01. Juni 2021 / 15:22 Uhr

Altherrenfußball: Reformvorhaben auf den Weg gebracht, Gegner bleiben bei Kritik

Altherrenfußball: Reformvorhaben auf den Weg gebracht, Gegner bleiben bei Kritik

Eduard Warda
Göttinger Tageblatt
Die Reform der Altherrenfußballmeisterschaften ist offenbar so gut wie beschlossene Sache.
Die Reform der Altherrenfußballmeisterschaften ist offenbar so gut wie beschlossene Sache. © Patrick Seeger / dpa / Montage
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Die Reform der niedersächsischen Meisterschaften im Altherrenfußball ist nach erfolgter Kreisobleutetagung so gut wie beschlossene Sache, auch wenn noch die Rückkopplung mit den Vereinen aussteht. Die Kritiker des Vorhabens kommen auch aus der Region Göttingen.

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Die Reform der niedersächsischen Altherrenfußballmeisterschaften, der sogenannten Ü-Meisterschaften, wird wohl, wie geplant, kommen: Bei der per Videokonferenz durchgeführten Tagung der Kreisobleute, also der Spielausschussvorsitzenden der 33 Kreise im Niedersächsischen Fußballverband (NFV), stieß der Reformvorschlag, der federführend vom Verbandsspielausschuss formuliert worden war, offenbar auf weitgehende Zustimmung. Zwar soll es noch einmal eine Rückkopplung der Obleute mit den Vereinen in ihrem Kreis geben, nach Angaben von Klaus Henkel, Spielausschussvorsitzender des Fußballkreises Göttingen-Osterode, gehe es dabei jedoch nur noch um die geplante Reduzierung der Qualifikationsrunden.

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Auf Kritik war darüber hinaus auch bei Vereinen aus der Region Göttingen gestoßen, dass die Verpflichtung zur Teilnahme an der sogenannten „Players Night“, der traditionellen Abendveranstaltung, aufgehoben werden soll und zukünftig keine Startgebühren mehr fällig werden – die Gebühren sind aus der Sicht der Kritiker notwendig, um den ausrichtenden Vereinen eine finanzielle Planungssicherheit zu gewährleisten. Der Solibeitrag soll lediglich bei den Ü40- bis Ü60-Meisterschaften beibehalten werden, allerdings nicht verpflichtend.

Regelung ist noch nicht endgültig verabschiedet

Unter anderem weil Meisterschaften wegen Corona ausgefallen sind und nachgeholt werden (so das Ü40-Finalturnier 2022 in Lenglern mit dem Ausrichter SG Lenglern/Harste), sollen die Reformen erst ab 2024 greifen. Und: „Die neue Regelung ist noch nicht endgültig verabschiedet“, stellt Henkel klar.

Dass es zukünftig weniger Qualifikationsrunden geben soll, sei auf der Obleutetagung kritisch gesehen worden, unterstrich Henkel. „Das ist noch nicht entschieden, noch nicht endgültig besprochen worden. Das wird noch geklärt“, sagte er. Ein Vorschlag aus der Region Hannover, die als Initiator einer verringerten Rundenanzahl gilt, laute, dass bei zukünftig nur noch zwei Runden hannoversche Klubs freiwillig zugunsten von Vereinen aus anderen Kreisen auf ihre Startplätze verzichten könnten.

Übereinstimmung bei den Obleuten herrschte nach Angaben von Henkel bei zwei anderen Punkten: Die „horrenden Startgelder“ fielen ab 2024 weg, ebenso werde es „die sehr opulente Abendveranstaltung“ in der bisherigen Form nicht mehr geben, also auch nicht die verpflichtende Teilnahme daran. Es sei nicht einzusehen, dass eine Mannschaft, die um 12 Uhr ausgeschieden sei, bis abends zur „Players Night“ warten müsse, so Henkel.

Entsprechend fielen auch Bestrafungen weg. „Das sind Dinge, die nicht einzusehen sind“, sagt Henkel. „Die Gesellschaft hat sich verändert. Man kann niemanden zwingen, an einer Abendveranstaltung teilzunehmen.“ Als Kompensation für entgangene Einnahmen könnte der Verband den Ausrichtervereinen finanziell unter die Arme greifen.

Die Kritiker der Reform mit dem langjährigen Meisterschaftsorganisator Friedel Gehrke an der Spitze bleiben unterdessen bei ihrer Kritik und fordern die Vereine auf, ihren jeweiligen Obleuten die Meinung zu sagen – und einen Forderungskatalog für die Titelkämpfe der Ü32- bis Ü60-Teams zu übermitteln. Gefordert werden die Beibehaltung der drei Ü32-Qualifikationsrunden, der „dritten Halbzeit“ mit Siegerehrung bei jeder Ü-Endrunde (Ü32 bis Ü60) und des Solibeitrages für alle zur Planungssicherheit der dezentralen Ausrichter, außerdem eine „moralische Anwesenheitspflicht bei der Siegerehrung/dritten Halbzeit aus historischen Gründen und Gründen des Respekts gegenüber einem Ausrichter“.

Lohse wartet immer noch auf die Anfrage bei den Klubs

Zu den Kritikern der Reform gehört aus der Region Göttingen auch Jörg Lohse, Vorsitzender des SC Hainberg und ehemals im Fußballkreis Göttingen-Osterode zuständig für den Altherrenfußball. „Ich warte immer noch auf die offizielle Anfrage der Verbandsgremien, wie die Vereine dazu stehen“, sagt er. „Das Verrückte ist doch: Das vielbeschworene Mitspracherecht der Klubs gibt es eigentlich nicht.“

Auch lässt Lohse das Argument, dass es Klubs nicht zuzumuten sei, einen gewissen Zeitraum auf die „Players Night“ zu warten, nicht gelten: „Wenn Göttingen zur Meisterschaft nach Osnabrück fährt und ausscheidet, fährt man doch nicht gleich wieder nach Hause. Für die Meisterschaften hat man den ganzen Tag und teilweise auch die Übernachtung eingeplant.“ Lohse fragt sich in dieser Hinsicht, ob der Sponsor, eine große Brauerei, mit der Entwicklung einverstanden ist.

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Durch die Reform sieht der Vorsitzende des SCH „die große Gefahr, dass sich immer weniger Vereine bereiterklären, Meisterschaften auszurichten, ob es nun eine Qualirunde mehr oder weniger gibt“. Vor allem aber prognostiziert er den Altherren-Titelkämpfen eins: ein „stillschweigendes Einschlafen“.