04. Mai 2021 / 14:56 Uhr

Am Ziel: Meistertitel mit Anlauf für den SV Lindow-Gransee (mit Galerie)

Am Ziel: Meistertitel mit Anlauf für den SV Lindow-Gransee (mit Galerie)

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Der SV Lindow-Gransee bejubelt die Zweitliga-Meisterschaft.
Der SV Lindow-Gransee bejubelt die Zweitliga-Meisterschaft. © Marius Böttcher
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2. Volleyball-Bundesliga Nord: Das grün-weiße Wolfsrudel hat sich die Krone aufgesetzt - und feierte dies unter Corona-Bedingungen im kleineren Rahmen.

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Der feierliche Rahmen war gewöhnungsbedürftig. Und entsprach von der Lautstärke her ganz sicher nicht dem, zu was die Spieler, Verantwortlichen und allen voran die Fans des SV Lindow-Gransee (SVLG) im Stande gewesen wären. Die Dreifelderhalle gleicht bei den Zweitliga-Heimspielen der grün-weißen Volleyballer in Nicht-Corona-Zeiten einem Tollhaus, die Sportstätte, aus der nur selten Punkte entführt werden, wirkt wie eine Festung. Diese war am Samstagmittag erneut fest in grün-weißer Hand – wenn auch nicht mit hunderten, sondern lediglich mit einer kleinen Auswahl an Gästen. Medaillen und der große Pokal glänzten, ihren verdienten Lohn durften sich die Volleyball-Helden, der Meister der 2. Volleyball-Bundesliga in der Saison 2020/21, endlich abholen.

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Zuvor richtete Vereinschef Frank Seeger noch einige Worte an die anwesenden Vertreter aus der Politik, einige Sponsoren, Wegbegleiter und freiwillige Helfer, die der Ehrung dank eines negativen Corona-Tests beiwohnen durften. Seeger, der diesmal auf seine Feuerwehrsirene – mit seinem Markenzeichen bringt er die Halle regelmäßig zum Brodeln – verzichtete, bedankte sich aus tiefstem Herzen. Ob Premiumsponsor, Ballkids oder die „Damen vom Ausschank“, der 62-Jährige wollte niemanden hervorheben.

In Bildern: Die Volleyballer des SV Lindow-Gransee feiern die Zweitliga-Meisterschaft.

Jubel in der Dreifelderhalle: Die Grün-Weißen erhalten unter Corona-Bedingungen ihre Medaillen und den Pokal für die zweite Zweitliga-Meisterschaft in der Vereinsgeschichte. Zur Galerie
Jubel in der Dreifelderhalle: Die Grün-Weißen erhalten unter Corona-Bedingungen ihre Medaillen und den Pokal für die zweite Zweitliga-Meisterschaft in der Vereinsgeschichte. © Marius Böttcher

Tat es dann aber doch: „Ohne Dirk (Manager Schmidt, Anm. d. Red.) und Holger (Spieltagskoordinator Ribbentrop, Anm. d. Red.) würde nichts laufen. Ich habe ein einmaliges Team hinter mir, auf das ich mich immer verlassen kann.“ Seeger regiert hin und wieder mit Zuckerbrot und Peitsche. Dass er sein Herz am rechten Fleck hat und sogar emotional sein kann, bewies er aber mit seinen Worten an die Mannschaft, der er seinen „größten Dank“ aussprach: „Was diese Truppe unter erschwerten Bedingungen geleistet hat, ist phänomenal.“

Vor etwas mehr als einem Jahr lag der SVLG wenige Begegnungen vor Saisonende mit reichlich Abstand an der Spitze der Liga, wegen der Corona-Pandemie beendete die Volleyball Bundesliga (VBL) aber die Spielzeit 2019/20 – ohne Wertung, ohne Absteiger, ohne Meister. „Ich will es mal höflich ausdrücken: Uns wurde der Titel weggenommen“, sagte Seeger süffisant. Das Team blieb komplett zusammen, wollte so nicht auseinandergehen und setzte sich mit der Zielstellung Meisterschaft selbst unter Druck. Der Saisonstart glückte, man war schnell der Gejagte, hatte aber auch mit Rückschlägen zu kämpfen.

Auf den letzten Metern über die Ziellinie gerettet

„Seit November musste vor leeren Rängen gespielt werden, seit Januar konnten die Jungs nur zweimal trainieren, Matti Binder, Romulo Galiao und Martin Pomerenke waren vom verflixten Verletzungspech betroffen“, zählte Seeger auf. Das Heckmeck mit dem Moerser SC tat sein Übriges: Die Partie wurde wegen eines positiven Corona-Falls beim SVLG abgesagt, obwohl die Gäste vom Niederrhein schon angereist waren. Es sollte zum Nachholspiel kommen, die Spruchkammer wies auch den Moerser Einspruch ab. Auf die Anreise zur zweiten Partie verzichtete der Gast, Lindow erhielt die Punkte am grünen Tisch.

Das Wolfsrudel biss die Zähne zusammen und rettete sich auf den letzten Metern über die Ziellinie. „Das kann uns niemand mehr nehmen“, freute sich Seeger über die zweite Meisterschaft der Vereinsgeschichte. Der Pokal und die Medaillen, die Nicolai Kracht, der 2015 die Meisterschaft mit dem SVLG gewann, diesmal aber als Vertreter der VBL vor Ort war, im Gepäck hatte, sind Andenken für die Ewigkeit. Der Moment wurde am Samstag coronakonform ausgekostet.

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Nach dem Meistertitel ist aber auch vor der neuen Saison, wissen die Verantwortlichen. „Die Mannschaft wird nächstes Jahr ein neues Gesicht haben, wir werden aber wieder eine schlagkräftige Truppe zusammenstellen“, sagte Seeger, der sich alsbald eine volle Dreifelderhalle erhofft: „Jeder, der zuhause in seinem Sessel sitzt und am Montag die Zeitung aufschlägt, muss sich denken: Beim SV Lindow-Gransee habe ich was verpasst.“ Die Attraktivität der Heimspiele soll sich nämlich erhöhen. Unter anderem mit einer eigenen Vereinshymne, die am Samstag vorgestellt wurde.