27. Februar 2018 / 07:56 Uhr

Altkanzler Schröder rechnet mit Ultras von Hannover 96 ab: „Ärgerliche Randerscheinung“

Altkanzler Schröder rechnet mit Ultras von Hannover 96 ab: „Ärgerliche Randerscheinung“

Tobias Manzke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder spricht über die aktuelle Fan-Situation bei Hannover 96.
Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder spricht über die aktuelle Fan-Situation bei Hannover 96. © Droese
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Der Ex-Bundeskanzler und jetzige 96-Aufsichtsratschef Gerhard Schröder schießt gegen die aktive Fanszene : „Die, die am wenigsten gebraucht werden.“ 

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Er ist ein Mann, für den die klare Kante kein Fremdwort ist. Auch nicht jetzt, wenn es um die 96-Ultras geht. Zu ihnen hat Gerhard Schröder eine klare Meinung. „Was sich da in der letzten Zeit entwickelt hat, das schadet der Mannschaft, das schadet dem Sport, das schadet dem Ansehen von Hannover 96. Ich würde sie nicht Fans nennen, denn das ist eine Beleidigung der wirklichen Fans, die jede Woche zu 96 kommen. Die, die man gegenwärtig Ultras nennt, sind eine ärgerliche Randerscheinung“, sagt der Ex-Bundeskanzler und Initiator der Agenda 2010. Seit Januar 2017 ist er 96-Aufsichtsratschef.

Ein neuer Tiefpunkt

Schröder rechnet mit den Ultras ab, denn er hat die Nase voll, gestrichen voll. Den 73-Jährigen är­gert, dass in Hannover nicht über den sportlichen Erfolg des Aufsteigers diskutiert wird, sondern über das Theater mit den eigenen Anhängern. Das Fan-Thema erreichte am vergangenen Wochenende seinen Tiefpunkt. 

Die seit Wochen angespannte Stimmung zwischen den Ultras und der Vereinsführung eskalierte. 96 hatte im Vorfeld der Partie gegen Gladbach die für gestern geplante Podiumsdiskussion abgesagt. 

Daraufhin setzte die aktive Fanszene ihren Stimmungsboykott in der HDI-Arena fort. Aber nicht nur das, die Ultras sangen gegen Clubboss Martin Kind, viele der 43 000 Zuschauer im Stadion antworteten mit „Ultras raus“- Rufen.

Choreos, Spruchbänder, Schweigen: Die Proteste bei Hannover 96 in Bildern.

Protestbanner beim Heimspiel am 15. Dezember 2018 gegen Bayern München. Zur Galerie
Protestbanner beim Heimspiel am 15. Dezember 2018 gegen Bayern München. ©

„Er spürt, wie das negativ auf die Mannschaft wirkt“

Die Szenerie auf den Rängen beeinflusste die Szenerie auf dem Rasen: Die Mannschaft wirkte gegen Gladbach gehemmt. Manager Horst Heldt platzte nach Abpfiff der Kragen. „Es kotzt mich alles an, das macht keinen Spaß“, sagte Heldt. Schröder versteht das Verhalten des Managers.

„Er spürt, wie das negativ auf die Mannschaft und deren Stimmung wirkt. Es wird immer der Dialog von Menschen eingefordert, die aber selbst zum Dialog nicht fähig sind. Zum Dialog gehören immer zwei. Und zum Dialog gehört Gesprächs- und Lernbereitschaft. Und das sehe ich auf der anderen Seite überhaupt nicht“, so der ehemalige Kanzler.

Weil die Situation verfahrener denn je ist und eine Einigung so weit weg wie nie scheint, sagte Kind am Wochenende: „Sie reden immer von Unterstützung und wirken doch nur destruktiv. Das Einfachste ist doch, dass sie wegbleiben“, so der 96-Boss. Schröder unterstützt natürlich den Präsidenten – auch weil er keine Hoffnung auf Besserung sieht.

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„Ihr seid die, die am wenigsten gebraucht werden“

„Der Satz, der am Wo­chenende gesagt wurde, gilt: Ihr seid die, die am wenigsten gebraucht werden. Weil ihr der Mannschaft nicht helft und ihr Unruhe in den Verein bringt. Und das sollten sich auch diejenigen überlegen, die sich als ,intellektuelle’ Förderer dieser Unkultur im Verein hervortun. Das ist bedauerlich, dass sich Menschen, von denen man eigentlich mehr Verstand erwartet, für so etwas hergeben“, sagte der ehemalige Bundeskanzler.

Der Auslöser des Streites ist für Schröder klar: die Diskussion um die 50+1-Regel, die Kind kippen will. „Daran hat sich der Streit entzündet. Dieser Streit könnte ein sachlicher Streit sein. Der ist aus dem Ruder gelaufen“, so Schröder – und lässt sich jetzt nicht mehr einfangen.