31. Juli 2019 / 10:41 Uhr

"Wir sind schon sehr weit": Wie Amateurfußball Flüchtlingen bei der Integration hilft

"Wir sind schon sehr weit": Wie Amateurfußball Flüchtlingen bei der Integration hilft

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Das Flüchtlingsteam des TSV Taunusstein-Bleidenstadt feiert den Meistertitel in der Reserverunde. Das Jahr im Verein hat den jungen Männern auch sprachlich und bei der Integration enorm geholfen.
Das Flüchtlingsteam des TSV Taunusstein-Bleidenstadt feiert den Meistertitel in der Reserverunde. Das Jahr im Verein hat den jungen Männern auch sprachlich und bei der Integration enorm geholfen. © Privat
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Im Amateurfußball arbeiten einige Vereine engagiert an der Integration von Geflüchteten. Der TSV Taunusstein-Bleidenstadt und der TuS Rheinberg 08 sind zwei beeindruckende Beispiele.

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Im Jahr 2015 gab es in Deutschland eine nie zuvor erlebte Zuwanderung von Geflüchteten. Sie suchten Zuflucht vor Krieg, Verfolgung und Hunger. Rund eine halbe Million Menschen stellten vor vier Jahren einen Asylantrag, 2016 waren es laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sogar knapp 750.000.

Die große Aufgabe von deutschen Städten und Gemeinden war es, die verschiedenen Kulturen in die Gesellschaft zu integrieren. Eine wichtige Rolle in diesem Prozess spielte von Beginn an vielerorts der Amateurfußball, wie zwei Beispiele eindrucksvoll zeigen.

Trainer Riad, selbst ein Geflüchteter, hält die Kabinenansprache beim TSV Taunusstein-Bleidenstadt III.
Trainer Riad, selbst ein Geflüchteter, hält die Kabinenansprache beim TSV Taunusstein-Bleidenstadt III. © Privat

Fußball vermittelt Werte

„Zusammenhalt im Team, Disziplin, Pünktlichkeit – all diese Werte kann der Fußball vermitteln“, sagt Markus Jestaedt. Der Vorstandsvorsitzende des TSV Taunusstein-Bleidenstadt hat mit seinem Verein früh damit begonnen, die in der südhessischen Gemeinde untergekommenen Geflüchteten in den Verein zu integrieren. Vor drei Jahren beobachteten Jestaedt und seine Vereinskollegen, dass immer häufiger Männer zum Sportplatz des TSV kamen. Sie waren in dem 8000-Einwohner-Ort untergekommen, der rund 15 Autominuten von Wiesbaden entfernt ist.

„2016 haben wir das erste freie Training angeboten“, erzählt Jestaedt. Über viele Monate hat sich daraus eine feste Gruppe von 25 bis 30 Spielern gebildet. Zwei Jahre später, im Sommer 2018, entschloss man sich in Taunusstein-Bleidenstadt, das Flüchtlingsteam als dritte Mannschaft des TSV in der Reserverunde antreten zu lassen. Zwölf Partien später wurde die Elf sogar Meister. In der kommenden Saison spielt der TSV III offiziell in der C-Klasse, der niedrigsten Liga des Verbands.

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In der Kabine wird Deutsch gesprochen

Nicht nur sportlich hat sich die Gemeinschaft innerhalb des Vereins stark entwickelt. Die Amtssprache in der Kabine ist Deutsch, ein Großteil der Mannschaft hat sprachlich deutliche Fortschritte gemacht. Ein halbes Dutzend der Spieler besitzt mittlerweile einen Führerschein. Und mehr als drei Viertel des Teams haben kleinere oder größere Jobs angenommen. „Es ist mehr als nur Fußball“, stellt Jestaedt fest.

Vor allem Trainer Riad, selbst ein Geflüchteter aus Syrien, tut sich besonders hervor. Neben seiner Tätigkeit auf der Trainerbank von Taunusstein-Bleiden­stadt III ist er auch als Assistenzcoach bei der D-Jugend aktiv.

Ein Austausch zwischen den ersten beiden Mannschaften des TSV und dem Geflüchtetenteam stellt sich allmählich ein. „Es ist natürlich ein Prozess, der nicht innerhalb weniger Monate vonstattengeht“, weiß auch Vereinschef Jestaedt.

Das Flüchtlingsteam des TuS Rheinberg 08 spielt bereits im regulären Spielbetrieb mit.
Das Flüchtlingsteam des TuS Rheinberg 08 spielt bereits im regulären Spielbetrieb mit. © Privat

Andernorts hat sich aus eben jenem Ansatz sogar eine weitreichende Integration einer Mannschaft aus Geflüchteten in den Verein entwickelt. In Rheinberg, einem 20.000 Einwohner großen Ort am Niederrhein, startete ebenfalls 2016 ein Team aus Geflüchteten, zunächst als Internationale Rheinberg auf der Sportanlage des TuS Rheinberg 08. In der vergangenen Saison spielte diese Mannschaft dann bereits als dritte Mannschaft des TuS in der niedrigsten Spielklasse mit.

Zur kommenden Saison wird ein Großteil der 15 Flüchtlinge zum Kader der zweiten Mannschaft gehören. „Wir sind schon sehr weit“, sagt Dieter Wiekhorst, Fußball-Abteilungsleiter des TuS. „Wir haben engagierte Leute im Verein, die einen großen Beitrag zur Integration leisten.“

Amateurfußball steht für Integration

Auch wenn die Zahl an Geflüchteten, die nach Deutschland kommen, aktuell sinkt – 2018 gingen weit weniger als 200.000 Asylanträge ein –, bleibt die Integrationsarbeit im Amateurfußball äußerst wichtig. Taunusstein-Bleidenstadts Vereinschef Je­staedt sagt: „Vorbehalte, die sich ins Negative drehen, gibt es immer noch. Doch genau das zu verhindern ist unser Ziel.“

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Das "Grundgesetz" der Initiative: Im Manifest könnt Ihr nachlesen, wofür #GABFAF sich einsetzt. Direkt hier in der Galerie! © #GABFAF

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