triumphiert Martin Hamann. Der Skispringer aus Altenbach bei Wurzen fliegt nicht nur gern, er gilt auch als Spaßvogel. Und scheint mit seinem Humor selbst den ARD-TV-Experten Sven Hannawald zu beflügeln. Als Martin vor gut einem Monat in Polen 138,5 Meter weit segelte, schwärmte der einstige Überflieger: „Da siehst du mal, was Martin dran hat.“

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...drin hat, meinte er. Doch wer wollte Hannawald den kleinen, aber feinen Versprecher verübeln. Schließlich habe er so etwas noch nie erlebt: „Sieht gut aus! Guck’ dir das an! Der Sprung, der lief, das war ja Wahnsinn!“ Auch Kommentator Tom Barthels jubelte: „Wo der hin steigt! Ein unmenschlicher Sprung!“ Jetzt wisse man auch, weshalb Martin bei den Deutschen Meisterschaften sensationell Zweiter wurde.

Ehrgeiziger Flachlandtiroler

Der 23-Jährige verfehlte in Wisla den 2013 aufgestellten Schanzenrekord nur um einen halben Meter. Vermutlich wäre es seine beste Platzierung in einem Weltcup geworden, hätte er bei der Landung nicht in den Schnee gegriffen: „Es hat geflutscht von oben bis unten. Ich werde es mir erst am Abend verzeihen, dass ich den Sprung nicht landen konnte“, sagte der Flachlandtiroler, der das Springen einst in Eilenburg erlernte.

2014 feierte er bei der Vierschanzentournee seine Premiere, scheiterte jedoch in der Qualifikation. Ein Zehntelpunkt hatte gefehlt. 2017/2018 klappte es – mit 108 Meter sicherte sich der Vize-Juniorenweltmeister in Oberstdorf einen Platz in den Top 50. Was für eine Leistung! Umso entsetzter waren die Fans, als Martin nur Sekunden vor seinem Sprung zurückgepfiffen wurde: Disqualifiziert trotz Qualifikation! Sein Anzug war im Schritt sechs Millimeter zu lang.

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Martin setzt sich im A-Kader fest

Inzwischen ist Martin aus dem A-Kader nicht mehr wegzudenken. Regelmäßige Platzierungen im Weltcup, dazu zwei Siege im Continentalcup und der deutsche Vizemeistertitel hinter Markus Eisenbichler – 2020 war sein bisher erfolgreichstes Jahr. Schön für Martin: Das neue Jahr 2021 beginnt, wie das alte aufgehört hat. Großartig. In Garmisch-Partenkirchen wurde er beim Neujahrsspringen prompt Elfter. Seine bisher beste Tournee-Platzierung. Ausgerechnet dort, wo für Martin alles begonnen hatte.

Martin war sechs, als er in Garmisch erstmals eine Schanze sah. „Wir waren dort im Winterurlaub. Trotz minus zehn Grad Kälte schaute Martin den Jungs zwei Stunden lang gebannt zu und ließ uns danach wissen, er werde Skispringer – obwohl er zu der Zeit noch nicht ein einziges Mal auf Skiern gestanden hatte“, erinnern sich die Eltern Kathleen und Steffen. Ihr Filius besuchte sie auch dieses Jahr zu Weihnachten. Wie immer gab es Würstchen mit Kartoffelsalat.

Turbulenzen im Corona-Jahr

Der Mann aus dem Erzgebirge – so wird Martin im Fernsehen inzwischen tituliert. Tatsächlich startet er nach wie vor für die SG Nickelhütte Aue und wohnte eine Zeit lang in Oberwiesenthal. Seine berufliche Heimat aber ist Bad Endorf (Bayern). Dort lässt er sich zum Bundespolizisten ausbilden. Tief drin ist und bleibt er aber Muldentaler. So wundert es nicht, dass er im Corona-Jahr zwischenzeitlich sogar wieder im elterlichen Altenbach gemeldet war.

„Im Bad Endorfer Internat durften die Jungs pandemie-bedingt nicht mehr zu zweit im Zimmer wohnen, weshalb Martin ins Hotel übersiedeln musste“, sagt Vater Steffen. Mittlerweile habe sein Sohn eine eigene Bude bei Rosenheim. Von dort aus sei es nur ein Katzensprung bis zu den deutsch-österreichischen Schanzen. In der Ferne hält er den Kontakt nach Sachsen, schaut, so oft er kann, Fußball. Martin ist doppelter Bulle – angehender Polizist und erklärter RB Leipzig-Fan.

Optimismus vor Bischofshofen

Die RB-Freunde Bennewitz hatten auch am Sonntag wieder allen Grund zur Freude. Martin schaffte am Innsbrucker Bergisel im ersten Durchgang 130 Meter und war zur Halbzeit bester Deutscher. Im Finale sprang er 124,5 Meter und wurde am Ende 13.: „Ich bin zufrieden mit meiner Leistung und freue mich nun auf Bischofshofen.“ Dann peilt Martin eine Top-Ten-Platzierung an. Die Schanze liegt ihm, dem Flieger! Bis dahin heißt es: „Ausatmen, ausruhen, ausschlafen.“

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