20. März 2020 / 15:40 Uhr

"Können etwas zurückgeben": Wie Amateurfußballer sich in der Krise engagieren

"Können etwas zurückgeben": Wie Amateurfußballer sich in der Krise engagieren

Robin Jantos
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Eine Möglichkeit, was Vereine jetzt organisieren können: Einkaufen für Menschen, die besonders Corona-gefährdet sind.
Eine Möglichkeit, was Vereine jetzt organisieren können: Einkaufen für Menschen, die besonders Corona-gefährdet sind. © imago images / blickwinkel
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Helfen statt rumdaddeln: Eine wachsende Zahl von Sportvereinen organisiert in der Corona-Pause Nachbarschaftshilfe. Fußballer erledigen etwa Botengänge und kaufen ein für Menschen, die zu den Risikogruppen gehören. Hier einige Beispiele, was Vereine jetzt tun. Die Liste wird ständig länger!

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Dieser Artikel ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Mehr Infos dazu auf gabfaf.de.

Die Landesliga-Spieler des TSV Pansdorf (Ostholstein) haben ihre Hilfsaktion unter dem Namen Kicker-Care Pansdorf ins Leben gerufen, auch der benachbarte Pönitzer TV ist mit im Boot. Wer zu den Risikogruppen gehört, kann sich telefonisch oder per Mail melden. Die Spieler erledigen dann beispielsweise Einkäufe oder helfen anderweitig. "Zum Schutz können wir aber keine Tätigkeiten mit unmittelbaren Kontakt durchführen", sagt Initiator Helge Thomsen, Trainer der Landesliga-Fußballer.

Marcel Sinn (l.) und Alex Witt sind bereit, nehmen bei der Pansdorfer Aktion „Kicker-Care“ Anrufe entgegen und checken die eingehenden Mails.
Marcel Sinn (l.) und Alex Witt sind bereit, nehmen bei der Pansdorfer Aktion „Kicker-Care“ Anrufe entgegen und checken die eingehenden Mails. © TSV Pansdorf 1. Herren
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Mitglieder des FSV Forst Borgsdorf (nördlich von Berlin) erledigen immer montags und donnerstags Botengänge für Risikogruppen - etwa zur Apotheke, zur Post oder zum Supermarkt. Ein ähnliches Angebot hat der ebenfalls in Brandenburg beheimatete FSV 63 Luckenwalde (südlich von Berlin). "In dieser Zeit sollten wir uns alle untereinander unterstützen und wir denken, dass wir als Verein mit dieser Initiative etwas der Gesellschaft zurück geben können. Unsere soziale Verantwortung bezieht sich nicht nur auf unsere Mitglieder, sondern in solchen Krisen auf die gesamte Bevölkerung unserer Region", äußert sich der Klub auf Facebook.

Der TSG Lübbenau 63 (Brandenburg) hat sich und Forst Borgsdorf zum Vorbild genommen und die Aktion "TSG Botengänge" ins Leben gerufen. In der Zeit von Dienstag bis Freitag (nachmittags und abends) werden nach telefonischer Absprache oder per Mail die Anfragen entgegengenommen.

Auch der MTV Dänischenhagen (bei Kiel) bietet Hilfe beim Einkaufen und der Kinderbetreuung an. Dafür sind eine Telefonnummer und eine Mailadresse geschaltet.

Der ASC 09 Dortmund aktiviert seinen Budfi und Spieler, um zunächst älteren Vereinsmitgliedern zu helfen. „Wir starten erst einmal mit einem internen Angebot. Je nachdem, wie sich die Sache entwickelt, können wir uns aber auch vorstellen, die Unterstützung auszuweiten“, sagt Michael Linke, Vorsitzender des Hauptvereins.

Im Kieler Stadtteil Friedrichsort ist am Sonnabend großes Einkaufen angesagt. Der SV Friedrichsort hat eine Facebook-Gruppe gegründet, in der sich Helfer melden können. Am Sonnabend soll es dann eine Telefonhotline geben, unter der gefährdete Menschen ihre Bestellungen aufgeben können. Dabei soll es um Waren für den täglichen Bedarf gehen. "Wir werden auf keinen Fall palettenweise Klopapier oder ähnliches holen", sagt Kai Gotthardt vom SVF-Vorstand. Damit sich bei der Warenübergabe niemand ansteckt, soll es noch ein Video mit Verhaltensregeln geben.

Amateurfußball und Corona

Der SV Preußen Reinfeld 09 (Schleswig Holstein) ruft beispielsweise zu Spenden an die Tafel Reinfeld auf, wegen unnötiger Hamsterkäufe Supermärkte kaum noch Lebensmittel abzugeben haben. Außerdem solle jeder gesunde Bürger die unfreiwillig gewonnene Zeit in dieser Krisensituation nutzen, um zur Blutspende zu gehen.

Die Sportvereinigung Leidringen (Baden-Württemberg) bietet eine Einkaufshilfe für ältere Menschen, Risikogruppen und im Falle einer Quarantäne an. Der Verein sorgt dafür, dass jeder Leidringer Haushalt einen Flyer mit den wichtigsten Informationen erhält. Nach telefonischer Absprache oder per Mail übernehmen die Mitglieder dann Einkäufe, Botengänge oder Arzneimittelversorgungen. Die Lieferungen erfolgen dann am nächsten Werktag oder in Notfällen auch früher.

Der TuS Eschede (Niedersachsen) konnte ebenfalls in kurzer Zeit eine Gruppe von engagierten Helfern mobilisieren, um Risikogruppen zu unterstützen. Zudem appelliert der Verein eindringlich, Hamsterkäufe zu vermeiden, nur in dringenden Fällen in die Öffentlichkeit zu gehen und besonders all jene mit Respekt und Freundlichkeit zu behandeln, die tagtäglich in Krankenhäusern, Supermärkten und anderen Institutionen für das Wohl aller sorgen. Der Verein bietet an, Botengänge und wichtige Erledigungen zu übernehmen. Bedürftige oder interessierte Helfer können sich telefonisch oder per Mail melden.

Mehr zu #GABFAF

Auch der Anker Wismar (Mecklenburg-Vorpommern) ist dabei, wenn es um die Unterstützung von Risikogruppen geht. Ab Montag bieten die Kicker einen Lieferservice an, um gefährdete Menschen beim Einkaufen zu entlasten. "Ob vom Supermarkt, Discounter, von der Apotheke oder Drogerie holen wir die benötigten Sachen kostenlos ab und bringen diese auch zu den Betroffenen in Wismar und Umgebung in einem Umkreis von zehn Kilometern nach Hause“, verspricht Philipp Unversucht, Kapitän des Verbandsliga-Teams und Leiter der Anker-Geschäftsstelle. Dafür fallen keine zusätzlichen Kosten an. Die Bestellung wird dann per Anruf, SMS oder Mail entgegen genommen.

Der TSV Lustnau (Baden- Württemberg) bietet Nachbarschaftshilfe in Lustnau und Tübingen an. Die Fußballherren erledigen Einkäufe und wichtige Besorgungen für all diejenigen, die aufgrund eines erhöhten Risikos nicht mehr in die Öffentlichkeit dürfen. "Kontaktfreiheit" ist gewährleistet. Interessierte können sich telefonisch oder per Mail melden.

Der SV Frickenhofen (Baden-Württemberg) hat unter dem Hashtag #helfenstatttrainieren ebenfalls eine tolle Aktion gestartet. Der Verein erledigt Botengänge aller Art und gewährleistet eine kontaktlose Übergabe. Vor die Haustür oder nach Vereinbarung an einen bestimmten Ablageort können die Bedürftigen ihre Einkäufe empfangen. Die kostenlose Unterstützung gibt es Montags, Mittwochs und Freitags. Die Anfragen erfolgen per Mail, Telefon oder über die sozialen Netzwerke mit genauer Einkaufsliste und gewünschter Lieferadresse.

Der TSV Merkendorf (Bayern) schließt sich dem Hashtag #helfenstatttrainieren ebenfalls an und unterstützt Menschen bei Erledigungen im Alltag. Einkäufe im Supermarkt oder der Apotheke können telefonisch vereinbart werden. Die Sachen werden dann direkt nach Hause gebracht, egal ob nach Merkendorf oder einem anderen Ortsteil.

Der TSV Obergünzburg (Bayern) möchte Betroffenen helfen, die nicht auf Unterstützung von Familie oder Freunden zählen können. Dabei soll nicht nur älteren Menschen oder jenen mit Vorerkrankungen geholfen werden, sondern auch generell verunsicherten Menschen. Der Verein bietet die Lieferungen von Einkäufen aus dem Supermarkt an, sowie Besorgungen aus der Apotheke. Per Telefon oder Mail kann dann nach individueller Absprache die Ware noch am gleichen Tag an der Haustür oder an einem vereinbarten Ort empfangen werden.

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Der SV Nord München-Lerchenau bietet ebenfalls Botengänge an. Telefonisch und per Mail werden konkrete Einkaufslisten entgegengenommen. Auch Menschen, die nicht zur Risikogruppe gehören, wird Hilfe angeboten. Das Ausführen von Hunden ist für die Mitglieder des SV Nord ebenfalls kein Problem.

Euer Verein engagiert sich ebenfalls sozial in der Corona-Krise? Schreibt uns gerne eine Mail an gabfaf@sportbuzzer.de oder eine Direktnachricht an die #GABFAF-Seiten bei Facebook und bei Instagram. Und verwendet gerne den Hashtag #amateurehelfen, wenn Ihr auf Euren sozialen Kanälen über die Aktionen berichtet.