20. März 2020 / 17:39 Uhr

#amateurehelfen: Was Deutschlands Sportvereine jetzt auf die Beine stellen

#amateurehelfen: Was Deutschlands Sportvereine jetzt auf die Beine stellen

Annika Langhorst und Robin Jantos
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der TSV Pansdorf bereitet sich auf die Anrufer vor. Der TV Derendingen liefert die ersten Waren aus.
Der TSV Pansdorf bereitet sich auf die Anrufer vor. Der TV Derendingen liefert die ersten Waren aus. © TSV Pansdorf, TV Derendingen
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Der Amateursport engagiert sich in der Corona-Krise: Etliche Klubs bieten Einkäufe und Botengänge für Risikogruppen an. Die Hilfsbereitschaft ist groß, die Nachfrage bisher noch nicht.

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Dieser Artikel ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Mehr Infos dazu auf gabfaf.de.

Wenn es ernst wird, kann sich die Gesellschaft auf die Sportvereine verlassen. Das ist gerade dutzendfach in Deutschland zu beobachten. Denn während viele Menschen nicht mehr zur Arbeit können oder dürfen und an gemeinsames Fußballtraining nicht zu denken ist, engagieren sich etliche Klubs sozial in ihrem Umfeld.

Etwa beim TSV Pansdorf in Ostholstein, wo Landesliga-Trainer Helge Thomsen gemeinsam mit Dirk Tostmann vom benachbarten Pönitz TV die Aktion „Kicker-Care“ ins Leben gerufen hat. „Unsere Spieler gehören nicht zur Risikogruppe, sie wollen aber helfen und ältere Menschen schützen“, sagt Thomsen. Wer gefährdet ist, kann beim Verein anrufen und sich beispielsweise Lebensmittel aus dem Supermarkt mitbringen lassen.

Amateurfußball und Corona

Initiativen an vielen Orten

Solche Initiativen gibt es inzwischen bundesweit. Ob FSV Forst Borgsdorf, FSV 63 Luckenwalde, TSG Lübbenau, MTV Dänischenhagen, ASC 09 Dortmund, Preußen Reinfeld, Sportvereinigung Leidringen, TuS Eschede, Anker Wismar, TSV Lustnau, SV Frickenhofen, TSV Merkendorf, TSV Obergünzburg oder SV Nord München – überall bieten Sportler ihre Dienste beim Einkaufen, für Botengänge oder das Ausführen von Hunden an. Manche Klubs haben feste Wochentage ausgerufen, andere vermitteln Hilfe je nach Bedarf. Und alle sagen: Wir helfen nicht nur Vereinsmitgliedern. Wer jetzt Unterstützung braucht, der soll sie auch bekommen. „Wir werden es nie erfahren. Aber wenn wir nur ein Menschenleben retten können, haben wir alles richtig gemacht“, sagt Kai Gotthardt vom SV Friedrichsort.

Das Amateurfußball-Bündnis #GABFAF hat dafür den Hashtag #amateurehelfen ins Leben gerufen, unter dem man die Aktivitäten in den sozialen Netzwerken verfolgen kann. Im Sportbuzzer gibt es eine Liste, die ständig erweitert wird.

Das Amateurfußball-Bündnis #GABFAF wurde am 15. März 2019 ins Leben gerufen. Hier zehn besondere Momente aus dem ersten Jahr:

Überraschung, Freude, Jubel, Rührung: Das #GABFAF-Team hat in der Galerie seine Lieblingsmomente zusammengestellt. Zur Galerie
Überraschung, Freude, Jubel, Rührung: Das #GABFAF-Team hat in der Galerie seine Lieblingsmomente zusammengestellt. ©
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Viele wollen helfen

Welche Vereinsvertreter man auch fragt: Alle berichten von riesiger Hilfsbereitschaft. Manche haben 40 oder mehr Freiwillige auf ihrer Liste, viele ausgestattet mit Autos und dem Willen zu helfen. In Whatsapp- oder Facebook-Gruppen organisieren sich die Helfer. Die Strukturen stehen, um auch einen größeren Andrang zu bewältigen.

Bisher kaum Hilfesuchende

Die Nachfrage ist allerdings noch gering. „Ein paar Fahrten zum Arzt nach Berlin und Oranienburg sowie vereinzelte Einkäufe“ habe man bisher abgewickelt, sagt Chris Sarfert vom FSV Forst Borgsdorf. Der TuS Eschede hat zwar schon viel positive Rückmeldung bekommen, auch aus der Politik, aber bisher noch keine Anfragen. „Viele Menschen haben den Ernst der Lage noch nicht erkannt“, vermutet Initiator Torsten Roeder. Auch beim TSV Pansdorf ist trotz intensiver Social-Media-Werbung „die Nachfrage noch nicht vorhanden“, sagt Thomsen. „Vielleicht haben wir die Zielgruppe noch nicht erreicht oder diese ist sich der Situation noch nicht im Klaren.“

Hier #GABFAF-Supporter werden

Der Amateurfußball braucht dringend Hilfe! #GABFAF setzt sich bei Verbänden, Politikern und Sponsoren für die Amateurklubs ein. Für vernünftige Duschen, Umkleiden, Plätze, Flutlicht. Für mehr Respekt. Trage Dich hier kostenlos ein, wenn Du dieses Anliegen unterstützt. Du bekommst unseren exklusiven Newsletter und hast jeden Monat die Chance auf 2000 Euro Zuschuss für Deinen Verein.

Vereine machen Werbung

Mit Flyern und persönlicher Ansprache wollen die Initiatoren ihre Angebote nun bekannter machen – gerade auch bei Menschen, die über Onlinemedien oder Social-Media-Posts nicht zu erreichen sind. Und wenn die Situation sich zuspitzt und mehr Menschen bewusst wird, dass sie vielleicht lieber im Haus bleiben sollten, stehen die Sportler bereit.

Dass sich die Angebote auch jenseits des Internets herumsprechen, zeigt eine Anekdote vom FSV Forst Borgsdorf. Dort meldete sich am Freitag eine 86-jährige Frau am Telefon und bot an, die Aktion finanziell zu unterstützen. „Wir haben mit herzlichem Dank abgelehnt“, sagt Sarfert. Aber der Motivation habe dieser Anruf gut getan.

Und Ihr?

Euer Verein engagiert sich ebenfalls sozial in der Corona-Krise? Schreibt uns gerne eine Mail an gabfaf@sportbuzzer.de oder eine Direktnachricht an die #GABFAF-Seiten bei Facebook und bei Instagram. Und verwendet gerne den Hashtag #amateurehelfen, wenn Ihr auf Euren sozialen Kanälen über die Aktionen berichtet.

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