08. November 2021 / 13:09 Uhr

Frauenverbot im Männerfußball: Braucht es das wirklich? (mit Video)

Frauenverbot im Männerfußball: Braucht es das wirklich? (mit Video)

Jana Baumann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Lea Meier kämpft gegen das Frauenverbot im Männerfußball.
Lea Meier kämpft gegen das Frauenverbot im Männerfußball. © #GABFAF
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Eine Frau in einer Herrenmannschaft? Lea Meier vom SV Betheln-Eddinghausen engagiert sich gegen das Frauenverbot im Männerfußball. #GABFAF hat die 17-Jährige besucht und zeigt im Video, wie sie mit ihren Jungs aus der A-Jugend trainiert. Bald könnte das nicht mehr möglich sein.

Dieser Artikel ist Teil des Aktionsbündnis #GABFAF. Mehr Informationen unter gabfaf.de

"Ich bin Lea Meier und ich möchte im Herrenteam mitkicken." So selbstbewusst antwortet die 17-Jährige auf die erste Frage des #GABFAF-Interviews. Der Sportplatz in Betheln ist ihre Familie. Schon kurz nach ihrer Geburt war Lea Stammgast am Platz. Seit der U7 spielt sie in gemischten Teams mit Jungs zusammen, aktuell noch mit Sondergenehmigung in der A-Jugend. Bei den Erwachsenen ist das nicht mehr möglich. Anders ist es in den Niederlanden. Dort dürfen Frauen seit diesem Jahr bis zur dritten Liga bei den Männern mitspielen. Die junge Frau setzt sich deshalb für eine Regeländerung ein.

"Hier bin ich groß geworden, fast alle im Verein kennen mich von klein auf, vor allem die Spieler der ersten und zweiten Herren", erzählt Lea. Die Herrenmannschaft ihres Vereins SV Betheln-Eddinghausen spielt in der 1. Kreisklasse. "Ich schätze mich so ein, dass ich es dort nicht schaffe, aber bei der Zweiten in der 4. Kreisklasse schon." Der Grund für Leas Anliegen: Im Umkreis ihres Vereins gibt es nur sehr wenige Damenmannschaften. Häufig sind es mit 7er- oder 9er-Mannschaften auch kleinere als üblich. Zusätzlich gibt es beim SV Betheln-Eddinghausen selbst die Problematik, dass an manchen Sonntagen die zweite Herrenmannschaft stark dezimiert ist. "Ich möchte meinen Verein da einfach unterstützen. Und wenn die Leistung passt, wieso nicht?", so Lea.

Zu Besuch beim Buchholzer FC: Das Video der #GABFAF-Auswärtsfahrt

#GABFAF-Auswärtsfahrt beim SV Betheln Eddinghausen

"Entweder dusche ich zuerst oder die Jungs"

Als Gegenargument werden oft praktische Probleme angeführt. Die sieht Lea Meier nicht. "Entweder dusche ich zuerst oder die Jungs. Im Spielbetrieb ziehe ich mich immer zusammen mit allen um. Da ist nichts besonderes, es ist völlig normal. Jeder steht da in seiner Unterwäsche und fertig."

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Wohl aber haben sie und ihr Papa, der gleichzeitig auch ihr Trainer ist, beobachtet, dass männliche Gegenspieler im Spiel erstmal Abstand halten und nicht voll in die Zweikämpfe gehen. "Es gab schon Begegnungen mit anderen Mannschaften, in denen alle Beteiligten erstmal perplex waren, dass bei uns ein Mädchen mitspielt. Am Anfang war dann etwas Zurückhaltung da, aber das hat sich nach wenigen Minuten immer gelegt. Da wird keine Rücksicht mehr drauf genommen", sagt Leas Papa und Trainer Jens Meier.

"Ich spiele mit Lea seit zwei Jahren in einer Mannschaft und ich gehe mit ihr genauso um, als wenn ich mit einem Jungen in den Zweikampf gehe. Da halte ich mich nicht zurück. Ich finde es klasse, dass Lea so viel Einsatz zeigt", sagt Leas Mitspieler Kilian Beele.

Wenig Gegenwind im Verein

"Negative Meinungen zu Lea hier im Verein gibt es wenige. Manche sagen, die körperliche Überlegenheit in Männerteams wäre da, aber entscheiden tut es am Ende ja die Spielerin, ob sie im Herrenfußball spielen möchte oder nicht. Jeder weiß, wo er sich da drauf einlässt", merkt Jens Meier an. Und auch die angehende Elektronikerin hat noch was hinzuzufügen: "Der Trainer stellt nach Leistung und Trainingsbeteiligung auf und wenn du da als Frau überzeugst, dann kannst du ja auch als Frau mitspielen. Wieso nicht, wenn es keinen großen Leistungsunterschied gibt?"


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"Ich wünsche mir für Lea, dass sie ihr Vorhaben durchgesetzt bekommt und hier im Herrenfußball mitspielen darf", resümiert Papa Meier.

Möglicherweise entscheidet der nächste DFB-Bundestag im März darüber, ob Frauen überhaupt in Zukunft im Herrenbereich mitspielen dürfen. Der für Antidiskriminierung zuständige DFB-Vizepräsident Günther Distelrath hat eine entsprechende Initiative angekündigt.

"Ich hoffe einfach, dass es da eine positive Rückmeldung gibt. Ansonsten würde ich persönlich überlegen aufzuhören. Ich möchte einfach meinen Heimatverein, meine Familie, auch auf dem Platz unterstützen. Ich möchte mit den Männern kicken, die ich seit meiner Geburt kenne."

Das ist die #GABFAF-Auswärtsfahrt

In der Videoreihe #GABFAF-Auswärtsfahrt besuchen wir Klubs und erzählen ihre ganz besondere Geschichte. Das Video findest Du oben im Artikel ebenso wie auf den #GABFAF-Kanälen bei Instagram und Facebook. Vor dem Besuch beim SV Betheln-Eddinghausen waren wir bei Fums United, dem Inselklub TuS Borkum, dem ASV Eschbach und dem Buchholzer FC.

Wenn es bei dir im Verein auch besondere Menschen, spannende Projekte, eine außergewöhnliche Aktion oder eine interessante Geschichte gibt, über die wir berichten sollten, schreibe uns einfach an, und wir kommen mit der #GABFAF-Auswärtsfahrt auch zu deinem Verein. Den Kontakt findest Du auf gabfaf.de.