10. Juli 2019 / 13:45 Uhr

Was sich gegen Gewalt im Amateurfußball tun lässt

Was sich gegen Gewalt im Amateurfußball tun lässt

Chantal Ranke und Jan Jüttner 
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Keine Toleranz für Aggression: Wie lässt sich Gewalt auf dem Fußballplatz eindämmen?
Keine Toleranz für Aggression: Wie lässt sich Gewalt auf dem Fußballplatz eindämmen? © imago images / Jochen Tack
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Tätliche Angriffe auf Schiedsrichter und Gegenspieler bringen den Fußball in Verruf. Doch es gibt Ansätze, die Gewalt zu reduzieren – etwa finanzielle Anreize für Präventionstrainings und die Idee, das Thema Gewalt in die Trainerausbildung aufzunehmen.

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Dieser Artikel ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Mehr Infos dazu auf gabfaf.de.

Mehrere brutale Attacken auf Fußball-Schiedsrichter haben innerhalb von nur wenigen Wochen deutschlandweit für Aufmerksamkeit gesorgt. Ein besonders schwerer Fall ereignete sich Mitte Juni im Raum Duisburg. Nachdem der Schiedsrichter einen Spieler des Kreisligisten TuS Asterlagen mit der Roten Karte vom Platz gestellt hatte, kam es zu Jagdszenen und körperlichen Übergriffen auf den Referee sowie sein Team. Der Unparteiische und sein Assistent mussten im Krankenhaus behandelt werden.

In einem anderen Fall traf das Sportgericht Göttingen-Osterode vergangene Woche eine Entscheidung. Zwei Spieler des Ay Yildiz SV Göttingen wurden für ein Jahr gesperrt, nachdem sie den Referee attackiert hatten. In der neuen Saison werden zum Schutz der Unparteiischen keine Schiedsrichter für die Spiele der Mannschaft angesetzt.

Angriffe auf Schiedsrichter nehmen zu

In der abgelaufenen Spielzeit kam es bundesweit zu 2906 Angriffen auf Schiedsrichter im Amateurfußball, teilte der DFB am Dienstag mit. 2017/2018 waren es 2866. „Wir müssen einen leichten Anstieg von Fällen verzeichnen, bei denen Schiedsrichter angegriffen wurden. Und das, obwohl gegenüber der Vorsaison knapp 50.000 Spiele weniger absolviert wurden“, erklärte Ronny Zimmermann, DFB-Vizepräsident Schiedsrichter. „Soziale Konflikte brechen auf dem Fußballplatz durch. In der Gesellschaft müssen wir insgesamt registrieren, dass vermehrt Ordnungsinstanzen angegriffen werden, man denke etwa an Rettungskräfte oder Polizeibeamte.“

Sächsisches Modell: Prävention reduziert Strafe

Um Aggressionen auf den Fußballplätzen zu verhindern, setzt beispielsweise der Fußballverband Sachsen auf ein Präventionstraining für betroffene Mannschaften. Die dazu verdonnerten Klubs können ihre Strafe reduzieren. Muss ein Verein beispielsweise 500 Euro Geldstrafe zahlen, überweist er zunächst nur 300 Euro. Absolviert er das Training, wird die restliche Strafe erlassen. Nicht nur die Täter müssen mitmachen, sondern mindestens zehn Spieler sowie zwei Betreuer. „Damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagt Sportrichter Clemens Betka vom Kreisverband Westlausitz.

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Forderung: Das Thema gehört in die Trainer-Ausbildung

Wesentlich häufiger als tätliche Angriffe, kommt es zu Diskriminierungen und Beleidigungen auf dem Platz. In jedem sechsten Spiel registrieren die Schiedsrichter laut Umfrage des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) entsprechende Vorfälle. „Oft sind die Betreuer das Problem. Sie kommen ihrer Vorbildfunktion nicht verantwortungsbewusst nach und wissen nicht, wie sie mit den Spielern umgehen sollen“, kritisiert Betka. Die aufgeheizte Stimmung, die am Spielfeldrand entsteht, übertrage sich schnell auf die Spieler auf dem Feld. Der Vorschlag des Richters: Dieses Thema sollte unbedingt mit in die Trainerausbildung aufgenommen werden.

Dass Inhalte zur Gewaltprävention im Trainerlehrgang fehlen, bestätigt A-Lizenz-Inhaber Antonino Sansone, der im Nachwuchsleistungszentrum von Hannover 96 arbeitet: „Die Vermittlung der Fachkompetenzen stehen in der Aus- und Fortbildung über allem. Die sozialen Komponenten müssen unbedingt einen höheren Stellenwert bekommen.“ Nur während seines B-Lizenzlehrgangs sei über „Mannschaftsführung“ gesprochen worden. Dabei ging es aber eher um die Motivation von Ersatzspielern als um den Umgang mit Aggressionen.

Das #GABFAF-Manifest

Das Grundgesetz der Initiative: Im Manifest könnt Ihr nachlesen, wofür #GABFAF sich einsetzt. Direkt hier in der Galerie! Zur Galerie
Das "Grundgesetz" der Initiative: Im Manifest könnt Ihr nachlesen, wofür #GABFAF sich einsetzt. Direkt hier in der Galerie! © #GABFAF
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Schärfere Kontrollen bei auffälligem Klub

Im Fall des TuS Asterlagen, bei dem die beiden Täter für fünfeinhalb beziehungsweise sieben Jahre für den Vereinssport gesperrt wurden, gibt es ab der neuen Saison verschärfte Kontrollen. Auf SPORTBUZZER-Nachfrage teilte der Fußballverband Niederrhein mit, dass in Zukunft bei jedem Spiel des Klubs eine Aufsicht vor Ort sein werde. Außerdem soll mit Antiaggressionstraining zukünftig derartige Vorfälle verhindert werden.

Wir stellen mit #GABFAF regelmäßig Klubs vor, die Unterstützung benötigen. Hier eine Auswahl. Wenn Du helfen kannst, melde Dich bitte über das Kontaktformular auf gabfaf.de

Biniam Hadera kam vor fast 40 Jahren als Flüchtling nach Deutschland. Heute ist er Trainer und Sportlicher Leiter beim TSV Fortuna Sachsenross in Hannover. Der Verein engagiert sich stark in der Integration, hat aber eine marode Anlage. Unser Ascheplatz ist eine Katastrophe, sagt Hadera. (<a href=https://www.sportbuzzer.de/artikel/fortuna-sachsenross-hannover-amateurfussball-integration-sahlkamp-gabfaf/ target=_blank>mehr dazu</a>) Zur Galerie
Biniam Hadera kam vor fast 40 Jahren als Flüchtling nach Deutschland. Heute ist er Trainer und Sportlicher Leiter beim TSV Fortuna Sachsenross in Hannover. Der Verein engagiert sich stark in der Integration, hat aber eine marode Anlage. "Unser Ascheplatz ist eine Katastrophe", sagt Hadera. (mehr dazu) ©

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